In der Provinz Ituri, im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, wird die Lage immer ernster. Mit über 900 Verdachtsfällen von Ebola stehen die Behörden und das medizinische Personal vor einer gewaltigen Herausforderung. Die Hilfsorganisation ActionAid schlägt Alarm: Etwa jeder Dritte in der Bevölkerung hält die Krankheit für einen Mythos. Das ist nicht nur eine gefährliche Fehleinschätzung, sondern auch ein Zeichen für die tiefe Kluft zwischen Realität und Wahrnehmung in dieser Krisensituation.
Saani Yakubu, der Landesdirektor von ActionAid, betont den Kampf gegen Mythen, Angst und Misstrauen. Die Organisation setzt auf Aufklärungskampagnen in den Gemeinden, um falsche Informationen zu widerlegen und zu einem schutzorientierten Verhalten zu führen. Komischerweise glauben einige Menschen, dass sie sich mit starken alkoholischen Getränken vor einer Ansteckung schützen könnten. Das zeigt, wie sehr mangelndes Wissen zu Konfrontationen führen kann – nicht selten ist dies der Auslöser für gewaltsame Auseinandersetzungen, wie etwa die Angriffe auf Kliniken. Ein besonders dramatisches Beispiel ereignete sich kürzlich in Mungwalu, als Angehörige eines verstorbenen Ebola-Patienten Behandlungszelte in Brand setzten, weil ihnen die Herausgabe der Leiche verweigert wurde. Verstorbene Ebola-Patienten sind hochansteckend und müssen unter strengen Sicherheitsmaßnahmen beigesetzt werden. Es ist eine tragische Ironie, dass Unkenntnis und Angst die Menschen dazu treiben, noch größere Risiken einzugehen.
Die Herausforderung der Aufklärung
Die geflüchteten Ebola-Patienten aus Mungwalu wurden bisher nicht wieder gefunden, was die Situation weiter verschärft. Die WHO zeigt sich „sehr besorgt“ über die schnelle Ausbreitung des Virus in der Region. Seit Beginn des aktuellen Ausbruchs gibt es mindestens 500 Verdachtsfälle und 130 mutmaßliche Todesfälle. Die Gesundheitsbehörden sind alarmiert, denn in der Provinz Ituri sind 30 bestätigte Infektionen dokumentiert. In Uganda, einem Nachbarland, wurde ebenfalls eine bestätigte Erkrankung sowie ein Todesfall gemeldet. Das ist alles andere als beruhigend.
Die WHO hat eine gesundheitliche Notlage ausgerufen, da es für die aktuell zirkulierende Bundibugyo-Variante keine zugelassenen Impfstoffe gibt. Die Situation wird zusätzlich durch die Angriffe von regierungsfeindlichen Milizen im Osten des Kongo erschwert. Diese Unsicherheiten führen zu einem unzureichenden Infektionsschutz und -kontrolle, was die Arbeit der Hilfsorganisationen extrem kompliziert macht. Die Afrikanische Union hat für den gesamten Kontinent den Notstand ausgerufen, und Ruanda hat seine Grenzen zur Demokratischen Republik Kongo geschlossen, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Ein klarer Appell an die internationale Gemeinschaft, jetzt zu handeln.
Inmitten dieser chaotischen Lage wird auch von den US-Behörden Unterstützung angefordert. Ein infizierter US-Arzt wird nach Deutschland ausgeflogen, während sechs Kontaktpersonen mit hohem Ansteckungsrisiko ebenfalls dorthin verlegt werden. Der Druck auf die internationalen Gesundheitsbehörden steigt, denn die Menschen in den betroffenen Regionen brauchen dringend Hilfe und Aufklärung. Es bleibt zu hoffen, dass die Aufklärungskampagnen von ActionAid und anderen Organisationen die Mythen und Ängste endlich durchbrechen können. Denn eines ist klar: Wissen ist der erste Schritt zur Veränderung.