Am 25. Mai 2026 war es wieder so weit: Der Bayerische evangelische Kirchentag fand auf dem Hesselberg statt. Ein Ort, der nicht nur als landschaftlicher Höhepunkt, sondern auch als Zentrum des Glaubens und der Bildung gilt. Gisela Bornowski, die Regionalbischöfin der Ansbach-Würzburger Region, trat ans Mikrofon und hielt eine beeindruckende Predigt. Ihr Hauptaugenmerk lag auf einem Thema, das in der heutigen Zeit kaum wichtiger sein könnte: Bildung.

„Bildung eröffnet Welten, erweitert den Horizont und vermittelt Werte“, so brachte es Bornowski auf den Punkt. Sie erinnerte sich an ihre eigene Kindheit als „Dorfkind“ – ein Mädchen, das das Glück hatte, eine höhere Schule besuchen zu dürfen, was damals alles andere als selbstverständlich war. Ihre Mutter brachte sie täglich drei Dörfer zur Bushaltestelle, damit sie zum Gymnasium gelangen konnte. Solche Geschichten berühren und zeigen, wie sehr Bildung das Leben eines Menschen prägen kann. Für Bornowski war Bildung der Schlüssel zu ihrer Zukunft, und sie wuchs nicht nur in der Schule, sondern auch in der Kirchengemeinde an ihrem Glauben.

Ein Bildungszentrum mit Geschichte

Der Kirchentag stand in diesem Jahr ganz im Zeichen des 75-jährigen Bestehens des Evangelischen Bildungszentrums Hesselberg. Ein Ort, der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde, um den Erfahrungen mit der NS-Diktatur entgegenzuwirken. Der Gründungssatz des EBZ, „Kein Bauer wählt mehr braun!“, ist nicht nur ein Satz, sondern ein starkes Bildungsprogramm, das Hoffnung und Glauben stärken sollte. Hier wird deutlich, wie eng Bildung und gesellschaftliche Verantwortung verknüpft sind.

Mit einem Hauch von Melancholie kündigte Bornowski an, dass es sich um ihren letzten „dienstlichen Kirchentag“ handelte. Ende des Jahres tritt sie in den Ruhestand. Es ist ein Abschied von einer Ära, denn sie wird die letzte Oberkirchenrätin im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg sein, der bald mit Nürnberg und Bayreuth fusioniert. Ein Neuanfang, der auch Fragen aufwirft: Wie wird sich das kirchliche Leben in dieser Region verändern? Und wie wichtig wird Bildung weiterhin bleiben?

Kirchen im Wandel

In den letzten Jahren hat sich das Bild der Kirchen in Deutschland stark gewandelt. Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus, und die Gründe sind vielfältig. Der Missbrauchsskandal, gesellschaftliche Veränderungen und nicht zuletzt die Corona-Pandemie haben Spuren hinterlassen. Im Jahr 2021 verzeichnete man über 900.000 Kirchenaustritte – die höchste Zahl seit Beginn der Erfassung. Solche Entwicklungen werfen ein Schatten auf die Institutionen und ihre zukünftigen Aufgaben.

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Doch die Herausforderungen sind nicht neu. Die Geschichte der Kirchen in Deutschland ist geprägt von Umbrüchen – vom Spätmittelalter bis hin zur Säkularisation im 19. Jahrhundert. Ein Blick auf die historische Entwicklung zeigt, dass die konfessionelle Zersplitterung, die im 16. Jahrhundert begann, bis heute nachwirkt. Die Evangelische Kirche hat sich im Laufe der Zeit immer wieder neu erfunden, doch der Rückgang der Gottesdienste und die Schließung von Kirchengebäuden sind alarmierende Zeichen.

In einem Kontext, in dem die Kirchen als moralische Stimme der Gesellschaft zunehmend an Einfluss verlieren, bleibt der Kirchentag auf dem Hesselberg ein Ort des Austausches und des Nachdenkens. Es ist ein Raum, in dem die Fragen nach dem Glauben und der Bildung neu gestellt werden können – und vielleicht sind es gerade die Geschichten wie die von Gisela Bornowski, die uns daran erinnern, wie wichtig es ist, den Glauben mit Bildung und Verantwortung zu verbinden. Hier wird Zukunft gestaltet, auch wenn die Zeiten herausfordernd sind.