In Coburg gibt es derzeit einige aufgewühlte Gemüter. Der Coburger Convent (CC) steht im Mittelpunkt einer Diskussion, die nicht nur die Stadt, sondern auch darüber hinaus für Aufsehen sorgt. Ein Buttersäure-Anschlag – ja, das klingt schon nach einer schlechten Komödie – hat die Gemüter erhitzt. Doch die Sache ist ernst: Vorwürfe der Homophobie und die kritische Rede des Oberbürgermeisters werfen ein scharfes Licht auf den CC. Die Frage, die viele beschäftigt, ist: Wie weit verbreitet ist die öffentliche Ablehnung des CC? Handelt es sich hier um Einzelfälle oder sind es Stimmen, die in einem breiteren Diskurs Gehör finden?

Ein Blick über die Grenzen Coburgs hinaus zeigt, dass Hochschulen nicht nur ein Ort des Wissens sind, sondern auch Schauplätze für politische Auseinandersetzungen. An der Julius-Maximilians-Universität Würzburg hat sich ein aktives rechtes Netzwerk etabliert. Ein Mitglied des Lehrstuhls für Neueste Geschichte rief bereits 2014 zu einer Strategie der Diskursverschiebung auf, um die Ziele der Neuen Rechten effektiver umzusetzen. Benjamin Hasselhorn, akademischer Rat am Lehrstuhl, hat offenbart, dass er bis 2019 über 60 Texte unter Pseudonymen in rechtsextremen Magazinen veröffentlicht hat. Da fragt man sich: Wie kann es sein, dass solche Ideologien an Bildungseinrichtungen Fuß fassen?

Die Schattenseiten der Hochschulkultur

Hasselhorn und seine Kollegen sind nicht allein. In seinem Text „Demokratie von Rechts“ empfiehlt er Taktiken wie „anknüpfendes Agieren“ und „metapolitische Klugheit“ zur Unterwanderung der etablierten Strukturen. Der Lehrstuhlinhaber Peter Hoeres verteidigt solche Ansichten und hat in seinen Veröffentlichungen den Nationalsozialismus als politisch „nicht auf der Rechten einzuordnen“ dargestellt. Das wirft ein beunruhigendes Licht auf die akademische Freiheit und Verantwortung – oder besser gesagt, die mangelnde Verantwortung.

Es ist kein Geheimnis, dass die Universität Würzburg in der Vergangenheit keine Konsequenzen aus den rechtsextremen Aktivitäten ihrer Akademiker gezogen hat. Der Kodex „Wissenschaft – Freiheit und Verantwortung“ wird als unzureichend kritisiert – und das zu Recht. Diese Thematik ist nicht nur eine akademische Angelegenheit, sondern hat direkte Auswirkungen auf die Ausbildung von Geschichtslehrkräften, die, so die Befürchtung, eine gefährliche politische Ausrichtung mit in die Schulen tragen könnten.

Rechtsextremismus und Hochschulen

Eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung, die den Titel „Rechtspopulismus und Rechtsextremismus an Hochschulen“ trägt, beleuchtet die Situation weiter. Die Autoren, Lukas Otterspeer und Christoph Haker, stellen fest, dass es eine „organisierte Vereinzelung“ gibt: Reaktionen auf rechtsextreme Vorfälle hängen oft vom Engagement Einzelner ab. Hochschulen haben kaum Strukturen für einen kollektiven Umgang mit diesen Themen. Stattdessen wird Rechtsextremismus oft als externes Problem betrachtet. Das führt dazu, dass Betroffene sich oft allein gelassen fühlen – eine besorgniserregende Entwicklung.

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Rund ein Viertel der Studierenden hat im Studium Diskriminierung erfahren. Das ist eine alarmierende Zahl, die zeigt, dass auch in akademischen Kreisen Handlungsbedarf besteht. Die Hochschulen müssten proaktiv gegen Rechtsextremismus vorgehen, anstatt ihn nur als Problem der Gesellschaft zu betrachten. Vielleicht wäre es an der Zeit, die Perspektiven von Betroffenen stärker zu berücksichtigen und klare Ansprechpartner zu schaffen. Fortbildungsangebote für das Personal könnten ebenfalls dazu beitragen, das Bewusstsein für diese gravierenden Themen zu schärfen.

Es bleibt spannend, wie sich die Diskussion rund um den Coburger Convent und die rechtsradikalen Strömungen an Hochschulen weiterentwickeln wird. Vielleicht wird der Druck von der Öffentlichkeit und von engagierten Studierenden dazu führen, dass sich endlich etwas ändert. Die Frage ist nur, wie lange wir noch warten müssen.