In Ulm ist die Nachfrage nach Hilfe wegen Essstörungen sprunghaft gestiegen. Die neue Beratungsstelle „Gleichgewicht“ der Caritas, die erst Anfang des Jahres eröffnet wurde, hat in kürzester Zeit über 30 Anfragen im Januar registriert. Mittlerweile sind etwa 60 Menschen im Beratungsprozess, und das Alter der Klienten reicht von 14 bis 65 Jahren. Eine bemerkenswerte Zahl, die uns zeigt, wie ernst das Thema geworden ist, oder? Besonders auffällig ist, dass Frauen häufig betroffen sind, aber auch Männer, die immerhin 5 von 60 Klienten ausmachen.

Essstörungen sind kein leichtes Thema. Die Hauptformen wie Anorexie, Bulimie und Binge-Eating bringen nicht nur psychische, sondern auch physische Herausforderungen mit sich. Anorexie, die zu starkem Untergewicht führt, hat eine erschreckende Rate von einer tödlichen Erkrankung bei zehn Betroffenen. Bulimie hingegen äußert sich in Essanfällen, gefolgt von Erbrechen oder exzessivem Sport. Binge-Eating schließlich beschreibt übermäßiges Essen ohne jegliche ausgleichende Maßnahmen und ist oft mit Scham oder Schuldgefühlen verbunden. Die Beratungsstelle „Gleichgewicht“ bietet Unterstützung für all diese Probleme, ist aber – und das ist bedauerlich – derzeit nur durch Spendengelder finanziert.

Herausforderungen und Unterstützungsbedarf

Die Stadt und der Landkreis Ulm sehen die Wichtigkeit dieser Beratungsstelle, können aber aufgrund finanzieller Engpässe nicht zur Finanzierung beitragen. Eine Anfrage bei Aktion Mensch für Projektfinanzierung läuft bereits. Das ist nötig, denn immer mehr Betroffene sind jünger, oft schon im Kindesalter. Die Corona-Pandemie hat zwar zur Zunahme von Essstörungen beigetragen, aber sie ist nicht die einzige Ursache. Faktoren wie Körperunzufriedenheit, Leistungsdruck und der Einfluss von sozialen Medien spielen eine große Rolle. Das Stigma, das mit Essstörungen verbunden ist, bringt die Betroffenen zusätzlich in eine verzweifelte Lage. Viele glauben fälschlicherweise, es fehle ihnen einfach an Willen. Solche Vorurteile sind nicht nur verletzend, sondern auch hinderlich für die Heilung.

Carina Mall, die die Suchtberatung bei der Caritas Alb-Donau leitet, appelliert an die Gesellschaft, eine bewusste Diskussion über Körperbilder zu führen. Es ist von großer Bedeutung, dass Aufklärungsanfragen von Schulen nicht abgelehnt werden müssen, weil die Ressourcen fehlen. Wir brauchen mehr Sensibilisierung für dieses Thema. Essstörungen können schleichend entstehen und oft schwer zu erkennen sein. Die Beratungsstelle bietet daher kostenlose und vertrauliche Hilfe an, um diese Herausforderungen anzugehen.

Ein Blick auf die Ursachen

Essstörungen sind komplex. Sie können durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden, darunter individuelle, familiäre, biologische und sozio-kulturelle Einflüsse. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) arbeiten daran, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und die Früherkennung zu fördern. Sie stellen umfangreiche Informationen zu Krankheitsbildern, auslösenden Faktoren sowie Beratungs- und Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Wer Interesse hat, kann auf der Webseite essstoerungen.bioeg.de nachlesen und sich informieren.

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In einem Fachgremium, bestehend aus Experten, Wissenschaftlern und Verbänden, werden regelmäßig Empfehlungen zur integrierten Versorgung bei Essstörungen erarbeitet. Der Fokus liegt dabei auf den Übergängen und Schnittstellen zwischen Prävention, Beratung, Behandlung und Nachsorge. Es ist eine herausfordernde, aber auch wichtige Aufgabe, die uns alle angeht.