Stillen Helden in der Dunkelheit: Die Bedeutung der Notfallseelsorge in Aichach-Friedberg
In Aichach-Friedberg gibt es Menschen, die sich in den dunkelsten Stunden des Lebens um andere kümmern. Sie sind die stillen Helden unserer Gesellschaft – ehrenamtliche Notfallseelsorger und Kriseninterventionsteams, die in der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) tätig sind. Unter ihnen befinden sich Tina Wunder und Marcus Jänke, die beide ihre Berufung darin gefunden haben, Menschen in Krisensituationen beizustehen und sie zu unterstützen. Wenn man mit ihnen spricht, spürt man sofort, dass diese Arbeit mehr ist als nur ein Job. Es ist eine Herzensangelegenheit.
Die PSNV hat zwei Varianten: PSNV-E für Einsatzkräfte und PSNV-B für Betroffene. Im Bistum Augsburg, wo Tina Wunder als Systemleiterin der Notfallseelsorge tätig ist, engagieren sich etwa 40 ehrenamtliche Notfallseelsorger. Marcus Jänke, stellvertretender Teamleiter für Krisenintervention beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK), koordiniert ein Team von rund 25 Ehrenamtlichen. Gemeinsam mit den Maltesern, die fünf bis zehn Krisenspezialisten stellen, bilden sie ein Netzwerk, das rund um die Uhr bereitsteht. Diese Teams sind auf alles vorbereitet – von plötzlichen Todesfällen bis hin zu Verkehrsunfällen oder Großschadenslagen. Ihre Hauptaufgabe? Die Handlungsfähigkeit der Betroffenen wiederherzustellen und ein soziales Netz aufzubauen.
Einfühlsame Krisenintervention
Die Herausforderung, Angehörigen Todesnachrichten zu überbringen, beschreibt Jänke als besonders belastend. Es ist kein einfacher Job, aber die Dankbarkeit der Menschen, die man unterstützt, gibt ihnen Kraft. Ein eindrucksvolles Beispiel ist eine Mutter, die zwei Jahre nach dem Suizid ihres Sohnes mit Tina Wunder sprach und für die Unterstützung, die sie erhalten hatte, dankbar war. Diese Momente sind es, die die Arbeit der PSNV so bedeutsam machen.
Die PSNV ist kein Zufallsprodukt. Sie wurde durch einheitliche Standards im DRK-Rahmenkonzept PSNV strukturiert, das Ziele, Aufgaben, Einsatzindikationen und Ausbildungscurricula beschreibt. Diese Qualitätssicherung ist entscheidend, denn die Mitarbeitenden erhalten eine umfassende psychosoziale Grundausbildung, Qualifizierung zum Kriseninterventionshelfer und regelmäßige Fortbildungen. Vor allem die psychosoziale Belastung durch Ereignisse wie die Corona-Pandemie oder die Hochwasserkatastrophe 2021 hat die Bedeutung dieser Arbeit ins Licht gerückt.
Der Weg zur Einsatzkraft
Die Ausbildung zur PSNV-E Einsatzkraft ist herausfordernd. Sie besteht aus mehreren Modulen, die alles von psychischer Erster Hilfe bis hin zu komplexen Interventionen abdecken. Dabei wird viel Wert auf praktische Erfahrungen gelegt. Das Basisseminar umfasst 34 Unterrichtseinheiten, gefolgt von weiteren Aufbauseminaren, die sich mit Teaminterventionen und Follow-Up-Gesprächen beschäftigen. Man muss schon eine gewisse Widerstandsfähigkeit mitbringen, um in dieser Branche zu bestehen. Es ist nicht nur wichtig, die Theorie zu beherrschen, sondern auch die eigene psychische Stabilität und soziale Kompetenz zu zeigen.
Einsatzkräfte sind oft selbst in Extremsituationen Gefahren ausgesetzt und erleben Not, Leid und Tod hautnah. Daher ist die Einsatznachsorge ein entscheidendes Element. Teams aus speziell geschulten Einsatzkräften bieten Gesprächsangebote an, um nach belastenden Einsätzen eine Entlastung zu ermöglichen. So wird der schnellere Abbau von einsatzbedingten Belastungsreaktionen unterstützt, was für die eigene Gesundheit der Helfenden unerlässlich ist.
Die Bedeutung der Rituale
Ein weiteres wichtiges Element in der Arbeit der PSNV ist die friedliche Seite des Todes, über die Jänke oft spricht. Rituale zur Verabschiedung sind nicht nur für die Hinterbliebenen von großer Bedeutung, sie helfen auch den Seelsorgern, ihre eigene Trauer zu verarbeiten. In einer Welt, in der der Tod oft verdrängt wird, bringen sie Licht in die Dunkelheit und ermöglichen es den Menschen, Abschied zu nehmen und die Trauer zuzulassen. So wird der Tod nicht nur als Ende, sondern auch als Teil eines Lebensprozesses verstanden.
Die PSNV ist ein unverzichtbarer Teil unserer Gemeinschaft. Sie zeigt uns, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein – nicht nur in den glücklichen Zeiten, sondern auch, wenn es dunkel wird. Die Arbeit von Tina Wunder, Marcus Jänke und ihren Kolleginnen und Kollegen ist mehr als nur eine Pflicht; es ist ein Dienst an der Menschlichkeit.
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