Inmitten der malerischen Landschaft von Fischbachau wird momentan ein Erschließungsprojekt für die Benzing- und Jägerbauernalm angestoßen. Die Experten vom AELF haben kürzlich im Gemeinderat die Pläne vorgestellt, und es ist klar: Die Zeit für Veränderungen ist gekommen! Ein zentrales Ziel dieses Vorhabens ist es, die Bedenken rund um die Online-Petition „Rettet den Jägerkamp“ des Deutschen Alpenvereins (DAV) auszuräumen. Denn die Petition warnt vor potenziellen Beeinträchtigungen des Lebensraums und einer möglichen Ausweitung des Wildschutzgebiets – ein heißes Eisen, das die Gemüter erhitzt.
Die Idee, das Almgebiet zu erschließen, schwirrt schon seit 60 Jahren für die Benzingalm und seit 20 Jahren für die Jägerbauernalm in den Köpfen der Leute herum. Beide Gebiete sind über 30 Hektar groß und beherbergen eine beachtliche Anzahl von Rindern – auf der Benzingalm leben 24 Kühe, während auf der Jägerbauernalm sogar 33 Rinder grasen. Das geplante Projekt sieht eine Trasse vor, die über eine bestehende Forststraße verläuft und Neubauten von insgesamt 1,7 Kilometern bis zur Benzingalm sowie 1,3 Kilometern zur Jägerbauernalm umfasst. Mit 3,5 Metern Breite im Wald und 2,5 Metern außerhalb, ergänzt durch zusätzliche Banketten, könnte das die Versorgung der Tiere enorm verbessern.
Ein Balanceakt zwischen Natur und Mensch
Die Vorzüge der Erschließung sind unbestritten: Eine bessere Viehversorgung und der Erhalt der einzigartigen Landschaft stehen im Vordergrund. Doch gleichzeitig durchschneidet die geplante Trasse mehrere sensible Bereiche, was ein langwieriges Genehmigungsverfahren nach sich zieht. Öffentlichkeitsbeteiligung? Fehlanzeige. Das könnte einige Anwohner verunsichern, zumal die Neuausweisung der Wildschutzgebiete unabhängig vom Almwegbau ist. Die Gemeinderatsmitglieder haben sich jedoch positiv zu den Plänen geäußert und appellieren an die Kritiker, die Unterschriftensammlung zu stoppen.
Doch lassen wir uns nicht von den Sorgen der Gegenbewegung blenden – Almen sind Kulturlandschaften, die unterhalb der natürlichen Waldgrenze liegen und für die Weidehaltung gerodet wurden. Sie bieten Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen, die sich an ihre speziellen Bedingungen angepasst haben. Weidetiere spielen dabei eine Schlüsselrolle für die Biodiversität, indem sie das Wachstum von Bäumen verhindern und verschiedene Nischen im Ökosystem schaffen. Es ist ein feines Gleichgewicht, das es zu wahren gilt.
Herausforderungen und Lösungen
Doch wie das Leben so spielt, zu viele Weidetiere können auch die Überbeanspruchung der Almen zur Folge haben – und damit die Schrumpfung der Biodiversität. Die Almbewirtschaftung muss also überdacht und an die sich verändernden klimatischen Bedingungen angepasst werden. Der Klimawandel bringt höhere Temperaturen und Trockenphasen mit sich, die sich negativ auf die Vegetation auswirken und die Bestäubung durch Insekten gefährden. Die Herausforderungen sind groß, aber nicht unüberwindbar.
Ein aktuelles Projekt in Österreich zeigt, wie man diesen Herausforderungen begegnen kann. Über 47 Almbetriebe haben seit 2018 an einem Programm zur Förderung der Arten- und Futtervielfalt auf Almen teilgenommen. Hier werden wertvolle Erkenntnisse für die Praxis gesammelt und Lösungen entwickelt, um mit Problempflanzen wie Ampfer und Distel umzugehen. So werden auch die Weidezeiten an die Vegetation angepasst und die Wasserversorgung effizienter gestaltet. Ein Webinar, das am 13. Dezember 2023 stattfindet, wird sich mit all diesen Herausforderungen auseinandersetzen und ist kostenlos für alle Interessierten.
Die Zukunft der Almen ist also ein spannendes Thema, das uns alle betrifft. Durch die Erschließung der Benzing- und Jägerbauernalm könnte nicht nur die Landwirtschaft in der Region gestärkt, sondern auch der Lebensraum für viele Arten nachhaltig erhalten werden. Und das ist schließlich ein Ziel, das es wert ist, verfolgt zu werden.