In Deutschland wird das Thema Gewalt gegen Männer häufig als Tabu betrachtet. Doch die Realität zeigt, dass auch Männer Opfer von Gewalt werden – und zwar nicht nur physisch, sondern vor allem auch psychisch. Im Jahr 2025 erhielten die Berater des „Hilfetelefon Gewalt an Männern“ in Bayern rund 970 Anrufe. Diese Anlaufstelle, die seit sechs Jahren besteht, bietet Männern, die unter Gewalt leiden, anonyme, kostenlose und sichere Hilfe.
Es ist alarmierend, dass etwa 30% der Opfer häuslicher Gewalt männlich sind. Viele Männer schweigen über ihr Leid, oft aus Scham oder dem überholten Mythos des „starken Mannes“. Die Statistiken zeigen, dass 61% der Gewaltfälle von (Ex-)Partnerinnen oder (Ex-)Partnern ausgehen und über zwei Drittel der Fälle von ausschließlich weiblicher Täterschaft berichten. Das Hilfetelefon, das am 22. März 2020 ins Leben gerufen wurde, hat im letzten Jahr insgesamt 4.051 Anrufe verzeichnet, was die Notwendigkeit einer solchen Unterstützung deutlich macht.
Vielfältige Hilfsangebote
Die Hauptanliegen der Anrufer sind vielfältig: 50% suchen psychosoziale Beratung, 41% benötigen Unterstützung in aktuellen Gewaltsituationen und 34% wünschen sich Schutz vor weiterer Gewalt. Dabei zeigt eine Studie, dass es für Männer, die von Gewalt betroffen sind, bisher keine ausreichenden Unterstützungsstrukturen gab. Um diesem Missstand entgegenzuwirken, wurde das Hilfetelefon „Gewalt an Männern“ 2019 vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung ins Leben gerufen.
Das Hilfetelefon wird von drei Landesregierungen sowie drei Projektträgern organisiert. Insgesamt arbeiten 15 Mitarbeiter, die montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr zur Verfügung stehen. Die Beratung erfolgt vertraulich und anonym, wobei persönliche Details nicht preisgegeben werden müssen. Die Anrufer sind nicht nur direkt von Gewalt betroffen – knapp ein Viertel der Anrufe kommt aus dem sozialen Umfeld oder von Fachstellen, die Unterstützung für gewaltbetroffene Männer suchen.
Wachsende Nutzerzahlen und Beratungsmöglichkeiten
Im Jahr 2021 wurden rund 3.100 Beratungen durchgeführt, wobei die telefonische Auslastung bei 50 Prozent lag. Es ist bemerkenswert, dass 70 Prozent der Männer die telefonische Beratung bevorzugen, während 25 Prozent E-Mail und 3-5 Prozent den Chat nutzen. Männer, die selbst Gewalt ausgeübt haben, melden sich hingegen selten, da sie sich oft als Opfer von Partnerschaftsgewalt sehen.
Zusätzlich gibt es spezialisierte Beratungsstellen in München, Nürnberg und Augsburg sowie Schutzwohnungen in diesen Städten. Die telefonische Beratung ist unter der Nummer 0800 123 99 00 erreichbar, und weitere Unterstützung kann online unter www.maennerhilfetelefon.de gefunden werden.
Ein Blick auf die Hilfsangebote
Zu den weiteren verfügbaren Hilfsangeboten gehört das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter der Nummer 08000 116 016, sowie ein Hilfetelefon für sexuellen Missbrauch unter 0800 22 55 530. Auch die Notrufnummer 110 sollte in akuten Gefahrensituationen gewählt werden.
Insgesamt ist es essenziell, dass wir das Bewusstsein für Gewalt gegen Männer schärfen und die bestehenden Hilfsangebote aktiv nutzen. Denn echte Unterstützung beginnt mit dem ersten Schritt – dem Anruf. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass niemand in Stille leidet.