Stuttgart, die Stadt, die sich in den letzten Jahren immer wieder mit dem großen Bahninfrastrukturprojekt Stuttgart 21 auseinandersetzen musste, hat es wieder einmal in die Schlagzeilen geschafft. Ein Projekt, das in den 1990er-Jahren seinen Anfang nahm und seitdem mehr als nur einen Schattensprung über die Jahre gemacht hat, erweist sich als wahrer Dauerbrenner – und das nicht unbedingt im positiven Sinne. Das jüngste Update von der Deutschen Bahn (DB) hat die Erwartungen an eine baldige Inbetriebnahme in diesem Jahr endgültig begraben. Die DB-Chefin Palla zeigte sich erschüttert über die neuesten Erkenntnisse und die damit verbundenen Herausforderungen.

Wie es aussieht, ist der neue Zeitplan für Stuttgart 21 alles andere als rosig. Ein Bericht der DB offenbart gravierende Defizite in Planung, Steuerung und Risikomanagement. Die Kosten sind von ursprünglich 2,5 Milliarden Euro auf satte 14,5 Milliarden Euro angestiegen – das sind etwa drei Milliarden Euro mehr als zuvor geschätzt! Und die Inbetriebnahme? Die wird jetzt in fünf Stufen zwischen 2027 und 2033 angestrebt. Ein echter Marathon, wenn man bedenkt, dass der Hauptbahnhof für Dezember 2031 und der Pfaffensteigtunnel für Dezember 2033 angedacht ist. Immerhin soll die Reisezeit zwischen Stuttgart und Zürich durch den Pfaffensteigtunnel um rund 15 Minuten verkürzt werden. Es gibt also Licht am Ende des Tunnels – wenn auch erst in ein paar Jahren.

Ein Projekt mit vielen Facetten

Die Chronologie von Stuttgart 21 ist gespickt mit Wendungen, die so manche Soap-Opera blass aussehen lassen. Tatsächlich begann alles Mitte der 1990er-Jahre, als die ersten Ideen für das Projekt geboren wurden. Die Bauarbeiten starteten dann 2010, und schon im selben Jahr kam es zum berüchtigten „Schwarzen Donnerstag“, als die Proteste gegen das Projekt ihren Höhepunkt erreichten. Es gab zahlreiche Verschiebungen im Zeitplan – der ursprüngliche Fertigstellungstermin von 2019 wurde mehrfach nach hinten geschoben, zuerst auf 2025, dann auf Ende 2026 und schließlich auf Ende 2031. Es ist fast schon ein Wunder, dass die Bauarbeiten nicht komplett zum Stillstand gekommen sind!

Ein Blick auf die Kostenentwicklung zeigt, wie schnell sich die Dinge verändern können: von 2,5 Milliarden Euro in der Rahmenvereinbarung von 1995 auf aktuell 14,5 Milliarden Euro. Das ist ein Anstieg, der selbst die kühnsten Prognosen übertrifft. Und die Mehrkosten? Die können nicht mehr von den Projektpartnern getragen werden. Die DB selbst nennt Stuttgart 21 mittlerweile ein Beispiel für die weitreichenden Auswirkungen von Risiko, Governance und regulatorischen Verfahren auf große Bahninfrastrukturprojekte. Ein Lehrstück für die Zukunft, wenn man so will.

Einblicke in die Probleme

Die Gründe für die zahlreichen Verzögerungen und Kostensteigerungen sind vielfältig. Da wäre zum einen die Digitalisierung des Bahnknotens, die sich als anspruchsvoller erwies als gedacht. Auch die Planungsprozesse hatten nicht den nötigen Reifegrad, was immer wieder zu Problemen führte. Und dann gibt es da noch das Technikgebäude von 2013, das mittlerweile nicht mehr passt – irgendwie ein Sinnbild für die dynamische Entwicklung der Technik. Dazu kommt die zu späte Reaktion auf Normänderungen für die Stromversorgung, die ebenfalls ihren Teil zu den Schwierigkeiten beigetragen hat.

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Doch all das soll nicht heißen, dass die Passagiere in Stuttgart völlig auf der Strecke bleiben. Bereits Ende 2027 sollen spürbare Verbesserungen für die Zugreisenden eintreten. Der Fernbahnhof am Flughafen ist für Dezember 2030 geplant, und die digitalisierte sowie verlängerte S-Bahn-Stammstrecke soll im Juli 2032 in Betrieb gehen. Der alte Kopfbahnhof wird bis Mitte 2032 für einige Regionalzüge noch in Betrieb bleiben, bevor er endgültig Geschichte ist. Und ganz gleich, wie viele Hürden noch genommen werden müssen, eines ist klar: Stuttgart 21 ist mehr als nur ein Bahnprojekt; es ist auch ein Stadtentwicklungsprojekt, das die Stadt und ihre Umgebung langfristig prägen wird.

Was die Zukunft bringt

Eines ist sicher – die nächsten Jahre werden entscheidend für Stuttgart 21. Während die DB-Chefin Palla den Rückstand bedauert, müssen sich alle Beteiligten darauf konzentrieren, aus den bisherigen Fehlern zu lernen. Die künftigen Großprojekte sollten auf frühere Kosten-Transparenz, klarere Risikoteilung und realistischere Meilenstein-Definitionen setzen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Ob Stuttgart 21 letztlich zum Erfolg oder zum Flop wird, bleibt abzuwarten. Die Stadt und ihre Bürger sind jedenfalls gespannt – und vielleicht auch ein wenig müde von all den Versprechungen. Denn am Ende sollte es nicht nur um die Zahlen gehen, sondern auch um die Menschen, die auf die Züge warten.

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