In Gries am Brenner brodelt es gewaltig. Bürgermeister Karl Mühlsteiger hat die Zügel in die Hand genommen und für den 30. Mai 2026 eine Demonstration organisiert, die es in sich haben könnte. Mit den Pfingstferien vor der Tür hat er sich entschieden, die Brenner-Autobahn, eine der wichtigsten Transitstrecken zwischen Nord- und Südeuropa, während der Protestaktion zu sperren. Ein mutiger Schritt, der nicht nur den Verkehr unterbrechen wird, sondern auch die Gemüter erhitzen könnte.
Mühlsteiger sieht die Demo als letzten Ausweg, um auf die drängenden Probleme des steigenden Transitverkehrs hinzuweisen. „Wir haben jahrelang versucht, mit der Politik Lösungen zu finden, aber nichts hat sich bewegt“, erklärt er frustriert. Die Sperrung, die nur für einige Stunden gelten soll, wird schätzungsweise 30.000 bis 40.000 Autos betreffen. Das ist nicht wenig, und die Reaktionen sind gemischt. Auf die Ankündigung der Demo sind etwa 400 E-Mails eingegangen – die Mehrheit davon positiv. Lediglich zehn negative Rückmeldungen, vor allem von Urlaubern, die ihre Reiseziele nicht erreichen können, hat der Bürgermeister erhalten. Doch er bleibt gelassen und weist darauf hin, dass es alternative Routen gibt.
Gesundheit der Bürger im Fokus
Ein zentrales Anliegen der Demonstration ist die Gesundheit der Anwohner. Der Transitverkehr gefährdet diese, und Mühlsteiger macht deutlich, dass die Belastungen durch Lärm und Abgase nicht länger hingenommen werden können. „Wir müssen endlich etwas unternehmen“, betont er. Immerhin hat das Verwaltungsgericht der Demo zugestimmt, nachdem vorherige Anträge abgelehnt wurden. Das spricht für die Dringlichkeit des Themas und die Unterstützung, die Mühlsteiger und seine Mitstreiter aus den Nachbargemeinden erfahren.
Die Demonstration ist von 12 bis 18 Uhr geplant, wobei die Bezirkshauptmannschaft die Sperrzeit auf 11 bis 19 Uhr ausgeweitet hat. Mühlsteiger erwartet, dass sich mehr als 100 Teilnehmer versammeln werden – auch Bürgermeister aus umliegenden Gemeinden wollen ihre Unterstützung zeigen. Teilnehmer aus Deutschland, Südtirol, Wien und Tirol sind ebenfalls willkommen. Es wird spannend, wie diese Aktion bei den Passanten und Autofahrern ankommt.
Ein umfassender Forderungskatalog
Doch damit nicht genug. Mühlsteiger hat gemeinsam mit anderen Bürgermeistern aus dem Wipptal einen Forderungskatalog erstellt, der die Politik unter Druck setzen soll. Zu den Forderungen gehören der Bau von 13 neuen Lärmschutzwänden entlang der Autobahn und die Aufrechterhaltung des Nacht-, Feiertags- und Wochenendfahrverbots für Lkw. Italien hingegen hat gegen die Lkw-Verbote vor dem Europäischen Gerichtshof geklagt – ein echter Wettlauf gegen die Zeit.
Falls die Forderungen nicht erfüllt werden, droht Mühlsteiger mit weiteren Blockaden. Ein Ultimatum ist im Forderungspapier festgehalten, um der Politik einen klaren Zeitrahmen zu geben. Die Anwohner hoffen zudem auf den Brennerbasistunnel, der mit 64 km der längste Eisenbahntunnel der Welt werden soll. Dieser Tunnel könnte die Fahrtzeit für Züge zwischen Innsbruck und Franzensfeste von 80 auf 25 Minuten reduzieren und eine echte Entlastung bringen.
Doch wird das alles genug sein? Mühlsteiger hat auch Forderungen an Deutschland und Italien gerichtet, wie die Erhöhung der Mauttarife auf Schweizer Niveau und die Abschaffung der steuerlichen Begünstigung des Diesels in Österreich, um den Tanktourismus einzudämmen. Die Situation bleibt angespannt, und die Demonstration am 30. Mai wird ein wichtiges Zeichen setzen – für die Bürger, für die Politik und für die Zukunft des Brenners.
Ein nicht zu unterschätzendes Ereignis, das den Puls von Gries am Brenner und darüber hinaus in Bewegung bringen könnte.