Künstliche Intelligenz am Wendepunkt: Roland Busch fordert schnelles Handeln für Deutschlands digitale Zukunft
Am heutigen Tag, dem 12. Juni 2026, versammelten sich in Nürnberg zahlreiche Köpfe der Industrie und Wissenschaft beim Big Bang Nürnberg Management Summit. Im Mittelpunkt stand Roland Busch, der CEO von Siemens. Sein Vortrag über die Herausforderungen und Chancen für Deutschland und Europa im Bereich der industriellen Künstlichen Intelligenz (KI) war nicht nur aufschlussreich, sondern auch von einer gewissen Dringlichkeit geprägt. „Deutschland steht am Scheideweg“, so Busch, und es müsse jetzt schnell gehandelt werden, um im globalen Wettbewerb nicht den Anschluss zu verlieren.
Busch warnte eindringlich, dass Europa den Wettbewerb um digitale Plattformen und KI-Basismodelle weitgehend verloren hat. „Wir müssen die Verbindung von KI mit realer Produktion, Maschinenbau und Automatisierung nutzen, um eine Chance für Deutschland zu schaffen“, forderte er. Es gehe darum, dass Investitionen in Rechenzentren und KI-Modelle sich auszahlen müssen, indem diese Technologien auch tatsächlich in der realen Welt Anwendung finden. Domänenwissen, industrielle Daten und Hardware-Kompetenz seien dabei entscheidend.
Die Herausforderungen der digitalen Zukunft
Ein weiterer kritischer Punkt, den Busch ansprach, war die Erosion industrieller Ökosysteme in Deutschland, vor allem in Schlüsselbranchen wie der Automobiltechnik, Chemie, Pharmazie und Medizintechnik. „Das ist ein ernsthaftes Problem“, sagte er, während er darauf hinwies, dass chinesische Interessenten häufig bei Unternehmensverkäufen die Nase vorn haben. Siemens selbst hat bereits rund 30 Milliarden Dollar in industrielle Software investiert, um einen führenden industriellen Software-Stack aufzubauen. Doch das reicht nicht aus. „Die digitale und reale Welt müssen enger zusammengeführt werden, und KI kann diesen Prozess beschleunigen“, so Busch weiter.
Er kritisierte auch die überhitzten Bewertungen im internationalen Tech-Sektor und betonte die Herausforderungen, vor denen kleinere Anbieter stehen. „Wir müssen als Nation und als Unternehmen schneller handeln“, appellierte er an den Mittelstand, Daten zu teilen und den Austausch zu intensivieren. Ein neues Datenprojekt mit sieben Maschinenbauern zielt darauf ab, Produktions- und Maschinendaten zu teilen, um Modelle für industrielle KI zu trainieren. „Das ist der Weg nach vorn“, meinte Busch.
Politik im Krisenmodus
In einer eindringlichen Aufforderung an die Politik forderte er einen „Krisenmodus“, um die Chancen der KI wirklich zu nutzen. Er betonte, dass die Zeit für technologische Umbrüche nicht ewig währt. Jetzt sei der Zeitpunkt, um zu handeln, bevor es zu spät ist. Es gibt noch eine Chance für Deutschland im Bereich der industriellen KI, aber die muss aktiv ergriffen werden.
Parallel zu Buschs Auftritt fand in Berlin die erste Sitzung der 15-köpfigen Expertenkommission „Wettbewerb und Künstliche Intelligenz“ statt, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eingesetzt wurde. Diese Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, Handlungsempfehlungen für die Entwicklung einer leistungsfähigen KI-Infrastruktur und digitale Souveränität zu erarbeiten. Bundesministerin Katherina Reiche und Professor Rupprecht Podszun, der die Sitzung leitet, hoben die Bedeutung von KI für die Zukunft und den Wettbewerb hervor. „Wettbewerb ist unerlässlich, um wirtschaftliche Abhängigkeiten zu vermeiden“, so Podszun.
Die initialen Diskussionen konzentrieren sich auf zentrale Themen wie Finanzierung, Wettbewerbsschutz und Innovationskultur. Hier sind auch prominente Experten eingeladen, die ihre Perspektiven einbringen. Unter den Mitgliedern der Kommission finden sich Größen wie Cedrik Neike von Siemens und Professor Sebastian Thrun, der vor Überregulierung warnt. Diese Gespräche könnten wegweisend für die Zukunft Deutschlands im KI-Bereich sein.
