Heute ist der 22.06.2026, und in Bamberg brodelt es. Die Neuauflage der Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) zum Thema „Nicht-spezifischer Kreuzschmerz“ bringt frischen Wind in die schmerzhafte Materie. Federführend sind das Zentralinstitut der Kassenärztlichen Versorgung und die AWMF am Werk, und sie haben ordentlich umgekrempelt. Die alten Zöpfe werden abgeschnitten, und das Ganze wird zu einer „Living Guideline“ umgebaut – das heißt, regelmäßig, teilweise jährlich wird nachjustiert. Wer hätte gedacht, dass wir hier in der Medizin so dynamisch werden können?

Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung ist die Reduzierung der beteiligten Fachgesellschaften, die von 48 auf 10 eingedampft wurden. Das klingt fast nach einem Abenteuer, aber da wird auch ordentlich Kritik laut. Die IGOST, die eigentlich ein wichtiger Spieler auf dem Feld ist, wurde nicht direkt zur Mitarbeit eingeladen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die indirekte Vertretung durch Vizepräsident Prof. Raimund Casser und Senator Prof. Hermann Locher über die Deutsche Schmerzgesellschaft und DGOU entwickeln wird. Man darf gespannt sein, wie sich die Stimmen aus der IGOST in die neue Leitlinie einbringen – oder ob das Ganze am Ende nur ein Schattenspiel bleibt.

Ein neues Verständnis für Schmerzen

Ein Thema, das immer wieder aufkommt, ist der Begriff „nicht-spezifischer Kreuzschmerz“. Hier gibt es zunehmend Widerstand; Experten kritisieren die Verwendung des Begriffs. Die ICD-11 hat da längst Deskriptoren etabliert, die nozizeptive, neuropathische und noziplastische Schmerzen differenzieren. Das aktuelle Factsheet der IASP unterstreicht, dass diese Mechanismen nicht nur nebeneinander existieren, sondern auch dynamisch ineinanderfließen können. Die alte, traditionelle Einteilung in „spezifischen“ und „nicht-spezifischen“ Kreuzschmerz wird als ziemlich überholt angesehen. Wir reden hier von einem Wandel, der die gesamte Schmerzmedizin auf den Kopf stellen könnte!

Die Hoffnung auf eine modernere, differenzierte Schmerzmedizin in der Orthopädie und Unfallchirurgie ist groß. Es bleibt abzuwarten, ob die AWMF-Mitgliedsgesellschaften tatsächlich die nötige Expertise und den frischen Wind mitbringen. Manchmal braucht es einfach ein bisschen Mut, um die alten Pfade zu verlassen und neu zu denken. Und genau das ist es, was hier gerade passiert. Wir sind mitten in einem Prozess, der nicht nur die Behandlung von Schmerzen revolutionieren könnte, sondern auch unser Verständnis von Schmerz selbst. Wer hätte gedacht, dass so viel im Fluss sein kann?

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