Heute ist der 16.06.2026 und in Miesbach gibt es Neuigkeiten, die viele Menschen hier betreffen. Das Erzbistum hat sich dazu entschlossen, in Zukunft eine Prioritätenliste für die Sanierung kirchlicher Gebäude zu erstellen. In Zeiten, wo das Geld immer knapper wird – jährlich stehen nur noch 50 Millionen Euro für die Sanierungen zur Verfügung – ist eine solche Liste mehr als nur ein organisatorisches Werkzeug. Sie könnte entscheidend dafür sein, welche Kirchen und Kapellen in der Region erhalten bleiben und welche vielleicht in Vergessenheit geraten.

Die Herausforderungen sind enorm. Oft werden Schäden an den heiligen Stätten unerwartet bekannt. Das kann eine Kirchturmspitze sein, die droht abzubrechen, oder feuchte Wände, die das schöne Mauerwerk angreifen. Besonders bei denkmalgeschützten Gebäuden kann die Behebung solcher Mängel eine lange Odyssee sein. Bisher war es so, dass Kirchenstiftungen an das Ordinariat herangetreten sind, um finanzielle Mittel zu beantragen – was leider oft mit langen Wartezeiten verbunden war. Mit dem neuen Projekt „Immobilien und Pastoral“ soll sich das ändern.

Die neue Strategie im Dekanat Miesbach

Die Idee hinter diesem Projekt ist es, dass die Kirchenstiftungen ihren Immobilienbestand und den Sanierungsbedarf selbst erfassen. Auf Grundlage dieser Daten wird dann eine dekanatsweite Prioritätenliste erstellt. So soll die Verteilung der Gelder vom Ordinariat geregelt werden. Eine Arbeitsgruppe wurde ins Leben gerufen, die sich um die Umsetzung dieser neuen Strategie kümmert. An Bord sind Dekan Michael Mannhardt, Dekanatsreferent Diakon Joachim Baumann, Wolfgang Foit und Andrea Pölt. Ihr gemeinsames Ziel? Die nächsten Schritte für die Pfarreien effektiv zu planen und umzusetzen.

Dekan Mannhardt hat die Herausforderungen der Priorisierung bereits angesprochen. Es ist nicht einfach, den vielen Bedürfnissen und Wünschen der Menschen gerecht zu werden, die eine tiefe Identifikation mit ihren Kirchen haben. Hier wird nicht nur ein Gebäude saniert, hier geht es um Heimat, um Traditionen und um einen Ort des Glaubens. Es gibt sogar Überlegungen, alternative Nutzungen für Kirchen und Kapellen in Betracht zu ziehen. Wie wäre es, wenn man sakrale Räume auch für kulturelle Veranstaltungen öffnet? Der Dekanatsreferent Baumann spricht von einem Kulturwandel innerhalb der Kirche, da sowohl Geld als auch Personal zunehmend zur Mangelware werden.

Ein Schritt in die Zukunft

Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser neuen Strategie ist die stärkere Einbeziehung der Kirchenstiftungen vor Ort. Diese sollen mehr Mitbestimmung erhalten, was sicherlich auch die Bindung zur Gemeinde stärkt. Mannhardt sieht zudem die Entbürokratisierung als Vorteil. Entscheidungen könnten schneller getroffen werden. Auch die Ehrenamtlichen in den Pfarreien sollen in die Immobilienverwaltung einbezogen werden. Ein Schritt, der nicht nur die „Pfarrerzentriertheit“ auflösen könnte, sondern auch frische Ideen in die Verwaltung bringt.

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Diese Entwicklungen sind besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Situation in Deutschland spannend. Rund 44.000 katholische und evangelische Kirchen und Kapellen gibt es hierzulande, von denen etwa 90 Prozent als denkmalgeschützt gelten. Die Bewahrung dieser kulturellen Schätze ist eine große Herausforderung für die Gesellschaft. Auf einer Jahrestagung des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz wurde erst kürzlich ein Appell veröffentlicht, um konstruktive Lösungen für die Zielkonflikte rund um die Nutzungsveränderungen in denkmalgeschützten Kirchen zu finden. Kirchen sind nicht nur Gotteshäuser – sie sind ein Teil unserer europäischen Kultur- und Denkmallandschaft.

Wie sich die Situation in Miesbach und darüber hinaus entwickeln wird, bleibt spannend. Die neue Prioritätenliste könnte der erste Schritt in eine zukunftsfähige Lösung sein, die nicht nur den Erhalt der Gebäude sichert, sondern auch die Menschen, die mit ihnen verbunden sind. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Ideen und Konzepte, die jetzt entwickelt werden, fruchtbare Ergebnisse bringen werden.

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