Inmitten der bunten Vielfalt Vietnams, wo sich Tradition und Moderne die Hand reichen, liegt das Töpferdorf Cham in Bac Binh. Hier, wo die Kunst der Töpferei seit Generationen wie ein kostbarer Schatz gehütet wird, besuchte kürzlich eine Delegation des Ministeriums für Kulturerbe, um die kulturellen Werte dieser bemerkenswerten Gemeinschaft zu würdigen. Der Besuch war nicht nur ein Zeichen der Anerkennung, sondern auch ein Aufruf, die traditionsreiche Kunst weiter zu fördern.

Das Cham-Töpferdorf Binh Duc ist wie ein lebendiges Museum, das die geschickten Hände der Kunsthandwerker zeigt, die Produkte ganz aus lokalem Ton – ohne moderne Maschinen – formen. Töpfe, Krüge und Wasserkannen, jedes Stück ein Unikat, erzählen Geschichten aus einer Zeit, als Handwerkskunst noch das Leben bestimmte. Wunderschön ist der Prozess: vom Auswählen des Tons über das Kneten bis hin zum Formen, Trocknen in der Sonne und dem Brennen im Freien. Die natürlichen Farben der Produkte spiegeln die Verbundenheit mit der Erde wider und sind ein Ausdruck der kulturellen Identität der Cham.

Die Cham und ihr kulturelles Erbe

Die Cham, ein Volk, das über 160.000 Menschen in Vietnam umfasst, sind die Nachfahren des ehemaligen Königreichs Champa, welches von etwa dem 2. bis zum 19. Jahrhundert in Zentral- und Südvietnam florierte. Während ihrer Blütezeit, zwischen dem 7. und 11. Jahrhundert, war Champa ein wichtiges Zentrum für Handel und Kultur. Die Einflüsse der indischen Kultur führten zur Annahme des Hinduismus, und später auch des Buddhismus. Einige der eindrucksvollsten Tempel, wie My Sơn, sind heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und ziehen Besucher aus der ganzen Welt an.

Doch die Cham haben nicht nur eine reiche Geschichte, sondern stehen auch vor Herausforderungen. Alternde Kunsthandwerker und der Druck durch industriell gefertigte Produkte setzen der traditionellen Töpferei zu. Der Töpferprozess ist nicht nur ein Handwerk, er ist tief verwurzelt in den Glaubensvorstellungen und dem traditionellen Wissen der Cham. Ein neues Projekt, das bis Ende 2025 umgesetzt werden soll, hat es sich zum Ziel gesetzt, das immaterielle Kulturerbe der Cham-Keramikherstellung zu schützen und mit dem Gemeindetourismus zu verknüpfen. Dadurch sollen junge Menschen für die Kunst des Töpferns begeistert werden.

Traditionen und Herausforderungen

Die Cham leben heute in verschiedenen Regionen Vietnams, darunter Ninh Thuan, Binh Thuan und Ho-Chi-Minh-Stadt. Ihre Traditionen sind vielfältig und reichen von Seiden- und Baumwollweberei über Holzschnitzerei bis hin zur Schmuckherstellung. Auch der traditionelle Cham-Tanz, der oft bei religiösen Zeremonien aufgeführt wird, ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Kultur. Die Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen der Cham, die von Hinduismus über traditionelle Muslime bis hin zu modernen muslimischen Cham reichen, spiegeln sich auch in der Kleidung wider. Männer tragen oft Ao Ba Ba, während Frauen in Ao Yem und Ao Dai zu sehen sind.

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Die Herausforderungen, vor denen die Cham stehen, sind nicht zu unterschätzen. Die letzte Bastion des Champa-Königreichs, Panduranga, bewahrte bis ins 19. Jahrhundert eine gewisse Autonomie, bevor sie 1832 von Kaiser Minh Mang annektiert wurde. Seither hat das Volk viele Kämpfe durchlebt, von der Kolonialzeit bis hin zu modernen Konflikten. Dennoch bleibt ihr kulturelles Erbe lebendig. Die Cham sprechen eine eigene Sprache und bewahren viele Bräuche, die sie von Generation zu Generation weitergeben.

Ein Blick in die Zukunft

Das Potenzial des Projekts zur Verknüpfung von Cham-Keramik und Tourismus ist vielversprechend. Es könnte nicht nur zur Einkommenssteigerung beitragen, sondern auch das traditionelle Handwerk am Leben halten. Besucher, die das Töpferdorf Cham besuchen, haben die Möglichkeit, den Töpferprozess hautnah zu erleben und somit ein Stück der faszinierenden Cham-Kultur zu entdecken.

Die Cham sind mehr als nur ein ethnisches Volk – sie sind ein lebendiges Zeugnis einer reichen Geschichte, die trotz aller Widrigkeiten bewahrt wird. Ihre Kunstfertigkeit und ihr kulturelles Erbe sind nicht nur für Vietnam, sondern für die gesamte Menschheit von unschätzbarem Wert.