In Deutschland macht sich eine besorgniserregende Situation in der Baustoffindustrie breit. Der Zementverbrauch hat sich auf ein Niveau zurückgezogen, das man zuletzt vor dem Zweiten Weltkrieg gesehen hat. Rund 30 Prozent weniger Zement wird hierzulande verwendet als noch 2020. Das ist nicht nur eine Zahl, das ist ein deutliches Zeichen einer Krise, die die gesamte Branche betrifft. Dominik von Achten, Präsident des Bundesverbandes Baustoffe – Steine und Erden (BBS) und CEO von Heidelberg Materials, beschreibt die Lage als historisch. Die Situation ist für viele Sektoren des Hoch- und Tiefbaus alarmierend.

Der private Wohnungsbau leidet besonders unter hohen Zinsen und gestiegenen Baukosten. Die Nachfrage bleibt schwach, und trotz eines Anstiegs der Genehmigungen für Bauprojekte um etwa 10 Prozent, dauert es oft Monate bis zum tatsächlichen Baubeginn. Das hat zur Folge, dass viele Bauarbeiter und Unternehmen in der Warteschleife sitzen. Da kann man schon ins Grübeln kommen, was das für die Zukunft des Bauens in Deutschland bedeutet. Obwohl die Bundesregierung angekündigt hat, Mittel aus einem Sondervermögen für Infrastrukturprojekte bereitzustellen, bleibt die Wirkung bisher eher spärlich. Es wird jedoch erwartet, dass im zweiten Halbjahr 2024 eine verstärkte Bautätigkeit einsetzen könnte.

Ein Blick auf die Zahlen

Die Baustoffproduktion bleibt weiterhin in der Krise. Laut Berichten wird ein Produktionsrückgang von 6,5 % im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert. Seit 2021 hat sich der Trend negativ entwickelt, mit einem Rückgang von insgesamt -25 %. Besonders betroffen sind Hersteller, die stark vom Wohnungsbau abhängig sind. Die Produktion von Dach- und Mauerziegeln könnte im Jahr 2024 um 12 % sinken, im Vergleich zu 2021 sogar um dramatische 45 %! Man fragt sich, wo das alles enden soll. Die Rückgänge bei anderen Mauerwerkserzeugnissen wie Kalksandstein und Porenbeton liegen sogar bei bis zu 50 %.

Ein weiterer besorgniserregender Aspekt ist die Transportbetonproduktion, die im Jahr 2024 um 12 % zurückgehen könnte. Hier wird die Unsicherheit durch die politischen Rahmenbedingungen deutlich. Im Hochbau spüren wir die hohen Kosten und die Unsicherheit, die durch unzureichende Förderprogramme entstehen. Im Tiefbau sorgt die vorläufige Haushaltsführung des Bundes für eine spürbare Nachfragezurückhaltung. Die Branche fordert daher verlässlichere Rahmenbedingungen und kontinuierliche Förderprogramme. Ein Vorschlag, der durch die Runde geistert, ist ein zeitlich befristeter Abschreibungs-Sonderbonus von 3 % für den Wohnungsbau. Das klingt fast nach einem Lichtblick in dieser Flaute!

Die Herausforderungen der Branche

Die Baustoffindustrie sieht sich nicht nur mit rückläufigen Zahlen konfrontiert, sondern leidet auch unter steigenden bürokratischen Auflagen und hohen Energiekosten. Die Entwicklung der Produktion könnte im vierten Quartal 2024 einen leichten Zuwachs von 4 % verzeichnen – wenn alles gut läuft. Für 2025 wird eine Stabilisierung auf Vorjahresniveau prognostiziert, bestenfalls. Es ist klar, dass es einen hohen Bedarf an Baustoffen für Wohnraum, energieeffiziente Gebäude und Infrastruktur gibt, doch die aktuellen politischen Rahmenbedingungen bremsen die Nachfrage.

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Die Baustoffindustrie ist in einem Dilemma: einerseits sind die erforderlichen Baustoffe für die dringend benötigte Infrastruktur und den Wohnungsbau vorhanden, andererseits stehen die Unternehmen vor enormen Herausforderungen. Es bleibt abzuwarten, ob und wie schnell die angekündigten Mittel der Bundesregierung in den kommenden Monaten tatsächlich Wirkung zeigen werden. Der Weg zur Besserung ist steinig, aber vielleicht gibt es ja doch einen Lichtblick am Ende des Tunnels!

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