Weleda, der traditionsreiche Hersteller von Naturkosmetik, sieht sich aktuell einem heftigen Sturm der Kritik ausgesetzt. Die Wurzeln des Unternehmens reichen tief in die Zeit des Nationalsozialismus, und nun hat Weleda ein Gutachten zur Firmengeschichte in Auftrag gegeben, um die Geschehnisse jener düsteren Ära aufzuarbeiten. CEO Tina Müller steht an der Spitze dieses Prozesses und verteidigt gleichzeitig die Werbung für Schönheitsprodukte, die sich an Kinder und junge Teenager richtet.

Müller hebt hervor, dass die Pflege- und Beautyserie „minLen“ speziell für die zarte Haut von Kindern entwickelt wurde. In der Werbung verwendet Weleda einprägsame Slogans wie „Lust auf eine morgendliche Glow-up-Party“. Müller betont, dass das Wort „Glow“ in verschiedenen Altersgruppen Anklang findet und der Begriff „Longevity“ für Prävention und Gesundheit von großer Bedeutung sei. In Zeiten von Social Media sei es unvermeidlich, dass junge Mädchen ein Interesse an Beauty entwickeln, so Müller.

Die Schatten der Vergangenheit

Die Diskussion um Weleda wird durch die historische Aufarbeitung weiter angeheizt. Historikerin Anne Sudrow hat bereits eine Studie veröffentlicht, die Verbindungen zwischen der anthroposophisch orientierten Landwirtschaft und dem nationalsozialistischen Staat untersucht. Sie beschreibt die ambivalenten Weltanschauungen und persönlichen Kontakte von Anhängern Rudolf Steiners zum NS-Regime. Diese Erkenntnisse werfen einen Schatten auf die hehren Ideale, die Weleda und die Anthroposophen seit 1921 vertreten.

Vor ihrer Untersuchung hatte Sudrow ein „positives Bild“ vom biologisch-dynamischen Landbau, war jedoch überrascht über die nicht naturwissenschaftlich fundierten Praktiken, die sie entdeckte. Ihre Forschungen zeigen, dass viele AnthroposophInnen während der NS-Zeit mit der SS zusammenarbeiteten, was die Glaubwürdigkeit des Unternehmens massiv in Frage stellt. Insbesondere die Verstrickung von Weleda in die Gräueltaten jener Zeit sorgt für Empörung.

Ein finanzieller Turnaround

Unter Müllers Führung scheint Weleda einen finanziellen Turnaround erreicht zu haben. Sie hat zuvor in der Automobil- und Parfümeriebranche gearbeitet, bevor sie zu Weleda wechselte, und beschreibt einen Wandel von Chemie zu Natur in der Unternehmensphilosophie. Trotz der Herausforderungen, die die NS-Vergangenheit mit sich bringt, versucht Müller, Weleda in ein neues Licht zu rücken und die positive Wahrnehmung der Marke zu stärken.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Spannungen zwischen sogenannten „Skinfluencern“ und den langjährigen Unterstützern, den Anthroposophen, verdeutlichen die Komplexität der Situation. Während Müller die Notwendigkeit von Schönheitsprodukten für Kinder betont, bleibt die Frage nach der ethischen Verantwortung des Unternehmens in der heutigen Zeit eine zentrale Herausforderung.

In einer Pressemitteilung hebt Weleda hervor, dass Sudrows Forschung Details zu Verbindungen des Unternehmens in der NS-Zeit anführt. Diese Aufarbeitung ist besonders wichtig, um die Glaubwürdigkeit der Marke in der heutigen Zeit zu sichern. Auch die neue, unabhängige Studie zur Geschichte des Unternehmens wird von Yvonne Samaritani, Leiterin der Kommunikation bei Weleda, angekündigt und soll dazu dienen, die Geschehnisse klarer zu beleuchten.

Die öffentliche Diskussion um Weleda ist somit ein Spiegelbild der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und der Verantwortung, die Unternehmen heute tragen. Das Unternehmen steht vor der Herausforderung, aus der Vergangenheit zu lernen und gleichzeitig die Bedürfnisse einer neuen Generation von Konsumenten zu erfüllen.