In der Galerie der Künstlervereinigung Dachau (KVD) ist aktuell eine spannende Ausstellung zu sehen, die sich mit dem Wiener Aktionismus auseinandersetzt. Unter dem Titel „Wien – Hin und weg und a Reparaturseidl“ haben die Künstler Alfred Ullrich, Martin Stiefel und Victor Halb ihre unterschiedlichen Perspektiven auf Wien zu einem multimedialen Mosaik verwoben. Das Besondere: Diese kreativen Köpfe kennen sich seit gut 25 Jahren und haben bereits gemeinsam an verschiedenen Projekten gearbeitet, zuletzt an einer Druck-Performance mit einer Waschmaschine, die am Tag der Druckkunst 2024 stattfand.
Victor Halb, der im Wiener Perinetkeller aktiv ist – einem Ort, der tief in der Tradition des Wiener Aktionismus verwurzelt ist – hat ein faszinierendes „Verfallslabor“ entwickelt. Das ist nicht einfach nur ein Kunstwerk, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Text, Film, Bild und Projektion, das die Besucher in seinen Bann zieht. Martin Stiefels kinetische Installationen machen den Betrachter zur Energiequelle, was zu einem interaktiven Erlebnis führt – hier wird Kunst lebendig! Alfred Ullrich hingegen bringt Druckgrafiken und sein Roadmovie „Von Ottakring ins Neuhimmelreich“ mit, das die Zuschauer auf eine visuelle Reise mitnimmt.
Ein Blick in die Ausstellung
Die Ausstellung in der KVD-Galerie ist bis zum 21. Juni geöffnet. Die Türen stehen von Donnerstag bis Samstag zwischen 16 und 19 Uhr und am Sonntag von 14 bis 18 Uhr offen. Am letzten Tag der Ausstellung, dem 21. Juni, sind die Besucher zudem eingeladen, an einem Künstlergespräch um 15 Uhr teilzunehmen. Eine hervorragende Gelegenheit, mehr über die Gedanken und Hintergründe der Künstler zu erfahren und vielleicht einen Blick hinter die Kulissen ihrer kreativen Prozesse zu werfen.
Der Wiener Aktionismus selbst ist ein faszinierendes Kapitel der europäischen Nachkriegsavantgarde. Zwischen 1960 und 1970 brachen radikale Künstlerinnen und Künstler mit den etablierten Kunstformen und stellten das Verhältnis zwischen Körper, Handlung und Kunst auf den Kopf. Sie wollten Kunst von bloßer Repräsentation lösen und gesellschaftliche Tabus sichtbar machen. In diesem Kontext entwickelte sich eine Bewegung, die sowohl mit Fluxus als auch mit der breiteren sozialen Avantgarde im Dialog stand. Es ging darum, mit Provokation und unmittelbaren Handlungen die Konventionen in Frage zu stellen und die Rolle des Publikums neu zu definieren.
Einfluss und Bedeutung
Schlüsselfiguren wie Günter Brus, Hermann Nitsch, Otto Muehl und Rudolf Schwarzkogler haben den Wiener Aktionismus geprägt. Sie arbeiteten mit performativen Aktionen, die oft verstörend waren und intensive Auseinandersetzungen mit dem Selbst und dem gesellschaftlichen Kontext erforderten. Diese Künstler setzten den Körper als Träger von Bedeutung in den Mittelpunkt ihrer Werke und schufen so eine neue Form der künstlerischen Ausdrucksweise. Auch heute noch sind die Impulse des Wiener Aktionismus in vielen Performance-Festivals und Ausstellungen spürbar. Themen wie Körperlichkeit und die direkte Ansprache des Publikums sind nach wie vor zentral in der zeitgenössischen Kunst.
In Dachau wird also nicht nur eine Ausstellung gezeigt, sondern auch ein Stück Geschichte lebendig gehalten. Die Werke von Ullrich, Stiefel und Halb sind nicht nur ein Rückblick auf eine faszinierende Epoche, sondern auch ein Ausblick auf die Möglichkeiten der Kunst im Hier und Jetzt. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, um die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu erleben und zu verstehen, wie stark der Wiener Aktionismus bis heute nachwirkt.