Mina Gampels eindringlicher Appell: Erinnern, um Extremismus zu bekämpfen
Am 13. Juli 2026 war es soweit: Die 86-jährige Mina Gampel, eine beeindruckende Holocaust-Überlebende, stand vor 71 Schülern der 11. Jahrgangsstufe des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums in Kulmbach. Eingeladen wurde sie von der Georg-von-Vollmar-Akademie, und die Stimmung in der Historischen Aula war von einer Mischung aus Ehrfurcht und Neugier geprägt. Schulleiter Horst Pfadenhauer eröffnete die Veranstaltung und hieß Gampel sowie die Buchautorin und Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair herzlich willkommen. Es war ein Moment, der im Gedächtnis bleiben sollte.
Gampels Erzählungen waren tief bewegend. Sie sprach über ihren Lebensweg – von der Flucht aus einer unvorstellbaren Realität, dem schmerzlichen Verlust von Familienmitgliedern bis hin zu ihrem Neuanfang im Nachkriegsdeutschland. Ihre Stimme war klar, aber manchmal zitterte sie, als sie die Erinnerungen an die Schrecken der Vergangenheit wachrief. Es war nicht nur eine Geschichte des Überlebens, sondern auch eine eindringliche Warnung vor der Radikalisierung, die in der heutigen Zeit wieder an Bedeutung gewinnt. Gampel teilte ihre Einsichten und bat die jungen Zuhörer, aufmerksam zu sein. „Wir dürfen nicht wegsehen“, sagte sie, und das hallte nach.
Die Bedeutung der Erinnerungen
In der heutigen Zeit wird die Bedrohung der Demokratie in Europa oft thematisiert, doch die Stimmen der Überlebenden der Shoah bleiben häufig ungehört. Diese Menschen, die so viel durchgemacht haben, besitzen ein tiefes Verständnis für das Denken von Antisemiten und Rechtsradikalen. Viele von ihnen mussten in ihrer Jugend versteckt leben, fliehen oder erlebten den Verlust geliebter Menschen. Gampels Geschichten sind nicht nur Erinnerungen – sie sind auch ein Appell an uns alle, die Lehren aus der Geschichte ernst zu nehmen.
Eva Umlauf, Präsidentin des internationalen Auschwitz-Komitees, hat wiederholt dazu aufgerufen, dass Überlebende ihre Erinnerungen teilen. Bei einer Gedenkveranstaltung in Berlin sprach sie über die Notwendigkeit, die Demokratie vor Extremisten zu verteidigen. In ihren Worten steckte eine klare Aufforderung: Wir müssen aktiv bleiben, und das nicht nur im Gedenken, sondern auch im Handeln. Die politischen Entwicklungen, die wir heute erleben, machen es nötig, dass wir die Stimmen der Überlebenden hören und ihre Ratschläge ernst nehmen, um eine Wiederholung der Geschichte zu verhindern.
Ein Aufruf zur Verantwortung
Die Erinnerungen an die Schrecken des Holocausts sind nicht nur nostalgische Geschichten aus der Vergangenheit. Sie sind ein lebendiger Teil unserer Gegenwart. In Gesprächen wird oft vergessen, dass die Überlebenden nicht nur Zeitzeugen sind, sondern auch Ratgeber für die Zukunft. Ihre Empfehlungen zur Prävention von Extremismus und Antisemitismus sind entscheidend, auch wenn sie oft ignoriert werden. Wir sollten nicht nur nach den Geschichten fragen, sondern auch nach den Ratschlägen, die sie für uns bereithalten.
Umso wichtiger ist die Botschaft von Gampel: „Du sollst nicht gleichgültig sein!“ Diese Worte tragen das Gewicht der Geschichte und die Verantwortung, die mit dem Erinnern einhergeht. Wir leben in einer Zeit, in der Gleichgültigkeit gegenüber Diskriminierung und Unrecht nicht akzeptabel ist. Die Herausforderung liegt darin, rechtzeitig Ausgrenzung und Entmenschlichung zu erkennen und ihnen entgegenzutreten. Auch der niedersächsische Wissenschafts- und Kulturminister hat bei einer Gedenkveranstaltung betont, dass wir alle für eine Gesellschaft kämpfen müssen, in der niemand Angst haben muss, zu sein, wer er ist.
In Kulmbach, an diesem besonderen Tag, wurde deutlich: Die Geschichten der Überlebenden sind weit mehr als Erinnerungen. Sie sind ein lebendiger Teil unseres Kampfes für eine gerechtere Zukunft.
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