Heute ist der 29. Mai 2026 und der Bodensee zeigt sich von einer Seite, die wir lange nicht mehr gesehen haben. Der Wasserstand in Konstanz steht bei 310 cm – das sind satte 77 cm unter dem langjährigen Mittel. Das sorgt für ein großes Umdenken bei den Badegästen, die sich jetzt auf einen Spaziergang zum Wasser einstellen müssen. Bis zu 50 Meter müssen sie teilweise zurücklegen, um endlich ins kühle Nass zu gelangen. Das Strandbad Hörnle ist, wie viele andere, betroffen. Der Steg? Trocken. Und auch die Wassertemperaturen liegen mit 18 bis 20 Grad im angenehmen Bereich, aber das hilft wenig, wenn man erst einmal den langen Weg bis zum Wasser hinter sich bringen muss.
Ursache für diesen besorgniserregenden Zustand sind die extrem geringen Niederschläge und die schwachen Schneefälle im Einzugsgebiet des Sees in diesem Winter. Die Prognosen deuten darauf hin, dass wir rund um den Bodensee einen historischen Tiefststand erleben, der am 26. Mai erreicht wurde. Das bringt nicht nur die Badegäste in die Bredouille, sondern auch die Wasservögel. Blässhühner und Haubentaucher haben es schwer, ihre Nester im trockenen Schilf zu finden. Auf der anderen Seite haben Schwäne und Stockenten ein wenig Glück: Ihre Nester sind nicht überflutet und bleiben trocken.
Schifffahrt und Tourismus leiden unter dem Niedrigwasser
Die Schifffahrt hat ebenfalls mit den Folgen zu kämpfen. Der Verkehr zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein ist unterbrochen und auch die Frey Meersburger Bootsbetriebe mussten ihre Anlegestelle auf Mainau verlegen und den Bootsverleih einstellen. Von 120 Liegeplätzen im Flachwasserhafen in Horn sind nur fünf belegt. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Transport, sondern auch auf den Tourismussektor, der auf die Ankunft von Besuchern angewiesen ist. Drei von 25 Häfen sind nicht anlaufbar, was die Situation zusätzlich verschärft.
Die gute Nachricht? Die Trinkwasserversorgung in den betroffenen Gemeinden bleibt gesichert. Die Wasserentnahme erfolgt aus 70 Metern Tiefe, sodass hier keine akute Gefahr besteht. Dennoch gibt es in einigen Gebieten, die stärker betroffen sind, Berichte über Trinkwasserknappheit. Ein Umstand, den man nicht ignorieren sollte, besonders wenn wir über die steigenden Temperaturen im Sommer nachdenken.
Der Klimawandel als langfristiger Faktor
Ein Blick auf die Ursachen lässt uns nicht nur den aktuellen Wasserstand betrachten, sondern auch die längerfristigen Veränderungen. Klimawandel, das Zauberwort, wirkt sich auf Extremwetterereignisse und Niederschlagsmuster aus. Der Alpenrhein, als größter Zufluss des Bodensees, führt momentan über 450 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, aber die Experten warnen: Ohne Regen könnte der Wasserstand bald unter die 3-Meter-Marke fallen. Das ist der Punkt, an dem wir uns ernsthaft Gedanken machen sollten.
Die Situation bleibt angespannt. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) sieht zwar keine akute Gefahr für das Ökosystem, doch das Versiegen von Lebensräumen in flachen Uferbereichen ist ein ernstzunehmendes Problem. Die Frage bleibt im Raum: Wie wird sich der Bodensee über den Sommer entwickeln? Mit einer unsicheren Wetterlage im Rücken können wir nur abwarten und hoffen, dass die Wolken sich bald zusammenziehen und uns den ersehnten Regen bringen.