Heute ist der 1.05.2026 und in Altötting wird der Frühling mit einem ganz besonderen Brauch begrüßt: dem Maibaumaufstellen. Dieser zentrale bayerische Brauch symbolisiert nicht nur den Gemeinschaftssinn und die Fruchtbarkeit, sondern auch die lokale Identität der Dörfer. In den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting finden zahlreiche Feste statt, bei denen die Maibäume mit viel Hingabe aufgestellt werden und die Dorfgemeinschaft zusammenkommt. 

In Feldolling beispielsweise werden die ersten Fotos und Eindrücke von der Feierlichkeit des Maibaumaufstellens festgehalten. In Albaching hat der Burschenverein Rechtmehring einen beeindruckenden Maibaum mit einer Höhe von 28 Metern und einem Volumen von 4 Kubikmetern „gestohlen“. An diesem Maibaum sind 20 Taferl und ein kletternder Kaminkehrer angebracht, was für zusätzliche Faszination sorgt. Organisiert wird das Fest von den Maibaumfreunden Albaching-Utzenbichl e.V., während der Schützenverein Albaching für die Bewirtung sorgt. 

Tradition des Maibaumstehlens

Das Maibaumstehlen ist nicht nur eine amüsante Tradition, sondern auch ein Wettstreit zwischen benachbarten Orten oder Vereinen. Oft geschieht es in einem humorvollen Rahmen, wobei erfolgreiche Diebe nach dem Stehlen des Maibaums zur „Auslösung“ durch Bier und Brotzeit eingeladen werden. Dabei gibt es einige Regeln, die beim Maibaumstehlen beachtet werden müssen: So darf der Baum nur vor dem offiziellen Aufstellen entwendet werden und Bäume im Wald sind tabu. Auch Sachschäden sind unerwünscht – die Verzierungen bleiben unberührt, und kein Diebstahl des eigenen Maibaums ist erlaubt. Gewalt ist ausgeschlossen, und wer beim Stehlen erwischt wird, muss den Maibaum zurückbringen. 

Ein besonders humorvoller Vorfall ereignete sich 2017, als der Münchner Maibaum von einem Nachbarort entwendet wurde, und die „Auslösung“ Bier und Brotzeiten für gleich 80 Diebe umfasste. Die Nachtwachen, die oft von Vereinen oder Dorfbewohnern organisiert werden, sind nicht nur eine Frage der Sicherheit, sondern auch ein geselliges Ereignis, bei dem Brotzeit und Gespräche nicht fehlen dürfen. 

Die Bedeutung des Maibaums

Die Tradition des Maibaumaufstellens hat ihre Wurzeln in vorchristlicher Zeit und ist ein fester Bestandteil der bayerischen Kultur. Um einen Maibaum aufzustellen, wird der Baum in der Regel grün gefällt, getrocknet und die Rinde entfernt. Die Vorbereitungen sind oft ein Gemeinschaftsprojekt, bei dem regionale Bauernfamilien Bäume spenden. Diese werden traditionell in weiß-blau gestrichen und mit Zunfttafeln verziert. Am 1. Mai wird der Baum dann von Hand aufgestellt, was Kraft und Koordination erfordert. Daher sind viele helfende Hände gefragt, die sich um das Gelingen des Festes kümmern. 

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Ein Maibaum steht traditionell mindestens ein Jahr, maximal fünf Jahre, und während dieser Zeit wird er von den Dorfbewohnern in der Regel gut bewacht. Die Vorbereitungen für das Maifest laufen bereits in vielen Dörfern, und die letzten Handgriffe werden erledigt. Die Feierlichkeiten selbst sind oft gespickt mit Tanz, Musik und gutem Essen und ziehen das ganze Dorf an. Für die Kinder ist der Maibaum nicht nur ein Erlebnis, sondern auch eine wertvolle Lektion über Zusammenarbeit und Handwerk. 

Das Maibaumaufstellen ist also weit mehr als nur ein Brauch; es ist ein lebendiger Ausdruck der bayerischen Kultur und des Gemeinschaftsgeistes, der die Menschen auch in der heutigen Zeit zusammenbringt.