In Freising sorgt ein Storchenpaar für Aufregung und Diskussionen. Am Freitag entfernte die Feuerwehr das Nest des Pärchens von der Mariensäule, und dies war bereits der zweite Einsatz innerhalb von 48 Stunden zur Umsiedlung der Vögel. Der Plan ist, die Störche zu einem neuen Standort auf dem Marcushaus zu locken, wo eine Nisthilfe installiert wurde. Diese wurde am Mittwoch montiert, jedoch von den Störchen nicht angenommen. Experten empfehlen die Umsiedlung, da die Brutversuche an der Mariensäule als nicht erfolgsversprechend gelten. Mangelnde Größe des Neststandorts und mögliche Schäden durch Storchkot an der Mariensäule sind die Hauptgründe für diesen Schritt.
Die Mariensäule, aus edlem Marmor gefertigt, könnte durch den Kot der Störche gefährdet werden. Zudem gibt es Bedenken, dass Teile des Nests auf Passanten fallen könnten. So traf die Feuerwehr am Freitag gegen 9:30 Uhr am Marienplatz ein und entfernte das Nest in weniger als einer Stunde. Das Nest wurde in die neue Nisthilfe auf dem Marcushaus gebracht, die innerhalb einer Woche unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes baulich umgesetzt wurde. Diese neue Nisthilfe ermöglicht eine regelmäßige Wartung und könnte die Störche in Zukunft besser unterstützen.
Ein Umzug mit Herausforderungen
Das Storchenpaar wurde erstmals am 14. März in Freising gesichtet. Nach erfolglosen Nistversuchen sowohl am Marcushaus als auch an der Mariensäule wurde die Nisthilfe am 15. April montiert. Bei der Begutachtung des alten Nests wurde allerdings kein Ei gefunden, was die Unsicherheit über den Fortpflanzungserfolg dieses Pärchens verstärkt. Trotz des engagierten Umzugs kehrte das Storchenpaar nach der Entfernung des Nests ohne neues Nest zur Mariensäule zurück.
Die Situation rund um die Störche hat auch das Interesse der Öffentlichkeit geweckt. Touristen kamen in die Stadt, um die Störche auf der Mariensäule zu beobachten, wo sogar zwei Jungstörche über dem Wochenmarkt zu sehen waren. Allerdings ist der Nistplatz auf der Mariensäule aus naturschutzrechtlichen Gründen problematisch, da die Auflagefläche der Krone zu klein ist und das Nest bis zu zwei Tonnen wiegen kann. Zudem hat die Stadt eine Ausnahmegenehmigung bei der Regierung von Oberbayern beantragt, um die Situation zu klären.
Ein Blick auf die Bestandsentwicklung
In den 1980er Jahren war der Weißstorch in Deutschland nahezu ausgestorben, doch dank intensiver Schutzmaßnahmen hat sich die Population erholt. Die Bundesarbeitsgruppe (BAG) Weißstorchschutz führt regelmäßige Bestandsaufnahmen durch. Trotz dieser positiven Entwicklung sieht sich der Weißstorch zunehmend Gefahren gegenüber, etwa durch Lebensraumverlust und steigende Temperaturen. Der natürliche Lebensraum, das feuchte Grünland, verschwindet zunehmend, was die Lebensbedingungen der Störche weiter erschwert.
Die BAG setzt sich aktiv für den Erhalt des Lebensraums des Weißstorchs ein und arbeitet eng mit lokalen NABU-Ehrenamtlichen zusammen, um Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Interessierte Bürger sind eingeladen, an Citizen-Science-Projekten teilzunehmen, die darauf abzielen, Daten zur Verbreitung und zum Bestand der Störche zu sammeln. Die Dokumentation eigener Beobachtungen kann dabei einen wichtigen Beitrag zum Schutz dieser majestätischen Vögel leisten.