In der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 2025 ging ein verheerender Brand in der alten Paketposthalle am Ulmer Hauptbahnhof nieder. Diese Halle, ursprünglich als provisorisches Lager für das Theater Ulm gedacht, barg nicht nur etwa 30.000 Kostüme, sondern auch Bühnenbilder, Arbeitsmaterialien, Möbel und Requisiten. Der Verlust von rund 27.000 Kostümen, darunter historische Stücke, Brautkleider und Uniformen, war für die gesamte Belegschaft ein harter Schlag. Kay Metzger, der Intendant, beschrieb den Verlust als extrem bitter und sprach von unschätzbaren Werten, die in Flammen aufgegangen sind.
Die Kostümabteilung des Theaters Ulm steht nun vor der gewaltigen Aufgabe, einen neuen Fundus aufzubauen. Dank der bemerkenswerten Solidarität in der Bevölkerung sind viele hochwertige Kleiderspenden eingegangen. Ruth Hauser, die Gewandmeisterin, zeigt sich beeindruckt von der Vielzahl und der Qualität dieser Spenden. So finden sich unter anderem Priestergewänder, Hochzeitskleidung und traditionelle indische Hochzeitskleider in den gespendeten Materialien.
Ein neuer Anfang für den Kostümfundus
Im Moment sind die gespendeten Kleidungsstücke in einem Provisorium im Obergeschoss eines Nachbargebäudes untergebracht. Die Mitarbeiter arbeiten im „Krisenmodus“ – alle 14 Tage stehen neue Produktionen in den Endproben an. Glücklicherweise blieben rund 10.000 Kostüme, die im Theater selbst gelagert waren, vom Brand verschont. Die Stadt Ulm hat zudem eine neue Stelle für die Digitalisierung des Fundus geschaffen, um die verbleibenden Kostüme besser verwalten zu können. Ines Neidlinger wurde als Fundusverwalterin eingestellt und hat die Aufgabe, die neuen Einträge ordentlich zu katalogisieren.
Allerdings sind die Herausforderungen noch lange nicht überwunden. Die Halle, die einst als Lager diente, ist nach dem Brand nicht mehr nutzbar, und die Notwendigkeit, schnell geeignete Ausweichmöglichkeiten für die Probebühnen zu finden, ist dringlich. Angela Weißhardt, die Verwaltungsdirektorin, äußerte, dass es ungewiss sei, ob die Wiederherstellung der Räume mit vertretbarem Aufwand möglich sei.
Gemeinsam stark – Spendenaktion für den Wiederaufbau
Der Verein der Theaterfreunde Ulm hat eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um die finanziellen Mittel für den Wiederaufbau des Fundus zu sichern. Ziel ist es, 300.000 Euro zu sammeln, wobei bereits etwa 120.000 Euro zusammengekommen sind. Die Aktion wird mit der Premiere von „Idomeneo“ am 19. September 2025 offiziell gestartet und läuft bis zum Sommer 2026. Das Geld wird als ein wichtiges Zeichen der Solidarität der Bürgerschaft mit dem Theater angesehen, und Spenden können auf verschiedene Konten überwiesen werden.
Die Ulmer mehr als nur ein Theater. Es ist ein kulturelles Herzstück, das nicht nur Künstlern, sondern auch der gesamten Gemeinschaft zugutekommt. Das Engagement der Bevölkerung und die Unterstützung durch den Verein der Theaterfreunde machen deutlich, dass die Ulmer trotz der schweren Zeiten zusammenstehen und bereit sind, für ihr Theater zu kämpfen. Es bleibt zu hoffen, dass der neue Fundus bald in neuem Glanz erstrahlt und die kreativen Köpfe des Theaters Ulm wieder mit einer Vielzahl an Kostümen ausgestattet werden können.