Es war ein herrlicher Samstag in Landsberg am Lech, als sich rund 70 interessierte Bürgerinnen und Bürger vor dem Historischen Rathaus am Hauptplatz versammelten. Die Stadtführung, organisiert von der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus, zog nicht nur die ursprünglich geplanten 35 Teilnehmer an, sondern verdoppelte die Zahl fast mühelos. Andreas Münzer, der Stadtführer mit viel Enthusiasmus und einem ansteckenden Lächeln, begann die Tour mit dem Titel „Rechtsprechung im Mittelalter in Landsberg“. Ein Thema, das nicht nur Geschichtsliebhaber anspricht, sondern auch das Interesse der breiten Masse weckt.

Die Führung startete mit einem eindrucksvollen Blick auf die alttestamentlichen Figuren, die unter der Fensterbrüstung des Rathauses thronen. Susanna, die fälschlicherweise des Ehebruchs beschuldigt wird, Judith, die Holofernes enthauptet, und eine rätselhafte mittlere Figur, die noch immer für Diskussionen sorgt. Diese Statuen sind nicht nur kunstvolle Werke, sondern auch Symbolträger für Standhaftigkeit, Mut und moralische Ordnung – ganz nach dem Geschmack der Teilnehmer. Wer hätte gedacht, dass diese Figuren so viel über das menschliche Wesen verraten können?

Einblicke in die dunkle Geschichte

Ein besonderer Höhepunkt der Stadtführung war der Abstieg in die geheimnisvollen Kellergewölbe des Rathauses. Früher diente das Rathaus als Brothaus und kurfürstliches Salzamt, ein wahrhaft zentrales Element des Salzhandels. In den alten Handelsgewölben und der ehemaligen Arrestzelle spürte man die Geister der Vergangenheit förmlich um sich. Münzer erzählte voller Leidenschaft von den öffentlichen Strafen, die auf dem Hauptplatz vollzogen wurden, und dem Hexenturm, der als Gefängnis diente. „Bainli“, der Scharfrichter, lebte isoliert und doch war er eine schicksalhafte Figur in der Stadtgeschichte – das Leben war nicht immer fair, das ist klar.

Doch in Landsberg gibt es nicht nur düstere Kapitel. Die obere Altstadt mit dem charmanten Bayertor, der Heilig Kreuz Kirche und dem Neuen Stadtmuseum bietet ein zauberhaftes Ambiente. Die kleinen Gassen und malerischen Häuser fügen sich harmonisch in ein historisches Ensemble ein. Münzer führte die Gruppe entlang der Stadtmauer, vorbei an den Bauten des ehemaligen Jesuitenkollegs, das einst das geistlich-kulturelle Leben der Stadt prägte. Hier wird die Atmosphäre der Altstadt lebendig, und man kann fast die Geschichten der alten Zeiten hören.

Historische Figuren und kulturelle Höhepunkte

Die Führung beleuchtete auch wichtige historische Figuren wie Maria von Helfenstein und Graf Schwickart von Helfenstein, deren Leben und Wirken bis heute Spuren in der Stadt hinterlassen haben. Wenn man durch die romantischen Orte schlendert, wird man von den nächtlichen Ausblicken und besonderen Lichtverhältnissen förmlich verzaubert. Die Themen Reformation und Gegenreformation in Landsberg, sowie das Leben des Jesuitenordens, wurden ebenso behandelt und gaben einen tiefen Einblick in die vielschichtige Geschichte der Stadt.

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Ein weiteres Highlight war die Erwähnung der Leprosenkapelle, die im späten 15. Jahrhundert erbaut wurde. Hier wurden an Lepra erkrankte Menschen beerdigt, die außerhalb der Stadtmauern leben mussten – eine schaurige, aber wichtige Erinnerung an die Herausforderungen der damaligen Zeit. Hinter der Kapelle liegen die Überreste eines Beinhauses aus dem 17. Jahrhundert, in dem die Schädel Hingerichteter aufbewahrt wurden. Solche Orte bringen einen zum Nachdenken, zum Staunen, aber auch zum Erschauern.

Die hohe Teilnehmerzahl an dieser Führung ist ein deutliches Zeichen für das starke Interesse der Landsberger an ihrer Geschichte und den Themen, die ihre Stadt geprägt haben. Die SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus sieht hierin eine Bestätigung für die Verbindung zwischen historischen Themen und lokaler Identität. Und so ging ein spannender Nachmittag zu Ende, an dem die Teilnehmer nicht nur viel lernten, sondern auch die Gemeinschaft und das Teilen von Geschichten genossen. Ein schöner Tag in einer Stadt, die so viel mehr zu bieten hat, als man auf den ersten Blick vermuten könnte.

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