Die Hitzewelle ist vorbei, doch ihre Schatten hängen noch über Aichach-Friedberg. Seit dem Wochenende haben die Temperaturen zwar nachgelassen, doch die Nachwirkungen sind deutlich spürbar. Steffen Brühl, Pfarrer der Friedberger Gemeinde St. Jakob, berichtet von einem besorgniserregenden Anstieg der Beerdigungen. In seinen 15 Jahren Berufserfahrung hat er einen klaren Zusammenhang zwischen extremen Temperaturen und einer erhöhten Sterblichkeit beobachtet. Ein düsteres Bild zeichnet sich ab: Die WHO meldete, dass seit dem 21. Juni rund 1300 Menschen in Europa durch die Hitze starben, und die meisten davon in Westdeutschland.

Besonders betroffen waren ältere Menschen, oft jenseits der 80, die mit Herz-Kreislauferkrankungen zu kämpfen hatten. In den Kliniken an der Paar wurden viele dieser vulnerablen Patientengruppen wegen Dehydrierung behandelt. Martin Müller, der Leiter der Notaufnahme, stellt fest, dass die Patienten aller Altersklassen mit Kollaps und Blutdruckentgleisungen kämpften. Trotz dieser alarmierenden Situation verzeichnete die Klinikleitung in den letzten zwei Wochen keinen Anstieg an verstorbenen Personen. Im Altenheim Pro Seniore in Friedberg blieb die Zahl der Sterbefälle während der Hitzewelle sogar ganz aus.

Vorbereitung auf die Hitze

Jeanette Kleespieß, die Leiterin des Altenheims, hatte vorgesorgt. Sie achtete penibel darauf, dass die Bewohner ausreichend Flüssigkeit zu sich nahmen. Elektrolyte wurden bestellt, um die verloren gegangenen Mineralstoffe zu ersetzen, und jene, die zu wenig tranken, erhielten Infusionen. Komischerweise waren Klimaanlagen nicht verfügbar. Stattdessen gab es Schüsseln mit kaltem Wasser für die Füße – eine simple, aber effektive Maßnahme gegen die drückende Hitze, die es den älteren Menschen immerhin erleichterte, die hohen Temperaturen zu ertragen. Um für zukünftige Hitzewellen besser gerüstet zu sein, wurden Klimaaggregate bei einem Großhändler bestellt.

Und während in Aichach-Friedberg die Gesundheitsversorgung auf Hochtouren lief, berichtete Johann Eberle, der Leiter der Heilig-Geist-Spitalstiftung, ebenfalls von keinen Todesfällen in seiner Einrichtung. Auch die Polizei in der Region stellte keine hitzebedingten Todesfälle fest. Das lässt einen aufatmen – zumindest ein kleiner Lichtblick in einer ansonsten besorgniserregenden Situation.

Ein globales Problem

Die Dimension des Problems ist jedoch nicht zu unterschätzen. António Guterres, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, hat eindringlich zu Maßnahmen gegen extreme Hitze aufgerufen. Zwischen 2000 und 2019 gab es weltweit jährlich etwa 489.000 hitzebedingte Todesfälle – erschreckend! 36 % dieser Todesfälle, also mehr als 175.000, entfallen auf die europäische Region. In den letzten 20 Jahren ist die hitzebedingte Sterblichkeit in Europa um 30 % gestiegen. Ein Trend, der uns alle betrifft. Hitzebelastung ist die Hauptursache für klimabedingte Todesfälle, und besonders ältere Menschen sowie schwangere Frauen sind hier gefährdet.

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Gesundheitsschutz und Prävention

Die WHO hat bereits mehr als 20 europäische Länder dazu bewogen, Aktionspläne zum Schutz der Gesundheit vor Hitze zu erstellen. Gesundheitsschädliche Auswirkungen von heißem Wetter sind durch wirksame Maßnahmen vermeidbar. Die Empfehlungen sind klar: Meiden der Hitze, Aufenthalt im Schatten, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und leichte Kleidung tragen. Außerdem ist es wichtig, auf ältere Menschen und verletzliche Personen zu achten. Das Robert Koch-Institut (RKI) wird in den kommenden Wochen die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze kontinuierlich überwachen und wöchentliche Berichte zur hitzebedingten Mortalität veröffentlichen.

Die Herausforderung, die der Klimawandel an die öffentliche Gesundheit stellt, ist gewaltig. Effektiver Hitzeschutz ist erforderlich, um den gesundheitlichen Herausforderungen durch Hitze entgegenzuwirken. Hitzeaktionspläne sollten intersektoral umgesetzt werden, um den präventiven Gesundheitsschutz und die Gesundheitsförderung zu unterstützen. Denn die Hitze wird nicht einfach verschwinden; sie wird uns weiterhin beschäftigen. Und so bleibt nur zu hoffen, dass wir aus den Erfahrungen lernen und besser auf die kommenden Sommer vorbereitet sind.

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