Heute ist der 22. Mai 2026, und in Erlangen-Höchstadt brodelt es ein wenig unter der Oberfläche. Der Zollhausplatz, ein oft übersehener, asphaltierter Raum, steht im Fokus einer lebhaften Debatte. Die Stadt hat beschlossen, die Umgestaltung des Platzes zum „Klimaplatz“ aufgrund finanzieller Engpässe auf Eis zu legen. Ein Dilemma, das viele Anwohner nicht einfach hinnehmen wollen. Stattdessen haben sie sich entschlossen, selbst aktiv zu werden und eigene Ideen zur Begrünung des Platzes zu entwickeln. Ein kleines, aber feines Beispiel für Bürgerengagement – das ist doch schon mal was, oder?
Der Zollhausplatz sollte ursprünglich als Teil der städtischen Maßnahmen nach dem Klimanotstand vom 29. Mai 2019 in einen grünen Rückzugsort mit hoher Aufenthaltsqualität umgewandelt werden. Ein Vorhaben, das 2018 mit einer Reihe von Bürgerworkshops begann. Die Resonanz war groß, und die Ideen sprudelten nur so. Doch wie das im Leben oft so ist: Die besten Pläne können durch unerwartete Wendungen ins Wanken geraten. Der Stadtrat beschloss 2022 eine Vorentwurfsplanung, die 2024 überarbeitet werden sollte. Und das Ganze ist nicht nur ein schöner Traum – die Kosten für das Projekt belaufen sich auf etwa 8,8 Millionen Euro, finanziert durch diverse Programme zur Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel.
Ein Platz mit Geschichte
Der Zollhausplatz hat eine lange Geschichte. Er bleibt ein Haltepunkt für den öffentlichen Nahverkehr, und das ist auch gut so. Die Busspur wird, so verspricht es die Planung, mindestens fünf Meter Abstand zu den umliegenden Häusern haben. Damit soll nicht nur der Lärm reduziert, sondern auch ein gewisser Raum für Grüninseln und Lieferbereiche geschaffen werden. Die Vision ist klar: Von einem versiegelten Raum soll ein belebter Klimaplatz entstehen, der zum Verweilen einlädt.
Die letzten Jahre waren geprägt von intensiven Planungen, Bürgerbeteiligungen und dem Austausch mit Gewerbetreibenden sowie Anwohnern. So wurden 2021 trotz Coronabeschränkungen Workshops abgehalten, um die Vorstellungen der Bürger in den Planungsprozess einfließen zu lassen. Und auch die Überarbeitung der Planung in den Gesprächen 2023 zeigt: Die Stadt möchte auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen. Der Stadtrat hat am 21. März 2024 der überarbeiteten Planung zugestimmt – ein kleiner Lichtblick, könnte man sagen.
Herausforderungen und Chancen
Doch dann kam die große Enttäuschung: Am 16. Januar 2025 beschloss der Stadtrat, keine Mittel für die weitere Planung im Investitionsprogramm 2025-2028 einzustellen. Eine Entscheidung, die die Bürger und Anwohner nicht einfach hinnehmen wollen. Statt darauf zu warten, dass die Stadt handelt, haben sie die Initiative ergriffen. Sie wollen selbst gestalten, selbst aktiv werden. Kreativität und Engagement sind gefragt, um den Zollhausplatz in einen lebendigen, grünen Raum zu verwandeln.
Die Bauarbeiten, die nach dem positiven Votum des Stadtratsausschusses im Frühjahr 2025 beginnen sollen, warten jetzt auf den finalen Schliff der Planung. Die Fertigstellung wird für Ende 2027 erwartet. Das ist noch ein Stückchen hin, aber wenn die Anwohner und die Stadt gemeinsam an einem Strang ziehen, könnte der Zollhausplatz bald der grüne Ort werden, den sich viele wünschen. Vielleicht wird der Platz nicht nur ein Ort für Busse und Autos – sondern ein echtes Herzstück der Nachbarschaft.