Reinigungskräfte in Not: Ein Appell für Respekt und faire Löhne
Im Landkreis Neumarkt, wo die Straßen von geschäftigen Reinigungskräften belebt werden, fordert die Gewerkschaft IG BAU eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Am 15. Juni, dem Tag der Gebäudereinigung, wird der Ruf nach einem „Respekt- und Lohn-Schub“ laut. Hier arbeiten etwa 600 Gebäudereiniger in Büros, Schulen und Altenheimen – ein wichtiger Job, der oft nicht die Wertschätzung und die Entlohnung erhält, die er verdient. Wolfgang Brandmüller von der IG BAU Oberpfalz bringt es auf den Punkt: Diese Menschen leisten eine unverzichtbare Arbeit, sind aber häufig von Armut bedroht. Die meisten von ihnen verdienen nur einen Niedriglohn, was zur Altersarmut führen kann. Es ist kaum zu fassen, aber eine Gebäudereinigerin müsste über 70 Jahre arbeiten, um die Durchschnittsrente zu erreichen!
Die IG BAU warnt eindringlich vor den gesellschaftlichen Folgen dieser niedrigen Löhne. Brandmüller hebt hervor, dass der soziale Zusammenhalt gefährdet ist, wenn die Menschen für ihre harte Arbeit nicht angemessen entlohnt werden. Der Appell richtet sich an die Bundestagsabgeordneten von CSU und SPD, bei der bevorstehenden Rentenreform gegenzusteuern. In den kommenden Tarifverhandlungen wird ein „kräftiges Lohn-Plus“ für die Beschäftigten im Reinigungsgewerbe gefordert. Die 17 Gebäudereinigerunternehmen im Landkreis Neumarkt stehen vor einem Umbruch – es ist an der Zeit, dass sich etwas bewegt.
Ein Blick über die Grenzen
Nicht nur in Neumarkt, sondern auch im Kreis Heinsberg, wo rund 1.670 Reinigungskräfte beschäftigt sind, wird der gleiche Ton angeschlagen. Auch dort fordert die IG BAU Aachen am Tag der Gebäudereinigung mehr Anerkennung und ein besseres Einkommen für die Reinigungskräfte. Tomislav Stevkov von der IG BAU Aachen bringt es ebenfalls auf den Punkt: Die Löhne sind oft so niedrig, dass sie eine Altersarmut geradezu heraufbeschwören. Die Warnungen vor krassen Lohnunterschieden sind nicht zu ignorieren, denn sie drohen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu gefährden. Auch hier gibt es einen Appell an die Bundestagsabgeordneten, sowohl von CDU als auch SPD, sich für eine faire Rentenreform stark zu machen.
Die Realität ist, dass Niedriglöhne in Deutschland weit verbreitet sind. Laut dem Institut Arbeit und Qualifikation lag der Schwellenwert für Niedriglöhne im Jahr 2020 bei 12,07 Euro pro Stunde. Das klingt nach viel, aber dennoch arbeiten etwa 20 Prozent der Beschäftigten in Deutschland im Niedriglohnsektor. Diese Zahl hat seit 1995 stark zugenommen, auch wenn in den letzten Jahren ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist. Der Dienstleistungssektor, stark dominiert von Kleinbetrieben, ist ein Hauptverursacher dieser Problematik. Es wird immer deutlicher, dass die Ausweitung von Niedriglöhnen auch mit der Erosion der Tarifbindung und der schwächelnden Durchsetzungsmacht von Gewerkschaften zusammenhängt.
Das Thema ist nicht einfach, und es gibt viele Faktoren, die zu dieser Entwicklung beitragen. Die Hartz-Reformen haben die Situation zwischen 2002 und 2007 maßgeblich beeinflusst, und die Regelungen des SGB II ermöglichen es, unterhalb des Tariflohns zu arbeiten. Der Druck auf die Menschen, auch schlecht bezahlte Arbeiten anzunehmen, ist enorm – besonders in atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Das hat zur Folge, dass viele Beschäftigte mit einem Stundenlohn von weniger als 12,07 Euro leben müssen.
Ein weiteres besorgniserregendes Detail ist die Struktur der Niedriglohnbeschäftigten. Besonders betroffen sind Mini-Jobber, Jugendliche und Unqualifizierte. Die Mehrheit dieser Beschäftigten hat eine Berufsausbildung, ist unbefristet beschäftigt und arbeitet sogar in Vollzeit. Es ist eine komplexe und besorgniserregende Lage, die mehr Aufmerksamkeit und vor allem Handlungsbedarf erfordert.
