Heute ist der 19.05.2026 und in Dachau gibt es wieder Neuigkeiten, die uns zum Nachdenken anregen. Das US-Nationalarchiv hat die NSDAP-Mitgliederkartei online gestellt, eine Sammlung von 12,7 Millionen Karteikarten, die aufhorchen lässt. Etwa 8,5 Millionen Deutsche – also jeder fünfte Erwachsene – waren in der NSDAP. Das weckt Erinnerungen und Fragen, und das Interesse an dieser Kartei ist enorm. Bereits einen Monat nach der Freischaltung gab es 1,5 Millionen Zugriffe auf die Website! Man fragt sich: Waren meine Großeltern vielleicht auch dabei?
Doch das Recherchieren ist nicht immer so einfach, wie man es sich wünschen würde. Kritiker wie die von „Zeit“ und „Spiegel“ bemängeln, dass einige Medien kostenpflichtige Suchmaschinen anbieten, um in der Kartei zu forschen. Dabei ist die Original-Version der NSDAP-Kartei tatsächlich kostenlos zugänglich – allerdings erfordert die Suche eine ordentliche Portion Geduld. Prominente Namen wie Adolf Hitler und Heinrich Himmler tauchen zwar in den Karten auf, doch die Informationen sind oft begrenzt oder unvollständig. Historiker warnen zudem, dass die Aussagekraft der Karteikarten limitiert ist und weitere Recherchen in Archiven notwendig sind, um die tatsächliche Rolle von Vorfahren in der NS-Zeit zu klären.
Die Struktur der Kartei
Die NSDAP-Kartei ist in zwei Hauptstränge unterteilt: die Zentralkartei (MFKL) mit 4,3 Millionen Karteikarten und die Ortskartei (MFOK) mit 6,6 Millionen Mitgliedskarten. Diese wertvollen Dokumente wurden nach dem Krieg vor der Vernichtung gerettet und fanden ihren Weg ins Bundesarchiv. Die Online-Veröffentlichung birgt das Potenzial, viele Familiengeheimnisse ans Licht zu bringen. Wer sich jetzt auf die Suche begeben möchte, sollte sich allerdings auf eine Herausforderung einstellen.
Der Zugang zur Mitgliederkartei des Bundesarchivs erfolgt auf Antrag durch die Mitarbeiter. Das bedeutet, dass Nutzer Auskunft erhalten und Scans der Karteikarten anfordern können – sofern diese vorhanden sind. Für wissenschaftliche und amtliche Anfragen sowie für historische Bildungsarbeit gibt es sogar die Möglichkeit, die digitalisierte Kartei vor Ort im Mikrofilmlesesaal in Berlin-Lichterfelde zu nutzen. Aber aufgepasst: Vollständiger Zugang ist an rechtliche Voraussetzungen gebunden, und eine vorherige Kontaktaufnahme mit dem zuständigen Fachreferat ist notwendig.
Hürden und Möglichkeiten
Eine einfache Volltextrecherche ist nicht möglich. Stattdessen ähnelt die Suche dem Durchblättern eines alten Karteikastens. Nur jede 50. Karte ist indexiert, was die Recherche erschwert. Mit einer Lupenfunktion lassen sich die Karten zwar betrachten und sogar ausdrucken, aber der Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Zudem müssen sich Interessierte darauf einstellen, dass nur ein Teil der Karteikarten den Krieg überstanden hat. Die Mitgliedschaft kann nicht immer allein anhand der Mitgliederkartei belegt werden. Auch die NSDAP-Aufnahmeanträge sind nur teilweise erhalten – von ursprünglich etwa 600.000 Anträgen sind viele verloren gegangen.
Es gibt jedoch zentrale Bestände im Bundesarchiv, die notwendig sind, um Mitgliedschaften nachzuweisen. Dazu zählen unter anderem die Bestände R 9361-I und -II, NS 1, NS 36 und NS 26. Übrigens, insgesamt können etwa 80% der NSDAP-Mitgliedschaften nachgewiesen werden, was die Recherche zumindest erleichtert. Doch die Frage bleibt: Wie viele von uns sind bereit, sich diesen Herausforderungen zu stellen und das eigene Familienerbe zu durchleuchten?