Frauenschicksale im Schatten der Hologramm-Madonna
Am 12. Juni 2026 feierte das Residenztheater München mit der Premiere von Werner Schwabs Stück „Die Präsidentinnen“ ein echtes Highlight. Unter der Regie von Claudia Bauer erwecken drei Frauen – Erna, Grete und Mariedl – ihre Geschichten auf der Bühne, während im Hintergrund der Papst im Fernsehen predigt. Ja, man fragt sich fast, was die Damen davon halten! In dieser bescheidenen Wohnküche, die als Kulisse dient, entfalten sich tiefgründige Diskussionen über das eigene Leben und die Welt. Es ist ein Ort, an dem der Alltag auf den Kopf gestellt wird und die Realität in Fantasiewelten transformiert wird.
Erna, die sparsame Matriarchin, hat gleich mehrere Herausforderungen zu meistern: Ihr Sohn Hermann kämpft mit der Alkoholabhängigkeit und will partout keine Enkelkinder. Grete hingegen, die sich in ihrer Rolle als begehrt empfindet, sieht ihre älteste Tochter nach Australien fliehen – ein echtes Drama in der Familie! Und dann ist da noch Mariedl, die mit ihrer Obsession für Fäkalien und ihrer Arbeit als Klofrau für einige Lacher sorgt. Sie bringt die anderen zurück auf den Boden der Tatsachen, wenn sie sich in ihren Träumen verlieren. Schwab hat es geschafft, eine tragikomische Welt zu erschaffen, die zum Lachen und Nachdenken anregt.
Ein Blick auf die Charaktere
Die drei Protagonistinnen – gespielt von Katja Jung (Erna), Myriam Schröder (Grete) und Lisa Wagner (Mariedl) – verkörpern eine bunte Mischung aus Konflikten, Hoffnungen und auch ganz viel Schmutz, der die gute, alte Fassade bedroht. Sie kritisieren nicht nur sich gegenseitig, sondern zeigen auch die alltäglichen Lebensrealitäten der Frauen im Prekariat. Die Figuren erleben ihren Größenwahn, während sie gleichzeitig um ihren Platz im Leben kämpfen. Man könnte sagen, der Schmutz ist nicht nur das, was sie reinigen müssen – er ist auch ein Symbol für die Herausforderungen, die das Leben mit sich bringt.
Das Bühnenbild von Andreas Auerbach, ein riesiges Marterl und eine Hologramm-Madonna, verstärkt die surrealen Elemente des Stücks. Man fragt sich, ob die Hologramm-Madonna die Frauen beobachtet oder vielleicht sogar ihre Geschichten beeinflusst. Die Kostüme von Vanessa Rust, die voluminöse Formen und transparente Schürzen betonen, bringen die körperliche Präsenz der Figuren zum Ausdruck. Hier wird nicht nur Theater gespielt, hier wird gelebt!
Die Sprache und der Kontext
Werner Schwab, der 1994 im Alter von nur 35 Jahren verstarb, wird oft als radikaler Erneuerer des Volksstücks bezeichnet. Seine Sprache gilt als einzigartig und poetisch, und „Die Präsidentinnen“ zählt zu seinen „Fäkaliendramen“. Man könnte fast meinen, er hat mit seiner scharfen Beobachtungsgabe einen Spiegel vorgehalten, der auch heute noch zum Nachdenken anregt. Die Kritiken sind durchweg positiv: Michael Laages von Deutschlandfunk Kultur beschreibt das Stück als eine historische Wiederbegegnung – ein eindrucksvolles Erlebnis, das trotz seiner Künstlichkeit immer noch ansprechend ist.
Das gesamte Stück dauert etwa 1 Stunde und 45 Minuten, ohne Pause – eine Herausforderung für die Zuschauer, aber auch eine Gelegenheit, in die Welt dieser drei Frauen einzutauchen. Die Inszenierung wird als dramaturgisch gut durchgearbeitet und philosophisch bezeichnet, was den tiefen und oft schmerzhaften Themen des Lebens eine besondere Note verleiht. Man könnte sagen, das Residenztheater hat mit dieser Aufführung einen Nerv getroffen, der in die Zukunft weist, während er gleichzeitig tief in der Vergangenheit verwurzelt ist.
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