Die iranische Wirtschaft steckt in einer tiefen Krise, das ist nicht zu übersehen. Die Mittelschicht leidet besonders unter der hohen Inflation, die beinahe 100% erreicht hat. Das bedeutet, dass sich die Preise für fast alles verdoppelt haben. Da wird der Einkauf im Supermarkt zum Drahtseilakt – viele können sich selbst die grundlegendsten Nahrungsmittel nicht mehr leisten und müssen Schulden machen. Eine Reportage der iranischen Tageszeitung „Shargh“ beschreibt diese wirtschaftliche Notlage eindringlich.

Inmitten dieser schwierigen Lage pocht der Iran auf die Freigabe eingefrorener Auslandsvermögen, was ein zentraler Punkt in den Verhandlungen mit den USA ist. Diese Gespräche über ein Rahmenabkommen zur Verlängerung der Waffenruhe laufen seit dem 8. April und scheinen nun kurz vor einer Einigung zu stehen. Die iranische Regierung macht klar: Ohne die Klärung des Status der eingefrorenen Vermögenswerte wird es keine Einigung geben. Schätzungen zufolge liegen mehr als 100 Milliarden US-Dollar iranischen Geldes auf Auslandskonten, die wegen Sanktionen gesperrt sind.

Ein komplexes Verhandlungsspiel

Den Verhandlern ist bewusst, dass die Freigabe von mindestens 24 Milliarden US-Dollar in zwei Tranchen eine zentrale Voraussetzung für eine Einigung darstellt. Eine Vereinbarung mit dem Emir von Katar sieht vor, dass 12 Milliarden Dollar über einen speziellen Mechanismus freigegeben werden. Doch die Unsicherheit bleibt: Wird es Einschränkungen für die Verwendung des freigegebenen Geldes geben? US-Präsident Donald Trump hat bis jetzt keine Details zur Freigabe bekannt gegeben, lediglich betont, dass die USA Kontrolle über die iranischen Vermögenswerte haben und diese nur bei angemessenem Verhalten des Iran freigeben würden.

John Bolton, der ehemalige nationale Sicherheitsberater, äußerte Bedenken, dass eine Freigabe des Geldes die Position der iranischen Elite weiter stärken könnte. Es bleibt also spannend, wie sich die Verhandlungen entwickeln werden, vor allem vor dem Hintergrund der angespannten geopolitischen Lage und der ständigen Bedrohung durch Militäraktionen, wie dem Beschuss eines Schiffs im Golf von Oman, das sich trotz einer Seeblockade einem iranischen Hafen genähert hatte.

Die soziale Realität im Iran

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben nicht nur materielle, sondern auch soziale Konsequenzen. Händler in Teheran haben aus Protest gegen die miserable wirtschaftliche Lage ihre Geschäfte geschlossen. Präsident Massud Peseschkian spricht von den berechtigten Anliegen der Demonstranten und fordert Dialog. Die Inflation zieht nicht nur die Preise in die Höhe, sie ist auch das Ergebnis westlicher Sanktionen, die wegen des umstrittenen Atomprogramms verhängt wurden. Die Weltbank prognostiziert ein Minuswachstum des BIP von -1,7 Prozent für 2025 und -2,8 Prozent für 2026.

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Schaut man sich den Euro-Wechselkurs auf dem Schwarzmarkt an – 1 Euro entspricht etwa 1,7 Millionen Rial – wird deutlich, wie verheerend die Lage ist. Auch die Benzinpreise steigen, mittlerweile liegen sie bei ab 15.000 Rial pro Liter. Die Rückgänge der Ölexporte und verschärfte Sanktionen sind die Hauptursachen für den wirtschaftlichen Abschwung, der die iranische Bevölkerung zusätzlich belastet.

Der Iran kämpft nicht nur mit wirtschaftlichen Problemen, sondern auch mit chronischen strukturellen Schwächen, die verhindern, dass Einnahmen aus Ölgeschäften nachhaltig die Lage verbessern. Außerdem gibt es Schwierigkeiten bei der Einfuhr von Grundnahrungsmitteln, was die Notlage weiter verschärft. Und die Herausforderungen hören hier nicht auf. Die Luftverschmutzung in Teheran ist stark – alle 13 Minuten fordert sie ein Todesopfer. Schulen mussten wegen dieser Luftverschmutzung schließen und viele tragen Atemschutzmasken, um sich vor den giftigen Dämpfen zu schützen.

Die Wasserkrise, die durch den Rückgang der Grundwasserreserven und das Austrocknen von Flüssen verschärft wird, bedroht den Lebensunterhalt vieler Menschen. In dieser angespannten Situation steht auch die iranische Führung unter Druck, insbesondere Ali Chamenei, der im April 2026 87 Jahre alt wird. Gerüchte über seinen Gesundheitszustand und wer ihm nachfolgen könnte, schwirren bereits durch die Gespräche in den politischen Kreisen.