Hoffnung und Gemeinschaft: Ulms Weg zur Unterstützung junger Menschen in Not
In Ulm, einer Stadt, die viel mehr ist als nur ein geografischer Punkt auf der Landkarte, gibt es eine bemerkenswerte Realität für viele Kinder und Jugendliche. Die Zahlen sind erschreckend: Im Jahr 2024 lebten über 220.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland außerhalb ihrer Familien, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Zwei Drittel dieser jungen Menschen fanden Zuflucht in Heimen. Besonders die Ulmer Kinder- und Jugendhilfe verzeichnet eine hohe Nachfrage. Hier, in dieser lebendigen Stadt, gibt es Orte, an denen Hoffnung und Gemeinschaft aufeinandertreffen.
Die 15-jährige Lara ist ein Beispiel für diese Hoffnung. Sie lebt in einer betreuten Wohngruppe des Vereins Oberlin. Für sie ist dieses Zuhause mehr als nur ein Dach über dem Kopf – es ist eine Art Familie. Lara erzählt von den Gruppenabenden und Ausflügen, die sie mit den anderen Jugendlichen unternimmt. Ein geplanter Ausflug nach Dänemark in den Sommerferien steht bevor. Das klingt nach einer aufregenden Zeit! Ihre Geschichte beginnt jedoch schon viel früher, denn Lara wurde im Säuglingsalter in eine Pflegefamilie gegeben und wuchs bei ihren Großeltern auf. In der Wohngruppe findet sie Gemeinschaft und Unterstützung, genau das, was sie gebraucht hat. Sechs bis sieben minderjährige Jugendliche leben hier zusammen, betreut von einem Team von Erziehern. Christian Knoll, einer der Erzieher, hebt die Bedeutung von Vertrauen und Begegnung auf Augenhöhe hervor. Die Betreuer unterstützen die Jugendlichen in verschiedenen Lebensbereichen, von Schule bis Freizeit. Lara plant sogar, eine Lehre bei einer Baufirma zu beginnen – ein Schritt in eine eigenverantwortliche Zukunft.
Ein Zuhause für Geflüchtete
Aber nicht nur in Laras Wohngruppe wird Hilfe geleistet. Im „Zentrum guterhirte“ in Ulm lebt der 18-jährige Kyril aus der Ukraine. Er ist vor dem Krieg geflohen und hat hier einen neuen Platz gefunden. Kyril beschreibt sein Leben in der betreuten WG als angekommen – eine Aussage, die mehr Gewicht hat als man denkt. Unterstützung bei alltäglichen Herausforderungen und beim Erlernen der Sprache sind für ihn von großer Bedeutung. Im „Zentrum guterhirte“ wohnen junge Menschen in kleinen Appartements im verselbständigten Wohnen, um sich auf eine eigene Wohnung vorzubereiten. Das Team bietet weiterhin Unterstützung, solange diese gebraucht wird. Alle stationären Angebote sind zudem traumapädagogisch ausgerichtet, was in Zeiten wie diesen besonders wichtig ist.
Doch wie funktioniert die Inobhutnahme von jungen Geflüchteten eigentlich? Bei ihrer Ankunft ist das Vorliegen einer Sorgerechtsvollmacht entscheidend. Das Jugendamt prüft die Voraussetzungen sehr sorgfältig. Diese Vollmacht muss es der Begleitperson ermöglichen, jederzeit Rücksprache mit den Eltern zu halten, es sei denn, es handelt sich um gemeinsam sorgeberechtigte Eltern. Wenn die Vollmacht nicht ausreicht, etwa für das Asylverfahren, muss ein Verfahren zur Anordnung von Vormundschaft eingeleitet werden. Das DIJuF stellt sogar Vorlagen für Sorgerechtsvollmachten in mehreren Sprachen zur Verfügung – von Deutsch bis Türkisch, damit hier niemand ins Hintertreffen gerät. Fotokopien von Personaldokumenten sind ebenfalls erforderlich, um alles rechtlich klar zu regeln.
Hilfeplanung und Unterstützung
Die Grundlage für all diese Unterstützungsangebote bildet die Hilfeplanung. Wenn es um die Hilfe für Jugendliche geht, sind viele Akteure involviert: der Jugendliche selbst, die fallzuständige Mitarbeiterin im Sozialen Dienst des Jugendamtes, die Bezugsbetreuung aus der Jugendhilfeeinrichtung und möglicherweise sogar ein Dolmetscher. Diese Hilfeplangespräche finden in der Regel halbjährlich statt. Dabei werden die Ziele reflektiert und bei Bedarf neu festgelegt – eine dynamische Herangehensweise, die den unterschiedlichen Lebensrealitäten der Jugendlichen gerecht wird. Für junge Geflüchtete wird zudem Sprachmittlung bereitgestellt. Mit der SMART-Methode werden die Ziele formuliert: spezifisch, messbar, akzeptabel, realistisch und terminiert. Eine Herangehensweise, die nicht nur strukturiert, sondern auch menschlich ist.
In Ulm wird also nicht nur Hilfe angeboten, sondern auch ein Raum für Gemeinschaft geschaffen. Die Geschichten von Lara und Kyril sind Teil eines größeren Bildes, das zeigt, wie wichtig es ist, junge Menschen in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen und ihnen eine Perspektive zu bieten. Hier wird nicht nur auf die Herausforderungen geschaut, sondern auch auf die Chancen, die sich daraus ergeben können.
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