Im Herzen von Rottweil, genauer gesagt im Dominikanermuseum, erwartet die Besucher die aktuelle Ausstellung mit dem Titel „Aussichten ins Offene“. Diese spannende Schau bringt die Werke der beiden Künstlerinnen Julia von Troschke und Ulrike Kessl zusammen und stellt damit eine kleine Sensation dar. Denn es ist das erste Mal, dass in der Gemeinschaft „kunst raum rottweil“ die Arbeiten zweier Künstlerinnen gleichzeitig präsentiert werden. Die Vernissage am 26. April war gut besucht und die Resonanz auf die kreativen Arbeiten war durchweg positiv.
Julia von Troschke zeigt eindrucksvolle Scherenschnitte, darunter drei zwei Meter große Evas aus hauchdünnem Papier, die zwischen Plexiglasscheiben gerahmt sind. Ihre Arbeit „Über Leben“ spiegelt ihre persönliche Rückkehr ins Leben nach einer schweren Krankheit wider und thematisiert damit auch den menschlichen Alltag und gesellschaftliche Fragestellungen. Das ist einfach tiefgründig und berührend, wenn man darüber nachdenkt.
Ein Spiel mit Textilien und Raum
Ulrike Kessl, die in Rottweil geboren wurde und heute in Düsseldorf lebt, hat mit ihrem zentralen Kunstwerk, einem auffälligen weiß-orangen Turmkleid, die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich gezogen. Bei Kessl dreht sich vieles um das Verhältnis zwischen Mensch und Raum, und sie nutzt Textilien, um in ihren Arbeiten neue Perspektiven zu schaffen. Besonders faszinierend ist, wie sie eine zentrale Säule des Raums mit ihrer Installation „Jeans“ transformiert und dabei Alltagsmaterialien in etwas völlig Neues verwandelt. Kessls Werke sind nicht nur Skulpturen, sondern auch ein Dialog mit dem Raum selbst.
Die Bildwelt von Julia von Troschke ist ebenfalls weitreichend – sie thematisiert den Menschen und dessen Interaktion mit der Umwelt. Ihre Eva-Scherenschnitte fungieren dabei nicht nur als Kunstwerke, sondern auch als Raumteiler, die neue Blickbeziehungen ermöglichen. Man fragt sich, wie viele Geschichten in diesen zarten Papierfiguren stecken. Werke wie „Na auch ’n Apfelschnitz vom Baum der Erkenntnis“ und „Thumbs Up!“ interagieren auf ihre ganz eigene Art mit dem Ausstellungsraum und laden die Zuschauer zu einer Entdeckungsreise ein.
Ein neuer Weg für die Ausstellungsgemeinschaft
Bürgermeisterin Ines Gaehn eröffnete die Ausstellung und betonte, wie wichtig solche Formate für die kulturelle Landschaft Rottweils sind. Die Doppelausstellung soll künftig ein fester Bestandteil des Programms von „kunst raum rottweil“ werden. Das Ziel ist klar: Ein Dialog zwischen unterschiedlichen künstlerischen Positionen, Materialien und Bildwelten soll gefördert werden. Die Ausstellung ist bis zum 27. September 2026 zu sehen und ist von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt zur Vernissage war übrigens frei – eine tolle Gelegenheit, um diese faszinierenden Werke zu entdecken!
Die Ausstellung wurde von Johannes Waldschütz und Rainer Pohler kuratiert und betrachtet den Ausstellungsraum als integralen Bestandteil. Und genau das macht diese Schau so einzigartig und inspirierend. Wer also noch nicht dort war, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall – die Kunst, die Atmosphäre und die Gespräche, die man dort führen kann, sind einfach unbezahlbar.