Hannah Schöppl: Pionierin zwischen Tradition und Moderne in der Landwirtschaft
Auf einem Biolandbetrieb in Stößen, irgendwo zwischen Erfurt und Leipzig, plant die 23-jährige Hannah Schöppl, die Zügel in die Hand zu nehmen. Mit einer Fläche von 330 Hektar ist der Hof ihres Vaters, Roland Reil, der seit 1994 in Sachsen-Anhalt ist, ein echter Ackerbauriese. Hannah hat sich für ein Studium der Wirtschaftswissenschaften entschieden und schreibt gerade an ihrer Bachelorarbeit. Währenddessen ist sie auf Probe im Ackerbau aktiv, und das, obwohl sie oft nicht ernst genommen wird. Es ist nicht immer einfach, in einem von Männern dominierten Umfeld zu bestehen, ganz besonders, wenn man selbst eine Frau in der Landwirtschaft ist.
Hannah hat sich für diesen Weg entschieden, nicht zuletzt, weil ihr Vater 2018 den Betrieb auf Bio umgestellt hat. Das war ein großer Schritt, der nicht nur die Ernteerträge, sondern auch die Verbindung zur Natur neu definiert hat. Hier beginnt auch die Zusammenarbeit zwischen Vater und Tochter – ein spannendes Duell zwischen Gefühl und Fakten. Roland, ein echter Gefühlsmensch, hat seine ganz eigene Art, den Hof zu führen. Hannah hingegen ist analytisch und ist es gewohnt, Dinge rational zu betrachten. Das führt manchmal zu Reibungen, aber auch zu interessanten Diskussionen über die Planung der Kulturen und die Herausforderungen, die das Wetter und der Markt mit sich bringen.
Frauen in der Landwirtschaft – ein unterrepräsentiertes Potenzial
Allerdings ist Hannah nicht allein in ihrem Streben, die Traditionen in der Landwirtschaft zu hinterfragen. Rund 35 Prozent der Beschäftigten in der deutschen Landwirtschaft sind Frauen, doch nur 11 Prozent der Betriebe werden von Frauen geleitet. Das sind alarmierende Zahlen, wenn man bedenkt, dass Deutschland im EU-Vergleich zu den Schlusslichtern gehört. In Lettland und Litauen hingegen führen 45 Prozent der Betriebe Frauen. Ein klarer Beweis dafür, dass es an der Zeit ist, alte Strukturen zu überdenken.
Die Situation von Frauen in der Landwirtschaft ist komplex. Ein Forschungsprojekt hat kürzlich die Lebenssituation von Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland untersucht. Es zeigt sich, dass die Gleichstellung der Geschlechter auf landwirtschaftlichen Betrieben noch lange nicht erreicht ist. Frauen begegnen Zugangsbarrieren und veralteten Geschlechterbildern, die oft in den Traditionen verwurzelt sind. Diese Barrieren machen es nicht gerade leicht, in der Landwirtschaft Fuß zu fassen – besonders, wenn es um die Hofnachfolge geht. Der Anteil weiblicher Hofnachfolger liegt bei gerade einmal 18 Prozent.
Ein Weg voller Herausforderungen
Hannah hat bereits einige praktische Erfahrungen gesammelt. Sie fährt Mähdrescher, bewegt Saatgutsäcke und hat sogar einen BE-Führerschein. Ihr Hobby, das Boxen, hat ihr nicht nur körperliche Stärke, sondern auch ein gewisses Durchsetzungsvermögen gegeben. Manchmal hat sie das Gefühl, dass ihre männlichen Kollegen ihre Fähigkeiten nicht ernst nehmen – eine Erfahrung, die viele Frauen in der Landwirtschaft teilen. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Der Frauenanteil in der Ausbildung zur Landwirtin liegt bei 23 Prozent, mit steigender Tendenz, doch der Weg ist noch lang.
Der Hof in Stößen könnte ein Ort sein, an dem sich das Blatt wendet. Mit frischen Ideen und dem Willen, die Traditionen zu modernisieren, hat Hannah die Chance, nicht nur den Betrieb ihres Vaters zu übernehmen, sondern auch Vorbild für viele andere Frauen in der Landwirtschaft zu sein. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich ihre Geschichte entfaltet und welche Herausforderungen sie auf diesem Weg meistern muss. Das Leben auf dem Land ist hart, aber auch voller Möglichkeiten. Und vielleicht, nur vielleicht, kann Hannah das Bild der Landwirtschaft in Deutschland ein Stück weit verändern.
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