In Forchheim sorgt ein spannendes Projekt für Aufsehen, das sich mit einem düsteren Kapitel der Geschichte auseinandersetzt. Historikerinnen haben sich auf die Spur von Fotos gemacht, die eine Judendeportation aus dem Jahr 1941 dokumentieren. Es ist schon irgendwie schockierend, wie diese Bilder von einem so schweren Schicksal Zeugnis ablegen, und gleichzeitig gibt es da diesen Drang, die Geschichten der Menschen hinter den Bildnissen zu verstehen. Rolf Kilian Kießling, ein engagierter Forscher, bringt nicht nur die Erinnerungen der Zeitzeugen in die Diskussion, sondern auch den Zugang zu diesen historischen Fotografien. Sie stammen vom Paradeplatz in Forchheim, einem Ort, der damals wie heute von Bedeutung ist.
Das Ziel dieser Untersuchung? Nun, es geht um weit mehr als nur um die bloße Analyse von Bildern. Die Historikerinnen möchten die Identität der Opfer und Täter klären und die Details der Deportationsszene aufarbeiten. Diese Informationen sollen schließlich im Projekt „Last Seen“ veröffentlicht werden, was für die Wissenschaft und das Gedenken eine immense Bedeutung hat. Es ist fast so, als würden die Fotos uns an die Hand nehmen und uns in die Vergangenheit ziehen, uns dazu zwingen, hinzusehen und nicht wegzuschauen.
Einblicke in die Vergangenheit
Ein weiterer Blick über die Grenzen von Forchheim hinaus zeigt, dass dieses Phänomen nicht nur hier stattfand. Am 8. Dezember 1941 wurden beispielsweise 149 Juden aus Fulda deportiert, die meisten von ihnen fanden später in einem Konzentrationslager den Tod. Historische Fotos, die im Stadtschloss Fulda im Rahmen des Projekts „LastSeen“ präsentiert wurden, zeigen eindrücklich den Deportationsprozess. Diese Bilder sind nicht einfach nur Dokumente; sie sind Beweise für das Unvorstellbare und wurden heimlich von den Nazis aufgenommen, um den Vorgang zu dokumentieren. Ein dunkler Teil der Geschichte, der nicht in Vergessenheit geraten darf.
Die Deportierten mussten zuvor in einer Sammelstelle in der Rabanusstraße ein Ticket lösen—das klingt so banal, fast surreal, wenn man bedenkt, welches Schicksal sie erwartete. Nur zwölf der deportierten Personen überlebten die Hölle und kehrten traumatisiert zurück. Dr. Alina Bothe, die Projektleiterin von „LastSeen“, bringt es auf den Punkt: Die Fotos sind von unschätzbarem Wert für das Erinnern an die Opfer. Sie geben den Gesichtern, die auf den Bildern abgebildet sind, eine Stimme, die gehört werden muss.
Emotionale Resonanz und kulturelles Erbe
Das Projekt ist zudem eine internationale Kooperation mit dem Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien und weiteren Institutionen. Das zeigt, wie wichtig es ist, über Ländergrenzen hinweg zu arbeiten, um die Opfer des Holocausts zu ehren und ihre Geschichten zu erzählen. Fünf neue Bilder aus Fulda wurden in Zusammenarbeit mit Anja Listmann und Schülern des Projekts „Jüdisches Leben in Fulda“ ausgewertet. Diese Schüler haben nicht nur die Namen von 33 deportierten Kindern und Jugendlichen vorgelesen, sondern damit auch emotionale Reaktionen im Publikum hervorgerufen. Solche Momente sind einfach unvergesslich, sie bleiben haften und rütteln auf.
Ein besonders bewegendes Beispiel ist die identifizierte Gisela Binheim, die 1944 im KZ ermordet wurde. Ihr Name, ihr Gesicht, ihre Geschichte—all das wird durch die Arbeit der Historikerinnen lebendig. Das Projekt, das im Oktober 2024 mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet wurde, ist ein Lichtblick in der dunklen Geschichte, die wir nicht vergessen dürfen. Es ist eine Erinnerung daran, dass die Vergangenheit uns prägt und dass wir die Verantwortung haben, die Geschichten derer, die nicht mehr sprechen können, zu bewahren.