In Altötting wird es zurzeit heiß diskutiert – der geplante Windpark im Altöttinger und Burghauser Forst sorgt für ordentlich Zündstoff. Christine Miller, die Vorsitzende des Naturschutzvereins Wildes Bayern, hat beschlossen, gegen das Projekt zu klagen. Es ist ein wahrer Drahtseilakt zwischen dem Streben nach erneuerbaren Energien und dem Schutz unserer Natur. Der öffentliche Erörterungstermin findet im Kultur- und Kongressforum Altötting statt, und die Gemüter sind erhitzt. Sogar ein hydrogeologisches Gutachten wird gefordert, um die möglichen Auswirkungen auf den PFOA-belasteten Boden zu klären.
Der Projektierer Qair plant die Errichtung von 27 Windrädern, die jährlich unglaubliche 320 Millionen Kilowattstunden Strom liefern sollen. Ein Großteil des Stroms ist für das Chemiedreieck bestimmt, wo Unternehmen wie Wacker und BASF auf eine verlässliche Energiequelle angewiesen sind. Der geplante Start der Stromproduktion ist für Anfang 2028 angesetzt. Doch viele Kritiker haben Bedenken – es fehlen entscheidende Unterlagen, und die Gefahr einer vorzeitigen Genehmigung durch das Landratsamt schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Projekt.
Die Meinungen der Beteiligten
Robert Müller, ein Vertreter des Landratsamts, gibt sich optimistisch und zeigt sich zufrieden mit dem Verlauf des Erörterungstermins. Er betont, dass alle fehlenden Unterlagen nachgereicht werden können. Qair sieht den Erörterungstermin als wichtigen Schritt in einem transparenten Genehmigungsprozess. Doch die Diskussion dreht sich nicht nur um die Genehmigung: Schallschutz, Schattenwurf, Infraschall, Eiswurf, Artenschutz und Brandschutz sind nur einige der Themen, die in den Gesprächen behandelt werden. Die Stadt Altötting unterstützt das Projekt, während die Meinungen in den umliegenden Gemeinden stark divergieren.
Bürgerinitiativen wie „Gegenwind Altötting“ stehen ebenfalls in der Schusslinie. Diese Gruppe wird als umstritten angesehen, da Verbindungen zu AfD-Anhängern vermutet werden. Vor diesem Hintergrund sind auch die jüngsten Entscheidungen von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bemerkenswert: Der Mindestabstand zur Wohnbebauung wurde von 1000 auf 1200 Meter erhöht. Das sorgt für zusätzliche Diskussionen und Skepsis.
Der Planungsprozess und rechtliche Rahmenbedingungen
Um den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben, erfüllt die Teilfortschreibung des Regionalplans die Flächenziele des Windenergieflächenbedarfsgesetzes (WindBG). Hierbei spielt der Regionale Planungsverband Südostoberbayern (RPV 18) eine zentrale Rolle. Die Mitglieder des RPV 18 setzen sich aus allen Gemeinden und Landkreisen der Region zusammen, und die Sitzungen der Verbandsversammlung sind regelmäßig öffentlich. Das gibt den Bürgern die Möglichkeit, sich aktiv in die Diskussion einzubringen.
Die aktuelle Förderung für Windparkbetreiber, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt ist, gilt nur bis Ende 2026. Die Neuregelung wird in Berlin verhandelt, und die Bürgerinitiativen haben große Bedenken, dass der Standort ohne die derzeitigen Bonusregelungen nicht rentabel ist. Qair drängt auf eine schnelle Genehmigung, um vor einer möglichen Novellierung des EEG ins Ausschreibeverfahren zu gelangen. Das Landratsamt plant, bis August einen Bescheid zu erlassen – die Uhr tickt.
Die Herausforderungen der Energiewende
Die Herausforderungen sind enorm. Deutschland steht unter dem Druck, die EU-Richtlinie RED III für erneuerbare Energien umzusetzen. Diese Richtlinie, die am 28. Oktober 2025 in Kraft tritt, verlangt von den Bundesländern, geeignete Flächen zu identifizieren und umweltfreundliche Lösungen zu finden. Der NABU hat bereits kritisiert, dass die Regelungen zu Beschleunigungsgebieten, die ohne tiefere Prüfungen ausgewiesen werden, nicht ausreichen, um den Naturschutz zu gewährleisten. Für viele ist es ein Balanceakt, der nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische Fragen aufwirft.
In Altötting wird sich zeigen, ob es gelingt, die Interessen von Naturschutz, Wirtschaft und der Energiezukunft in Einklang zu bringen. Die Diskussion ist noch lange nicht zu Ende, und die nächsten Monate dürften turbulent werden.