Heute ist der 19.05.2026 und es gibt wohl kaum eine bessere Möglichkeit, die Voralpenlandschaft rund um Kaufbeuren zu erkunden, als eine Radtour durch das Stöttener Moor. Die Region ist wirklich ein kleines Paradies, geprägt von idyllischen Seen und geheimnisvollen Mooren, die Geschichten von längst vergangenen Zeiten erzählen. Ein besonders beeindruckender Aussichtspunkt bei Burk bietet einen grandiosen Überblick über das Becken der eiszeitlichen Gletscherzunge des Lech-Wertach-Gletschers. Hier wird einem schnell klar, wie sehr die Natur hier die Landschaft geformt hat.
Das Stöttener Moor hat seinen Ursprung auf dem Grund eines nacheiszeitlichen Gletschersees, der früher einmal der Stöttener See war. Dieser erstreckte sich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts über stolze 4 Kilometer und war ein wahres Naturjuwel. Damals durchfloss die Geltnach diesen See, der als bischöfliches Kammergut von Augsburg verwaltet wurde. Im Ort Stötten selbst erinnert der Torfstadel am Moor-Erlebnispfad an die Zeit des Torfabbaus, der bis 1960 in dieser Region betrieben wurde. Torf war damals eine wichtige und günstige Energiequelle, und die mühsame Arbeit, Torfquader für die heimischen Öfen zu stechen, ist in den Geschichten der Einheimischen lebendig geblieben.
Eine Fahrradtour voller Entdeckungen
Die Radtour, an der 15 Teilnehmer teilnahmen, führte durch eine weitgehend autofreie Strecke und ließ genug Raum für den Genuss der Natur. Nach einer Kaffeepause in einem gemütlichen Gasthof in Stötten ging es dann weiter. Die Radler konnten sich an interessanten geologischen und heimatkundlichen Informationen erfreuen, die von Diplom-Geograph Hermann Reisach bereitgestellt wurden. Das Moor kann auf einem Rundweg durchwandert werden, und es ist ein ganz besonderes Erlebnis, die verschiedenen Pflanzen und die einzigartige Flora und Fauna zu entdecken, die in dieser feuchten Umgebung gedeihen.
Ein besonderes Highlight der Region ist das bischöfliche Wasserschloss „Bischofszell“, das 1525 im Bauernkrieg niederbrannte. Es zieht sich eine interessante Geschichte durch die Jahrhunderte: Geistliche und adelige Herren aus Augsburg und Dillingen kamen jährlich zum Fischen nach Stötten. 1487 wurde bei einem Fischzug sogar die unglaubliche Zahl von 7000 Fischen gefangen! Doch es war nicht immer nur friedlich. Ab 1798 kam es auf Verlangen der Bürger von Stötten zu einer drastischen Maßnahme: Der See wurde trocken gelegt und an Hausbesitzer aufgeteilt. So wie sich die Geltnach mit ihren hunderten von Windungen durch das Tal schlängelt, haben sich auch die Schicksale dieser Region durch die Zeit gewunden.
Heute speichert das Moor Wasser und erhält Pflanzen und Wurzeln als Torf, der die Geschichte und das Erbe dieser Region weiterträgt. Die Regulierung der Geltnach begann 1912, als ein Schwimmbagger wegen des schwammigen Untergrunds zum Einsatz kam. Es ist spannend zu sehen, wie sich die Landschaft hier im Laufe der Zeit verändert hat – und dennoch bleibt das Moor ein Ort der Ruhe und des Staunens.