Heute ist der 24.05.2026 und in Kempten (Allgäu) brodelt es ein wenig. Es gibt Neuigkeiten, die nicht nur die Stadt, sondern auch die lokale Erinnerungskultur betreffen. Die Kommission für Erinnerungskultur hat sich mit der Vergangenheit eines ehemaligen Lehrers auseinandergesetzt, und das hat es in sich. Dr. Josef Rottenkolber, ein Mann, dessen Name in der Geschichte der Stadt fest verankert ist, steht im Fokus der Diskussion. Er war nicht einfach nur ein Lehrer; er war auch ein Mann, der sich in der Zeit des Nationalsozialismus nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat.

Im Jahr 1938 trat er der NSDAP bei und unterrichtete an der Oberrealschule in Kempten. Seine Ansichten waren, sagen wir mal, nicht die besten – antisemitische Rhetorik prägte seine Schriften, die in der Region durchaus rezipiert wurden. So publizierte er beispielsweise im Völkischen Beobachter und ließ sich mit Titeln wie „Augsburgs Juden – schon seit Römerzeiten verhasst“ nicht gerade zurückhaltend in die Karten schauen. Besonders brisant wird die Situation, wenn man bedenkt, dass er im Jahr 1944 einen Schüler denunzierte, was zu dessen Verhaftung führte. Glücklicherweise konnte der Junge fliehen und sich verstecken, doch der Schatten von Rottenkolbers Handeln bleibt bis heute bestehen.

Umbenennung im Fokus

Die Kemptener Kommission hat nun empfohlen, acht Straßen und Plätze umzubenennen, die nach Personen benannt sind, die eine ähnliche Vergangenheit wie Rottenkolber haben. Diese Entscheidung wirft Fragen auf – nicht nur über die Namen, die die Stadt trägt, sondern auch über die Art und Weise, wie wir mit unserer Geschichte umgehen. Ist es nicht wichtig, dass wir aus der Vergangenheit lernen? Dass wir uns nicht hinter den schönen Namen verstecken, während die Geschichten dahinter oft so düster sind?

Der Gedanke, Straßen umzubenennen, ist nicht nur ein Akt des Erinnerns, sondern auch ein Schritt zur Aufarbeitung. Wir müssen uns fragen: Wie gehen wir mit unserer Geschichte um? Der Gedenktag für die Opfer des Holocaust am 27. Januar 2025 in Berlin wird uns daran erinnern, dass das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus von großer Bedeutung ist. Der Ort, an dem wir gedenken, ist entscheidend. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin, seit 2005 eingeweiht, ist ein solches Zeichen.

Erinnerungskultur im Wandel

Doch die Herausforderung bleibt, auch über die Jahre hinweg. Die Erinnerung an die Schrecken des NS-Regimes ist nicht nur ein Kapitel in unseren Geschichtsbüchern, sie lebt weiter in den Diskussionen, die wir führen. Gedenkstätten, wie das Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen, sind Orte, die an die Diktatur erinnern und uns mahnen, die Menschenrechte zu wahren. Und das ist keine einfache Aufgabe. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist ein gesellschaftliches Problem, das wir nicht ignorieren können.

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Die Kommission in Kempten leistet mit ihren Vorschlägen einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur. Es geht nicht nur darum, Namen zu verändern, sondern auch darum, die Lehren aus der Geschichte zu ziehen und Empathie zu fördern. Wolfgang Benz wird im Frühjahr 2025 weitere Denkanstöße zur Zukunft der Erinnerung veröffentlichen – und hoffentlich wird das auch in Kempten gehört. Denn die Integration von Geflüchteten und die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit sind historische Leistungen, die es wert sind, gewürdigt zu werden.

Die Erinnerung muss sichtbar, zeitgemäß und ansprechend sein, damit sie in unserer Gesellschaft verankert bleibt. Straßen umbenennen ist da nur ein Schritt, aber ein wichtiger. Möge die Diskussion weitergehen und die Menschen dazu anregen, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen.