Gruner AG verlagert Produktion: Ein Wendepunkt für Tuttlingen und die deutsche Wirtschaft
Heute ist der 23.06.2026, und während wir uns in Tuttlingen mit der aktuellen Lage auf dem Arbeitsmarkt auseinandersetzen, gibt es Neuigkeiten aus der Region, die nicht unbeachtet bleiben sollten. Die Gruner AG, ein traditionsreiches, familiengeführtes Industrieunternehmen aus Wehingen, hat angekündigt, Teile ihrer Produktion ins Ausland zu verlagern. Ein Schritt, der, wie so oft, gemischte Gefühle auslöst.
Gegründet 1953, hat sich die Gruner AG auf die Entwicklung und Produktion von Relais, Elektromagneten und Servomotoren spezialisiert – Produkte, die auch in der Automobilindustrie gefragt sind. Doch die Zeiten sind hart. Der Wegfall eines Großauftrags aus der Automobilbranche, der steigende Wettbewerb und hohe Kosten setzen dem Unternehmen zu. Bis Ende des Jahres soll die Montage schrittweise nach Serbien verlagert werden, was etwa 50 Mitarbeiter betrifft. Ein harter Schnitt für die Belegschaft, die seit Jahren Teil der Gruner-Familie ist.
Herausforderungen und Veränderungen
Der Vorstand, Patrick Spreitzer, hebt hervor, wie wichtig es ist, diese Veränderungen transparent und verantwortungsvoll zu gestalten. Das ist eine noble Absicht, die in der aktuellen wirtschaftlichen Lage jedoch auch eine Herausforderung darstellt. Weltweit beschäftigt die Gruner AG rund 1.200 Mitarbeiter, davon etwa 250 am Stammsitz in Wehingen. Trotz der Verlagerung bleibt der Standort nicht aufgegeben, es sollen wesentliche Unternehmensbereiche dort verbleiben. Die Verlagerung ist Teil einer größeren Strategie, die, so könnte man sagen, in der Luft liegt. Der Umsatz belief sich im Jahr 2025 auf etwa 75 Millionen Euro – ein Betrag, der für die Zukunft des Unternehmens entscheidend sein könnte.
Die Entwicklungen bei Gruner sind kein Einzelfall. Immer mehr Unternehmen in Deutschland verlagern Stellen ins Ausland. Laut einer aktuellen Erhebung haben zwischen 2021 und 2023 etwa 1.300 Firmen mit 50 oder mehr Beschäftigten Teile ihrer Aktivitäten ins Ausland verschoben. Dabei wurden insgesamt 71.100 Stellen in Deutschland abgebaut, während nur 20.300 neue Arbeitsplätze entstanden. Das ergibt einen Nettoverlust von 50.800 Jobs, was alarmierend ist. Besonders betroffen ist der Bereich der Warenproduktion, wo es zu einem Verlust von 26.100 Stellen kam. Es scheint fast, als wären die Unternehmen dazu gezwungen, diesen Weg zu gehen.
Der Trend zur Verlagerung
Die Gründe für diese Verlagerungen sind vielfältig. 74 Prozent der Unternehmen nennen die Senkung von Lohnkosten als Hauptmotiv, während 59 Prozent auf sonstige Kostenvorteile hinweisen. Hinzu kommt der Mangel an qualifizierten Fachkräften hierzulande – ein Umstand, der viele Unternehmen dazu bewegt, ihre Produktion in Länder wie Polen, Tschechien oder Rumänien zu verlagern. Komischerweise führen die hohen Energiekosten, die Bürokratie und die langsame Digitalisierung in Deutschland dazu, dass der Standort immer unattraktiver wird. Die Verlagerung erfolgt häufig im Rahmen von Nearshoring-Strategien, um möglichst nah am deutschen Markt zu bleiben. Ein Balanceakt, der nicht immer gelingt.
Die Gruner AG ist also Teil eines größeren Trends, der die deutsche Wirtschaft betrifft. Die Tatsache, dass 900 der 1.300 verlagernden Unternehmen Standorte innerhalb der EU gewählt haben, zeigt, dass man den Kontakt zum Heimatmarkt nicht verlieren möchte. Doch trotz aller strategischen Überlegungen bleibt die Frage: Was passiert mit den betroffenen Mitarbeitern? Und wie wird sich der Verlust von Arbeitsplätzen auf die Region auswirken? Diese Fragen schwirren im Raum und warten auf Antworten.
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