Im compassio Seniorendomizil Marienthal in Deggendorf hat sich ein wahrer Perspektivwechsel vollzogen – und das nicht ohne Grund. Ein 95-jähriger Bewohner, der in den letzten Jahren kaum Lebensmut verspürte, wurde zum Auslöser für eine bemerkenswerte Veränderung im Pflegealltag. Das Team erkannte die Dringlichkeit, ihm neue Impulse zu geben, und organisierte für ihn einen Ausflug zu einem Flugplatzfest, bei dem er die Möglichkeit hatte, ein Kleinflugzeug zu steuern. Wer hätte gedacht, dass ein solcher Moment so viel bewirken könnte? Der alte Mann, der zuvor in seiner eigenen Welt gefangen war, blühte regelrecht auf und engagiert sich jetzt aktiv im Heimleben, unterstützt neue Bewohner beim Ankommen und bringt frischen Wind in die Gemeinschaft.

Ab 2024 wird das Seniorendomizil zudem den Werdenfelser Weg einschlagen, ein innovativer Ansatz, der darauf abzielt, freiheitsentziehende Maßnahmen zu vermeiden. Das Konzept, das bereits 2007 in Garmisch-Partenkirchen ins Leben gerufen wurde, verfolgt klare Ziele: individuelle Alternativen zu Fixierungen und sedierenden Medikamenten zu finden. Dabei wird nicht nur auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner geachtet, sondern auch eng mit Ärzten zusammengearbeitet, um Medikationspläne regelmäßig zu überprüfen. Die Idee ist, sedierende Medikamente nur dann zu verwenden, wenn es medizinisch erforderlich ist – und das ist ein Schritt in die richtige Richtung für die Würde und Selbstbestimmung der älteren Menschen.

Würde und Lebensqualität im Fokus

Doris Frammelsberger, die Einrichtungsleiterin, betont, dass der Lebensweg der Bewohner nicht zu Ende ist, sondern in einem neuen Licht gesehen werden sollte. Dieser Ansatz wird durch regelmäßige Veranstaltungen wie einen monatlichen Tanztee unterstützt, bei dem Bewohner sich aktiv beteiligen können. Musik, Singen und Tanzen – das sind nicht nur Freizeitbeschäftigungen, sondern essentielle Bestandteile des Wohlbefindens. Nach solch einem geselligen Abend benötigen viele Bewohner keine Schlaftabletten mehr, die ihnen sonst den ruhigen Schlaf rauben würden. Es ist einfach erstaunlich, wie viel Bewegung, Musik und Gemeinschaft bewirken können!

Darüber hinaus sorgt eine Aromapflege mit ausgewählten Duftölen, Massagen und atmungsstimulierenden Anwendungen dafür, dass sich die Bewohner wohlfühlen. Die Auswahl der Düfte orientiert sich an den Lebensgeschichten der älteren Menschen – das ist nicht nur kreativ, sondern auch eine sehr persönliche Note. Man kann sich vorstellen, wie der Duft von frischen Lavendelblüten in der Luft liegt und Erinnerungen weckt. Es sind diese kleinen Dinge, die das Leben im Seniorendomizil so lebenswert machen.

Ein Teil des Wandels in der Pflege

Das Haus Marienthal hat sich dem Bündnis des „Werdenfelser Wegs“ angeschlossen und verfolgt damit das Ziel, Fixierungen und freiheitsentziehende Maßnahmen zu vermeiden, wo immer es möglich ist. Schutzmaßnahmen werden dabei unter dem Aspekt größtmöglicher Freiheit betrachtet. Es ist eine fortlaufende Herausforderung, die Lebensqualität und das persönliche Wohlbefinden der Bewohner zu erhalten und gleichzeitig deren Würde zu achten. Einzelfallbetrachtungen sind notwendig, um die richtigen Entscheidungen zu treffen, wobei rechtliche Kriterien wie Eigengefährdung und das Wohl des Betroffenen stets abgewogen werden müssen.

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Die enge Zusammenarbeit mit Pflege- und therapeutischem Fachpersonal, behandelnden Ärzten sowie Angehörigen ist unerlässlich, um die Entscheidungsprozesse über freiheitsentziehende Maßnahmen zu verbessern. Die Einrichtung sieht sich als Teil eines bedeutenden Netzwerks zur Verwirklichung dieser Werte und hat Zugang zu wertvollen Ressourcen und Schulungen, die zur kontinuierlichen Verbesserung der Dienstleistungen beitragen. Ein wichtiges Ziel bleibt der Verzicht auf freiheitseinschränkende Maßnahmen – ein Schritt, der nicht nur die Lebensqualität steigert, sondern auch die Zufriedenheit der Mitarbeitenden fördert.

Insgesamt betrachtet sich die Einrichtung als Teil eines größeren Wandels in der Pflege – mit einem klaren Fokus auf Selbstbestimmung, Würde und den individuellen Wünschen der Bewohner. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich dieser Ansatz weiterentwickeln wird und welche positiven Impulse er für die Zukunft der Altenpflege mit sich bringt.