Demokratie in der Krise: Ein Abend mit Michel Friedman über Dialog und Zusammenhalt
Am Campus Mühldorf am Inn der Technischen Hochschule Rosenheim gab es kürzlich eine Veranstaltung, die die Gemüter erregte und zum Nachdenken anregte. Prof. Dr. Dr. Michel Friedman, ein bekannter Experte für gesellschaftliche Themen, sprach über das gesellschaftliche Zusammenleben, Bildung und die Grundlagen demokratischer Strukturen. In einem vollen Raum mit rund 150 Besucherinnen und Besuchern las er aus seinem Buch „Mensch! – Liebeserklärung eines verzweifelten Demokraten“ und forderte die Anwesenden auf, sich aktiv in die Diskussion einzubringen.
Ein zentrales Thema des Abends war der Umgang mit unterschiedlichen Meinungen in einer polarisierten Gesellschaft. Friedman betonte die Notwendigkeit des Dialogs und der gegenseitigen Achtung. „Eine Lüge ist keine Basis für einen sachlichen Diskurs“, stellte er fest und verwies auf die wachsenden Spannungen und antidemokratischen Tendenzen, die unsere Gesellschaft gegenwärtig prägen. Diese Gedanken sind besonders relevant, wenn man sich die Entwicklungen in der politischen Landschaft Deutschlands anschaut.
Gesellschaftlicher Zusammenhalt im Wandel
Der gesellschaftliche Zusammenhalt hat sich seit 2020 zu einem politischen Leitwert entwickelt, der in verschiedenen politischen Lagern Zustimmung findet. Man denke nur an den Antrag der AfD, der die Aufhebung des nationalen Aktionsplans gegen Rassismus forderte, da diese Partei die Maßnahmen als gesellschaftsspaltend betrachtete. Solche Positionen zeigen, wie komplex und vielschichtig der Diskurs über Zusammenhalt ist – besonders in Krisenzeiten, in denen der Zusammenhalt als gefährdet, aber auch als zentrale Ressource gilt.
Friedman thematisierte auch die Rolle von Bildung und sozialer Herkunft. Es war interessant zu hören, dass er die starke Beeinflussung von Bildungswegen durch den sozialen Hintergrund kritisierte. Die Bedeutung von sozialen und emotionalen Kompetenzen wie Empathie und Perspektivwechsel wurde hervorgehoben. Schulen und Hochschulen sind hier gefordert, junge Menschen auf eine aktive, demokratische Teilhabe vorzubereiten. Dies ist gerade in einer Zeit wichtig, in der gesellschaftliche Herausforderungen wie die Flüchtlingskrise oder der Klimawandel uns alle betreffen.
Ein offenes Ohr für alle
Die Veranstaltung wurde von Prof. Barbara Solf-Leipold moderiert, die den Dialog zwischen Publikum und Friedman anregte. Die Diskussionsrunde bot Raum für Fragen und Meinungen, was den Austausch intensivierte. Es war spürbar, dass die Anwesenden auf der Suche nach Antworten waren, wie man in einer immer polarisierten Welt zusammenfinden kann. Die Sensibilität für sozioökonomische Ungleichheiten wurde als entscheidend für den Erhalt des demokratischen Zusammenhalts betrachtet.
Ein weiteres Highlight war die Ankündigung der nächsten Veranstaltung am Campus Mühldorf am Inn: Am Dienstag, den 30. Juni 2026, wird Markus Ostermair aus seinem Roman „Der Sandler“ lesen und sich anschließend der Diskussion stellen. Der Eintritt ist frei, und der Beginn ist auf 17.30 Uhr angesetzt. Eine weitere Gelegenheit, um sich mit wichtigen Themen auseinanderzusetzen und den Dialog fortzuführen!
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