In Altötting gibt es einen ganz besonderen Grund zu feiern: Die Fachambulanz für Suchthilfe im Landkreis hat ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert! Ein Anlass, der in der Stadt viele Herzen berührt und ein Licht auf die wichtige Arbeit wirft, die oft im Verborgenen geschieht. Der Festakt fand im Bürgerhaus Burghausen statt, und Bürgermeister Florian Schneider sprach von der Einrichtung als einer „Brücke“ zwischen unterschiedlichen Lebenssituationen. Man könnte fast sagen, diese Brücke verbindet nicht nur Menschen, sondern auch Hoffnungen und neue Perspektiven.
Die Suchtlandschaft hat sich in den letzten drei Jahrzehnten allerdings gewaltig verändert. Früher waren es vor allem Alkohol und Drogen, die die Menschen in die Not brachten. Heute sieht es anders aus: Digitale Abhängigkeiten, Hygienezwänge und Spielsucht stehen ganz oben auf der Liste aktueller Herausforderungen. Eine Umfrage des Deutschen Gesundheitsbarometers zeigt alarmierende Zahlen: Über ein Viertel der Befragten hat ein suchtartiges Verhalten gegenüber sozialen Medien! Das ist schon echt krass, wenn man bedenkt, dass 96 % der Deutschen soziale Medien nutzen – im Schnitt sogar drei Stunden und 18 Minuten täglich! Die Auswirkungen sind spürbar. Jeder vierte Deutsche hat bis zu seinem 44. Lebensjahr problematische Nutzungsmuster entwickelt, wie eine Studie der Hochschule Macromedia München belegt.
Ein Blick in die Zukunft der Suchthilfe
Die Fachambulanz, die ihre Räumlichkeiten in der Bahnhofstraße 50 in Altötting und am Berliner Platz 3 in Burghausen hat, wird voraussichtlich noch mehr Unterstützung benötigen. Immer mehr Menschen suchen Hilfe, und die Einrichtung, die vom Bezirk Oberbayern mit 4,23 Fachkraftstellen und 1,05 Verwaltungsstellen finanziert wird, bietet zahlreiche Angebote an. Dazu gehören betreute Wohngruppen und niederschwellige Beratungsangebote. Ein besonders bemerkenswertes Projekt ist „Chillout“, das Kinder aus suchtbelasteten Familien unterstützt. Denn Suchtberatung ist nicht nur eine Frage des Überlebens, sie wird auch als präventive Medizin betrachtet – langfristig spart sie Kosten und schenkt vielen ein neues Leben.
Aber die Entwicklungen hören hier nicht auf. Im April 2026 startet die Hessische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) die zweite Staffel des Podcasts „Mediensucht verstehen“, mit einem Fokus auf das Thema Videospielsucht. Das Team von Behind the Screens wird zu Gast sein. Spannend, oder? Zudem wird ein Webinar die neuen Produkte der Tabak- und Nikotinindustrie beleuchten – von E-Zigaretten über Vapes bis hin zu Nikotinpouches. Auch die Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Suchthilfe wird thematisiert, was zeigt, dass wir in einer sich ständig weiterentwickelnden Welt leben.
Die Realität der Sucht in Deutschland
Die Zahlen sind schockierend: In Hessen leben schätzungsweise 18.000 bis 22.000 opiatabhängige Menschen und über 100.000 sind medikamentenabhängig. Im vergangenen Jahr haben rund 180.000 Menschen Cannabis konsumiert. Das zeigt, wie groß die Herausforderung ist, der sich die Gesellschaft stellen muss. Selbsthilfe- und Abstinenzgruppen bieten ambulante Hilfe, aber die Notwendigkeit für umfassende Präventionsmaßnahmen wird immer deutlicher. Interaktive Methoden und Materialien zur Cannabisprävention für Schüler und Jugendgruppen sind bereits in der Diskussion. Auch die DAK hat eine Längsschnittstudie zur Mediensucht veröffentlicht, die sich mit den Nutzungsmustern von Kindern und Jugendlichen beschäftigt. Bei einer Befragung von 1.083 Familien wurde deutlich, wie tief die digitale Welt in den Alltag eingedrungen ist.
In dieser spannenden, aber auch herausfordernden Zeit ist es wichtiger denn je, dass wir als Gesellschaft zusammenstehen und die Brücken bauen, die notwendig sind, um Menschen den Weg aus der Sucht zu zeigen. Es bleibt zu hoffen, dass die Fachambulanz weiterhin die nötige Unterstützung erhält, um all denjenigen, die es nötig haben, eine Hand zu reichen. Denn jeder Schritt in die richtige Richtung zählt.