Es ist ein ganz besonderer Tag für die neunjährige Lea Ziegler aus Dachau. Als sie sich auf ihre Erstkommunion vorbereitet, hat sie einen unermüdlichen Wunsch: Sie möchte diesen wichtigen Schritt in ihrem Leben feiern, trotz der Herausforderungen, die ihre Behinderung mit sich bringt. Lea kann aufgrund von Spina bifida nicht laufen und ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Das hat sie jedoch nicht davon abgehalten, diesen Tag in vollen Zügen genießen zu wollen. Ihre Eltern haben alles daran gesetzt, um ihr eine möglichst barrierefreie Teilnahme zu ermöglichen.

Ein großes Problem stellt die Kirche in Dachau dar, wo Lea ihre Erstkommunion feiern möchte. Rampen? Fehlanzeige! Deshalb mussten ihre Eltern selbst welche besorgen, um sicherzustellen, dass Lea zum Altar und zu den Stempeln gelangen kann. Eine wahre Herausforderung, denn viele Bereiche der Kirche sind nur über Stufen erreichbar. Es ist irgendwie traurig, dass man in einer Zeit, in der Inklusion so wichtig ist, immer noch mit solchen Hindernissen zu kämpfen hat. Bei der Beichte musste Lea gar teils getragen werden, um das Abschlussgespräch zu erreichen. Das war sicherlich eine sehr belastende Situation für das kleine Mädchen.

Ein Schritt in die richtige Richtung?

Leas Eltern haben sich im Herbst an die Katholische Stadtkirche Dachau gewandt, um über die notwendigen Maßnahmen zur Teilhabe an der Erstkommunion zu sprechen. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass jeder, unabhängig von einer Behinderung, gleichberechtigt am kirchlichen Leben teilnehmen kann. Doch Vorschläge zur Barrierefreiheit, wie der barrierefreie Seiteneingang oder die Stempelvergabe in der Sakristei, wurden teilweise nicht angenommen. Stadtpfarrer Dr. Benjamin Gnan betont zwar, dass Inklusion ein wichtiges Thema für die Kirche ist, lässt aber Leas speziellen Fall im Ungewissen. Es ist echt frustrierend, dass trotz aller guten Absichten noch immer viel zu tun bleibt.

Die Realität ist, dass weltweit über eine Milliarde Menschen mit einer Behinderung leben. Das macht etwa 16% der Bevölkerung aus! In Deutschland wurde die UN-Behindertenrechtskonvention 2009 ratifiziert, die sich für die gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen einsetzt. Es ist nicht nur eine Frage der baulichen Barrierefreiheit, sondern auch der Verständlichkeit von Gottesdiensten und der allgemeinen Teilhabe an kirchlichen Veranstaltungen. Hier muss sich noch einiges tun, um die Teilhabe für Menschen mit Behinderungen zu garantieren.

Inklusion in der Kirche

Die Herausforderungen, die Lea und ihre Familie erlebt haben, sind nicht nur Einzelfälle. Viele Menschen mit Behinderungen stoßen in kirchlichen Räumen auf ähnliche Barrieren. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert eine inklusive Gesellschaft, die allen Menschen – unabhängig von ihrem Hilfebedarf – die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Es gibt Fortschritte, wie das Bundesteilhabegesetz und das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, aber der Weg ist noch lang.

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Inklusive Gemeinden erleben Vielfalt als Stärke und Bereicherung. Das sollte auch in der Kirche spürbar werden, unter anderem durch barrierefreie Zugänge, Gottesdienste mit Gebärdensprache oder Texte in einfacher Sprache. Es sind kleine, aber entscheidende Schritte, die dazu beitragen können, dass Menschen wie Lea sich wohl und akzeptiert fühlen. Eine sichtbare Willkommenskultur für alle ist der Schlüssel zur echten Inklusion.

Es ist erfreulich, dass Leas Erstkommunion trotz aller Widrigkeiten ein positives Erlebnis für sie war. Vielleicht wird ihre Geschichte als Anstoß dienen, um das Bewusstsein für die Herausforderungen von Menschen mit Behinderungen, insbesondere im kirchlichen Raum, zu schärfen. Veränderung braucht Zeit, doch jede kleine Verbesserung zählt. Und wer weiß – vielleicht wird die Kirche in Dachau bald ein Ort sein, an dem jeder, unabhängig von körperlichen Einschränkungen, ganz selbstverständlich feiern kann.

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