Synodalität erleben: Gemeinsam Glauben leben in Augsburg
Am vergangenen Samstag war Augsburg der Schauplatz eines besonderen Zusammentreffens: Der Diözesanrat hatte Pfarrgemeinderatsmitglieder aus allen Ecken des Bistums eingeladen. Die Atmosphäre im Saal war von Anfang an lebhaft. Die Teilnehmer positionierten sich so, dass die bunte Vielfalt des Bistums sichtbar wurde. Unter ihnen war die am weitesten angereiste Person aus Lindau, was einmal mehr zeigt, wie wichtig die Verbindung innerhalb der Gemeinden ist.
Die Pfarrgemeinden reichten von knapp 200 bis hin zu beeindruckenden 15.000 Gläubigen. Ein Drittel der Anwesenden war neu im Amt – eine frische Brise, könnte man sagen! Das zweite Drittel war bereits in der zweiten Amtszeit, und der Rest brachte jahrzehntelange Erfahrung mit. Ein spannendes Gemisch, das für anregende Diskussionen sorgte. Theresia Zettler, die humorvolle Kabarettistin und Pastoralreferentin, erhellte die Runde mit ihrer charmanten Art, die verschiedenen Facetten des Pfarrgemeinderats zu beleuchten. Sie sprach über die Notwendigkeit, die Erfahrung älterer Mitglieder mit der Energie der Jüngeren zu kombinieren. Eine Herausforderung, die es zu meistern gilt – und das nicht nur im Kirchengemeindealltag.
Synodalität und das Miteinander
Einen besonders einprägsamen Teil des Tages stellte eine synodale Übung dar, die darauf abzielte, das gegenseitige Zuhören zu fördern. Die Teilnehmer diskutierten angeregt darüber, was eine lebendige Kirchengemeinde ausmacht. Es war faszinierend zu beobachten, wie nach einer Stille, die zur Verarbeitung diente, die Gedanken sprudelten. Bischof Dr. Bertram Meier und Diözesanratsvorsitzende Hildegard Schütz bereicherten die Veranstaltung mit einer Podiumsdiskussion. Dabei ließ Bischof Meier keinen Zweifel daran, dass Pfarrgemeinderatsmitglieder keine „Handlanger des Pfarrers“ sind, sondern integrale Teile des pastoralen Lebens. Wir alle sind gefragt – sowohl Lai:innen als auch Kleriker – und das ist das Herzstück der Synodalität, die wörtlich „gemeinsam gehen“ bedeutet.
Die theologischen Grundlagen, die dem zugrunde liegen, sind tief im „sensus fidei“ verankert, dem Gespür des Glaubensvolkes für die Wahrheit des Evangeliums. Es ist wichtig, dass alle Getauften, unabhängig von ihrem Status, an Entscheidungsprozessen teilnehmen. Hier wird das Ziel klar: eine echte Mitverantwortung der Lai:innen in Entscheidungen zu ermöglichen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, besonders in einer Zeit, die oft von Skepsis gegenüber der Institution Kirche geprägt ist.
Willkommenskultur und gemeinsames Gebet
Ein weiterer Höhepunkt des Tages war das Mittagsgebet in der Ulrichsbasilika, wo die Teilnehmer um die Kraft des Heiligen Geistes baten. Diese gemeinschaftliche Erfahrung verstärkte das Gefühl der Verbundenheit. Bischof Meier ermutigte die Anwesenden, auf die Anliegen ihrer Gemeinde zu hören und Entscheidungen zu treffen, die den Bedürfnissen der Menschen gerecht werden. Dabei ist es entscheidend, eine Willkommenskultur zu leben und sich um alle Menschen zu kümmern – ein Appell, der in der heutigen Zeit nicht wichtiger sein könnte.
Am Nachmittag stellte Hildegard Schütz die Arbeit des Diözesanrats vor, während Mechtild Enzinger über Anlaufstellen und Angebote des Bistums sprach. Der Tag endete mit einem eindrucksvollen Impuls zum Thema „Wo stelle ich meinen Schirm auf?“ – eine kreative Metapher, die zum Nachdenken anregte. Synodalität bedeutet nicht nur, dass wir gemeinsam Entscheidungen treffen, sondern auch, dass wir Raum für unterschiedliche Meinungen schaffen und diese wertschätzen.
In einer Zeit, in der viele Fragen zur Relevanz der Kirche aufgeworfen werden, zeigt sich, wie wichtig es ist, dass synodale Prozesse und partizipative Gremien auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens lebendig gehalten werden. Die Erfahrungen aus diesem Treffen in Augsburg könnten der Anstoß sein, um die Stimme der Gläubigen noch stärker in den Mittelpunkt zu rücken – und das ist etwas, das wir alle wollen. Denn es geht darum, miteinander zu gehen, zu hören und zu gestalten.
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