Heute ist der 22.05.2026, und während die Vorfreude auf die anstehenden Christopher-Street-Days (CSD) in Deutschland wächst, erhellt eine düstere Realität die bunte Szenerie. Im Jahr 2026 stehen rund 250 CSDs an – eine Rekordanzahl! Die ersten großen Paraden beginnen im Juni, mit München am 27. Juni, gefolgt von Köln am 5. Juli, Berlin am 25. Juli und Hamburg am 1. August. Doch hinter dem festlichen Glanz lauern Ängste. Die queere Community macht sich Sorgen über Gewalt und Übergriffe, die in den letzten Jahren stark zugenommen haben.
Eine Studie der Amadeu Antonio Stiftung aus dem Jahr 2025 zeigt auf, dass jeder zweite CSD von Angriffen betroffen ist. Die Berichte sprechen von verbalen Beleidigungen bis hin zu körperlichen Übergriffen – und fast die Hälfte dieser Übergriffe kommt von rechtsextremen Gruppen. Timo Reinfrank von der Stiftung beschreibt diese Übergriffe als eine strategische Eskalation, eine bedrohliche Entwicklung, die nicht ignoriert werden sollte. Das Gefühl der Unsicherheit ist nicht unbegründet. Besonders in Ostdeutschland ist die Bedrohungslage besorgniserregend.
Herausforderungen und Sorgen
Der CSD in Schönebeck bei Magdeburg, der erste CSD für 2025, wurde vorzeitig wegen unzureichendem Sicherheitspersonal aufgelöst. Veranstalter Falko Jentsch kritisierte nicht nur die bürokratischen Hürden, sondern auch die Ablehnung von ehrenamtlichem Sicherheitspersonal. In Thüringen mobilisiert die Kleinpartei „Der III Weg“ gegen den CSD in Erfurt, während Richard Gleitsmann, der Sprecher des Erfurt Pride, betont, wie wichtig Sicherheitsmaßnahmen sind. Eine besorgniserregende Atmosphäre wird von Ocean Hale Meißner, dem Organisator des CSD in Döbeln, beschrieben. Im vergangenen Jahr gab es dort sogar einen Buttersäureanschlag auf das Veranstaltungsgelände – einfach nur schockierend!
Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Gewaltbereitschaft gegen queere Menschen nimmt zu. Aber die Organisatoren geben nicht auf. Sicherheitskonzepte werden entwickelt, und es wird mit den Behörden zusammengearbeitet, um die Teilnehmer bestmöglich zu schützen. Andre Lehmann vom LSVD+ fordert ein Ende des „Sicherheitspolitischen Staatsversagens“ und die Stärkung der Schutzmaßnahmen für queere Menschen im Grundgesetz. Lambda appelliert an junge queere Menschen, nicht alleine zu CSDs zu gehen und Unterstützung zu suchen.
Ein Zeichen der Hoffnung
Trotz der heftigen Herausforderungen bleibt die queere Community optimistisch. CSDs sind mehr als nur Feiern – sie sind ein Zeichen für Vielfalt und gesellschaftliche Zugehörigkeit. Sven Lehmann, der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, warnt jedoch vor autoritären Kräften, die die Rechte von LSBTIQ* gefährden. Queerfeindlichkeit wird zu einem zentralen Bestandteil der Strategie gegen Demokratie und Vielfalt, wie die Amadeu Antonio Stiftung in ihrem Sicherheitsreport „Queerfeindlichkeit sichtbar machen“ dokumentiert hat. In diesem Report werden die organisierte rechtsextreme Mobilisierung und die vielen Vorfälle, die während der CSD-Saison auftraten, detailliert analysiert.
Die CSDs in Deutschland sind in Zeiten erstarkender rechtspopulistischer Strukturen wichtiger denn je. Sie tragen zur Stärkung der Zivilgesellschaft bei, insbesondere in ländlichen Regionen, wo Sichtbarkeit und Bildungsarbeit für queeres Leben oft noch Mangelware sind. Der neu gegründete Regenbogenschutzfonds, mit 100.000 Euro ausgestattet, zielt darauf ab, Sicherheitsmaßnahmen für CSDs zu fördern – ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn er längst überfällig ist.