Die Rückkehr eines Klassikers: Ein seltenes Hercules-BMX-Fahrrad erweckt Nürnberger Fahrradgeschichte zu neuem Leben
Ein echtes Stück Nürnberger Fahrradgeschichte hat den Besitzer gewechselt! Ein extrem seltenes Hercules-BMX-Fahrrad, das aus den 1980er Jahren stammt und fabrikneu ist, hat nach über 40 Jahren seinen Weg nach Roth gefunden. Der Käufer, ein leidenschaftlicher Sammler, erfüllt sich damit einen Kindheitstraum. Man könnte sagen, das ist mehr als nur ein Kauf – es ist eine Rettung eines kleinen Kapitels aus der Geschichte des Fahrrads, das in Nürnberg seinen Ursprung hat. Marco Frömter hat diesen spannenden Artikel dazu verfasst, der am 10.06.2026 veröffentlicht wurde.
Hercules, ein Name, der in der Welt der Fahrräder viel bedeutet, feiert in diesem Jahr 120 Jahre Bestehen. Die Geschichte dieses Traditionsunternehmens, das eines der ältesten und kontinuierlich produzierenden Zweiradwerke weltweit ist, ist tief in der Entwicklung der deutschen Zweiradindustrie verwurzelt. Carl Marschütz, der Gründer, setzte 1886 mit seiner Velozipedfabrik in Nürnberg den ersten Grundstein für Erfolg und Innovation.
Ein Blick in die Vergangenheit
Die Idee des Fahrrads selbst geht bis ins 17. und 18. Jahrhundert zurück, aber die erste praktische Umsetzung durch Karl Friedrich Drais im Jahr 1813 war der wahre Durchbruch. Marschütz, geboren 1863 in Burghaslach, entwickelte schon früh ein Interesse am Radfahren. 1886, im Gründungsjahr von Hercules, wurden gleich 120 Fahrräder produziert. Ein Jahr später steigerte sich die Produktion auf 400. Die ersten Fahrräder galten als stabil und langlebig – eine Qualität, die die Marke bis heute auszeichnet.
In den 1890er Jahren erlebte Hercules einen Aufschwung, beschäftigte 170 Arbeiter und stellte das erste Elektrofahrzeug, eine Elektro-Chaise, vor. Während des Ersten Weltkriegs stellte das Unternehmen Rüstungsmaterial her, um dann nach dem Krieg in den 1920er Jahren einen Motorradboom zu erleben. Doch die Geschichte von Hercules war nicht immer einfach. 1938 musste Carl Marschütz aufgrund seiner jüdischen Herkunft Deutschland verlassen, und während des Zweiten Weltkriegs wurde das Werk stark beschädigt. Dennoch gab man nicht auf und nahm die Produktion wieder auf.
Moderne Zeiten und Innovationen
Die 1960er Jahre brachten eine enge Zusammenarbeit mit Fichtel & Sachs, und 1963 wurde Hercules von Sachs übernommen. Dies führte zu einer weiteren Expansion, aber in den 1980er Jahren begann der Rückgang der Nachfrage nach Mofas und Motorrädern. 1995 wurde der Fahrradbereich an die ATAG-Gruppe verkauft, während der motorisierte Bereich unter SACHS Fahrzeug- und Motorentechnik GmbH firmierte. Ein paar Jahre später, 2006, musste das Unternehmen Insolvenz anmelden, aber eine asiatische Investorengruppe half, es wieder auf die Beine zu stellen.
Aktuelle Modelle werden in Nürnberg entwickelt und in China produziert. Die Vielfalt der Produkte ist beeindruckend: Von Trekkingrädern über Cityräder bis hin zu E-Bikes – da ist für jeden etwas dabei. Rund 80 % der verkauften Räder sind heutzutage E-Bikes, und das Unternehmen hat sich als eine der angesehensten Marken etabliert. Hercules ist nicht nur ein Name, sondern ein Synonym für Qualität und innovative Produkte.
Die Rückkehr des Hercules-BMX-Fahrrads nach Roth ist also nicht nur ein persönlicher Triumph für den neuen Besitzer, sondern auch eine kleine Hommage an die traditionsreiche Geschichte von Hercules. Dieses Fahrrad ist ein Symbol für die Beständigkeit und den Wandel in der Fahrradindustrie, ein Stück Nostalgie, das die Herzen vieler Fahrradliebhaber höher schlagen lässt.
