In Bayern ist es ein echtes Drama: Mehr als 500 Gemeinden haben kein Wirtshaus mehr. Das hat der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern im Jahr 2025 veröffentlicht. An all diesen leeren Stühlen und dem Fehlen von fröhlichem Gelächter – das tut weh. Gerade in Freising gibt es nun Bestrebungen, das historische Wirtshaus „Furtner“ zu retten. Es war einmal eine Brauerei, die von 1513 bis 1967 in Betrieb war und 1886 nach einem Brand neu aufgebaut wurde. Die Erinnerungen an gesellige Abende und leckeres Essen – ein Stück Heimat, das droht verloren zu gehen.
Vor 14 Jahren haben Fiedler und zwei Freunde das Wirtshaus wieder zum Leben erweckt, nachdem es eine Zeit lang geschlossen war. „Eigentlich wollten wir es nur ein Jahr lang betreiben“, sagen sie heute und schmunzeln. Nun steht ein langfristiger Plan auf der Agenda. Ein Team von zehn Personen arbeitet an der Gründung einer Genossenschaft, die das Wirtshaus auf Erbpacht erwerben und sanieren möchte. Der Anteil kostet 500 Euro. Bislang haben 180 Mitglieder rund 300 Anteile gekauft. Das Ziel sind bis Ende August 1500 Anteile. Wenn das nicht mal ein Zeichen der Verbundenheit ist!
Die Herausforderungen der Wirtshauskultur
Das Wirtshaus „Furtner“ ist nicht allein in seinem Kampf. Das Wirtshaussterben in Deutschland ist ein weit verbreitetes Phänomen, das schon vor der Corona-Pandemie begonnen hat. Inflation, hohe Energiepreise und Personalmangel sind nur einige der Gründe, die zu dieser besorgniserregenden Entwicklung führen. Immer weniger traditionelle Wirtshäuser und Kneipen haben Bestand. Die Schließungen bedeuten nicht nur einen Verlust von kulinarischen Angeboten, sondern auch von Orten, an denen Traditionen und Bräuche lebendig gehalten werden. Wer denkt nicht an gemütliche Stammtische, die das Herzstück unserer Kultur bilden?
Die Wirtshauskultur ist ein Stück Identität. Besonders im Bayerischen Wald waren Wirtshäuser früher Zentren der Schafkopf-Kultur. Aber auch hier ist der Verlust der Wirtshäuser spürbar. In vielen Gemeinden sind nur noch wenige Wirtshäuser geöffnet, oft nur für geplante Veranstaltungen am Wochenende. Nach der Pandemie haben viele ältere Wirtsleute ihre Türen geschlossen und die, die geblieben sind, kämpfen gegen steigende Kosten und bürokratische Anforderungen. Das führt dazu, dass viele Nachkommen lieber sichere Jobs in der Industrie oder im öffentlichen Dienst wählen, als das unternehmerische Risiko eines Wirtshauses auf sich zu nehmen.
Ein Lichtblick in der Dunkelheit
Doch es gibt auch Hoffnung. Die Genossenschaft, die das Wirtshaus „Furtner“ retten möchte, plant, die oberen Stockwerke in ein Kulturzentrum umzuwandeln. Die Gesamtkosten für die Sanierung werden auf rund vier Millionen Euro geschätzt. Ein ambitioniertes Projekt, das zeigt, dass der Gemeinschaftssinn stark ist und die Menschen bereit sind, für ihre Wirtshauskultur zu kämpfen. Die Genossenschaft will unabhängig von externen Investoren agieren, was eine erfrischende Abkehr von den üblichen Finanzierungsmodellen ist. Jedes Mitglied hat ein Stimmrecht – jeder zählt, und das ist eine wunderbare Art, die vertraute Atmosphäre des Wirtshauses zu bewahren.
Die Zukunft der Wirtshauskultur bleibt ungewiss. Aber Initiativen wie diese zeigen, dass es Möglichkeiten gibt, die Traditionen am Leben zu halten. Und trotz der Schwierigkeiten – sei es durch die pandemiebedingte Abwanderung von Köchen oder die Herausforderungen bei der Nachfolge für Wirte – gibt es doch immer noch Menschen, die sich für ihre Wirtshäuser einsetzen. Vielleicht, nur vielleicht, wird das Wirtshaus als Ort der Geselligkeit und des kulturellen Austauschs nicht ganz aussterben. Ein Hoch auf unsere Wirtshauskultur!