Am Sonntag, den 8. März 2020, fallen der Internationale Frauentag und die Kommunalwahlen zusammen. In diesem Kontext haben acht Vereine und Organisationen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zahlreiche Veranstaltungen organisiert, die auf die Herausforderungen und Errungenschaften der Geschlechtergleichstellung aufmerksam machen. Die Koordination dieser Aktivitäten übernehmen Claudia Harrasser vom Club Soroptimist Isartal-Bad Tölz und Felicitas Wolf, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises.
Die Eröffnungsveranstaltung beginnt am Donnerstag, den 5. März, mit einer Führung durch den Erinnerungsort Badehaus Waldram um 14 Uhr. Der Eintritt beträgt 6 Euro und Anmeldungen können per E-Mail an ov-wolfratshausen@vdk.de gesendet werden. Am Freitag, den 6. März, erwartet die Bürger ein Info- und Aktionsstand von „Frauen helfen Frauen“ auf dem Karl-Lederer-Platz in Geretsried zwischen 11 und 16 Uhr, wo Passanten Ja-oder-Nein-Fragen zu den Themen Gewaltschutz und Gleichberechtigung beantworten können. Zudem wird an diesem Tag ein Dokumentarfilm mit dem Titel „Ein Tag ohne Frauen“ im Capitol-Kino Bad Tölz (20 Uhr) und im Kino Wolfratshausen (17 Uhr) gezeigt; der Eintritt beträgt 8 Euro.
Vielfalt der Veranstaltungen
Am Sonntag, den 8. März, findet im Tölzer Marionettentheater um 11 Uhr die Literaturinszenierung „Bin weder Frollein, aber schön“ statt, für die ein Eintritt von 10 Euro fällig ist. Am Montag, den 9. März, treffen sich Frauen unter dem Motto „Enough! Genug!“ zwischen 12 und 14 Uhr auf dem Sebastianisteg in Wolfratshausen. Ein Wen-Do-Selbstverteidigungskurs am Freitag, den 13. März, von 14 bis 17.30 Uhr im Dachgeschoss des Landratsamtes rundet die Aktivitäten ab – dieser Kurs kostet 15 Euro.
Ein besonderes Augenmerk liegt in diesem Jahr auf der Kandidatur von Bärbel Weixner, die als einzige Frau um ein Bürgermeister-Amt im Landkreis Bad Tölz wirbt. Diese Situation wirft ein Licht auf die rückläufige Zahl der Kandidatinnen für Stadt- und Gemeinderäte im Vergleich zu 2020. Diese Entwicklung steht in einem größeren Kontext, denn der Internationale Frauentag, der seinen Ursprung 1909 in den USA hat und 1975 von den Vereinten Nationen als solcher institutionalisiert wurde, hat das Ziel, Gewalt, Diskriminierung und Ausbeutung zu bekämpfen und die Geschlechtergleichstellung zu fördern. Trotz gewisser Fortschritte bleibt die Realität für viele Frauen und Mädchen herausfordernd.
Globale Herausforderungen und lokale Realität
Der UN Women-Bericht zeigt, dass die Welt für Frauen und Mädchen gleichberechtigter ist als je zuvor, jedoch der Fortschritt als „zu langsam, zu fragil und zu ungleichmäßig“ beschrieben wird. In Deutschland wird jede dritte Frau mindestens einmal im Leben Opfer von physischer oder sexualisierter Gewalt, und 2023 wurden 167.639 Fälle von Partnerschaftsgewalt angezeigt – ein Anstieg von 6,4% im Vergleich zum Vorjahr. Dies verdeutlicht, dass die Herausforderungen in der Geschlechtergerechtigkeit auch hierzulande nicht zu unterschätzen sind.
Die Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit haben in den letzten Jahren zwar zugenommen, doch der Gender Pay Gap zeigt, dass Frauen im Durchschnitt immer noch weniger verdienen. Während der Verdienstabstand von 18% (2022) auf 16% (2023) gesenkt werden konnte, bleibt die Gleichstellung in vielen Bereichen, insbesondere in höheren Positionen, eine Herausforderung. Der Frauenanteil in den Vorständen der 200 umsatzstärksten deutschen Firmen beträgt gerade einmal 19% und im Deutschen Bundestag liegt der Frauenanteil bei über 35% in der letzten Legislaturperiode, jedoch nur bei 32% im neu gewählten Bundestag (2025).
Die kommenden Veranstaltungen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen bieten eine Plattform, um auf diese Themen aufmerksam zu machen und eine aktive Teilnahme an der Diskussion zur Gleichstellung der Geschlechter zu fördern. Es ist wichtig, dass die Stimmen der Frauen in der Politik und Gesellschaft gehört werden, um eine gerechtere Zukunft zu gestalten. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie in dem Artikel auf Süddeutsche.de und zu den globalen Herausforderungen auf bpb.de.