Brücken, die Geschichten schreiben: Münchens Bauwerke im Wandel der Zeit
In München gibt es nicht nur Bier und Brezen, sondern auch Brücken, die Geschichten erzählen. Fünf davon feiern dieses Jahr ein ganz besonderes Jubiläum: 125 Jahre seit dem Bau-Beschluss. Die Corneliusbrücke, Reichenbachbrücke, Wittelsbacherbrücke, Maximiliansbrücke und Max-Joseph-Brücke – sie alle sind mehr als nur Übergänge über die Isar. Sie sind Zeugen der Stadtgeschichte, der Entwicklung und des Wandels, den München über die Jahre stets durchlebt hat.
Beginnen wir mit der Wittelsbacherbrücke. Diese Bogenbrücke, die die Isar zwischen der Isarvorstadt und der Au sowie Untergiesing überquert, hat sich über die Jahre zu einem wichtigen Teil des Münchner Lebens entwickelt. Kioskbesitzer André Löwig führt dort seit 25 Jahren den ältesten Kiosk der Stadt. Die Preise sind, wie überall, etwas gestiegen – ein Wasser oder eine Limo gibt’s für 2,50 Euro, ein Bier (Flasche, versteht sich) kostet 3 Euro. Aber die Zeiten haben sich geändert. Seit Corona gibt es weniger gemütliche Stammtische, das Verhalten der Passanten ist rücksichtsloser geworden und Schmierereien zieren die Brücke. Ein trauriger Anblick, wenn man bedenkt, dass sie ursprünglich als Holzkonstruktion 1871 begann, bevor sie 1904 in prächtigen Beton neu errichtet wurde.
Ein Stück Geschichte
Der Bau der Wittelsbacherbrücke begann 1903, und die Fertigstellung erfolgte 1905. Sager & Woerner waren die Planer, während Theodor Fischer die Gestaltung übernahm. Der längste der vier flachen Dreigelenkbögen überspannt das normale Flussbett, die anderen drei sind für Hochwasser gedacht. Verkleidet mit Muschelkalksteinen, strahlt die Brücke eine gewisse Eleganz aus. Und nicht zu vergessen: Das Reiterstandbild von Otto von Wittelsbach, das stolz auf einem Podest im Brückenpfeiler thront, ist nicht nur ein Blickfang, sondern auch ein Teil der Identität Münchens. Schaut man genau hin, entdeckt man eine symmetrische Treppenanlage, die zur Aussichtsplattform führt. Hier kann man die vorbeiziehenden Boote und Radfahrer beobachten.
Die Brücke ist jedoch nicht nur ein Verkehrsweg, sondern auch ein Ort mit Geschichte. Unter ihr lebten lange Zeit Obdachlose, die dort ein Zuhause fanden. Diese Tatsache hat der Brücke einen etwas anderen Charakter verliehen. Sie wurde zum Symbol für das Wohnen von Obdachlosen in München, bis die Camps Ende 2018 nach mehreren Bränden geräumt wurden. Die Wittelsbacherbrücke hat also eine Vielzahl von Facetten, von ihrer architektonischen Schönheit bis hin zu den sozialen Herausforderungen, die sie miterlebt hat.
Brücken als Verbindung
Aber München hat noch viel mehr Brücken zu bieten. Da wäre die Tatzelwurm in Essing, die mit ihren fast 200 Metern einst die längste Holzbrücke Europas war. Oder die Spitalbrücke in Eichstätt, die älteste Steinbrücke Bayerns, die 2012 ein mittelalterliches Fundament offenbarte – ein echter Geschichtsreisender! Und dann natürlich die Sylvensteinbrücke über den gleichnamigen Speicher, eine beeindruckende Stahlkonstruktion, die Bad Tölz mit dem Achensee verbindet und mit 17 Metern Höhe ein wahrer Blickfang ist.
Die Hängebrücke im Klausbachtal, eröffnet 2010, bietet nicht nur einen barrierefreien Zugang, sondern ist auch ein beliebter Startpunkt für Wanderungen. Hier spürt man die Natur hautnah. Apropos Natur: Der Europasteg, der Deutschland mit Österreich verbindet, ist eine moderne Brücke, die 2006 eröffnet wurde und den Charme eines Holzstegs mit der Stabilität der Gegenwart vereint. Und die Salzachbrücke zwischen Laufen und Oberndorf? Sie zählt zu den schönsten Brücken Europas. Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, das zwischen 1901 und 1903 errichtet wurde.
Ein Blick in die Zukunft
Die neue Naturerlebnishängebrücke Wettersteinblick, die 2024 eröffnet werden soll, wird mit 36 Metern Länge und einem fantastischen Blick auf das Wettersteinmassiv sicher ein neuer Höhepunkt im bayerischen Brückenportfolio. Sie wird die Partnachklamm mit Graseck verbinden und Wanderer in eine atemberaubende Landschaft entführen. Und nicht zu vergessen die Partnachklamm selbst, die mit ihren Eintrittspreisen von 10 Euro für Erwachsene und 5 Euro für Kinder ab 6 Jahren ein wahres Erlebnis für die ganze Familie bietet.
Die Geschichte der Brücken in München und Umgebung ist ein faszinierendes Kapitel der Stadtgeschichte. Vom ersten Holzsteg über die Isar bis hin zu den beeindruckenden Stahlkonstruktionen der Neuzeit – jede Brücke hat ihren eigenen Charakter und erzählt ihre eigene Geschichte. Und so bleibt es spannend, welche Geschichten die nächsten Jahrzehnte mit sich bringen werden.
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