In Erlangen, wo die Bierkrüge klirren und die Stimmung brodeln sollte, sorgt ein neuer Beschluss für reichlich Gesprächsstoff. Die Bergkirchweih, die vom 21. Mai bis 1. Juni 2026 gefeiert wird, hat nun zwölf Kultsongs auf den Index gesetzt. Ja, richtig gelesen! Die Gleichstellungsstelle der Stadt hat ein Verbot für diese Lieder erlassen, und das aus gutem Grund. Die Inhalte dieser Songs wurden als „sexistisch und frauenfeindlich“ eingestuft. Ein Umstand, der nicht nur die Feiern beeinflusst, sondern auch die Diskussion über Geschlechtergerechtigkeit im Musikbereich neu entfacht.
Die Liste der verbotenen Lieder liest sich wie ein Who-is-Who der Partykultur. Da haben wir „Layla“ von DJ Robin & Schürze, das schon auf anderen bayerischen Volksfesten nicht mehr zum Besten gegeben werden durfte. Das „Donaulied“, das in verschiedenen Versionen immer wieder auflebt, hat auch einen Platz auf der Liste gefunden. Und Klassiker wie „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang oder „Geh mal Bier hol’n“ von Mickie Krause – sie alle dürfen während der Bergkirchweih nicht gespielt werden. Die Gleichstellungsstelle hat den Wirten eine Liste mit diesen unerwünschten Songs vorgelegt und sich dabei auf den Stadtratsbeschluss von 2021 gestützt, der von CSU, Linke und SPD unterstützt wurde.
Ein Aufschrei in der Musikwelt
Die Reaktionen auf das Verbot waren gemischt. Der Manager der Spider Murphy Gang äußerte sich kritisch und forderte eine klare Begründung für dieses Verbot. Man fragt sich, ob die Regelung zu weit geht – ist das noch der Spaß, den man von einem Volksfest erwartet? Ein gewisses Maß an Humor und Selbstironie gehört schließlich dazu, oder nicht?
Doch die Gleichstellungsstelle hat einen klaren Fokus: Sie möchte eine angenehme und sichere Atmosphäre für alle Gäste schaffen. Eine wörtliche Aussage aus der Behörde besagt: „Im Folgenden finden Sie eine Liederauswahl der Gleichstellungsstelle, die aufgrund sexistischer oder frauenfeindlicher Inhalte an der Erlanger Bergkirchweih keinen Platz haben.“ Ein klarer Schnitt, der zeigt, dass die Zeit für Veränderungen gekommen ist.
Ein Blick auf die Musikbranche
Das Verbot ist nicht nur ein lokales Phänomen, sondern steht im Kontext einer breiteren Diskussion über Geschlechtergerechtigkeit in der Musikbranche. Eine Recherche der MaLisa Stiftung hat ergeben, dass die strukturelle Benachteiligung von Frauen und nichtbinären Menschen in der Musikindustrie nach wie vor ein ernstes Problem darstellt. Über 85% der Musik in den deutschen Charts wird von Männern komponiert. Das ist schon ein schockierender Wert, wenn man darüber nachdenkt.
Bei Festivalbühnen lag der Frauenanteil 2019 bei gerade einmal 16%. Kleinere und mittelgroße Festivals haben zwar Fortschritte gemacht, doch die Dominanz der Männer bleibt unverändert. Die Gleichstellungsstelle in Erlangen könnte hier einen kleinen Schritt in die richtige Richtung machen, indem sie eine Debatte anstößt, die weit über die Bierzelte hinausgeht.
Die Stadt Erlangen hat auf Anfragen zu den Auswahlkriterien der verbotenen Songs bisher nicht geantwortet. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir alle anfangen, über die Inhalte der Musik nachzudenken, die wir konsumieren und feiern. Und so bleibt die Frage: Ist ein Volksfest ohne bestimmte Lieder wirklich ein Verlust oder ein Gewinn für die Gemeinschaft? Die Antwort auf diese Frage wird wohl noch lange diskutiert werden.