Jugendliche Guides erinnern an die dunkle Geschichte von Grafeneck
Am Sonntag, dem 20.07.2026, lädt die Gedenkstätte Grafeneck im Landkreis Reutlingen zu einer besonderen öffentlichen Führung ein. Hierbei übernehmen engagierte Jugendliche die Rolle der Guides und nehmen Besucher mit auf eine eindringliche Reise durch die Geschichte dieses dunklen Kapitels der deutschen Vergangenheit. Übrigens, eine Anmeldung ist nicht notwendig – einfach vorbeikommen und mitgehen! Die Führung findet am Schloss Grafeneck statt und dauert etwa eine Stunde.
Grafeneck, ein Ort, der von 1939 bis 1940 mit unvorstellbarem Leid verbunden war, diente als eine der ersten Stationen der „Aktion T4“, bei der kranke und behinderte Menschen systematisch ermordet wurden. Mindestens 10.654 Frauen und Männer fanden 1940 in der Gaskammer von Grafeneck den Tod. Die Jugendlichen, die als Guides ausgebildet wurden, haben sich dem Ziel verschrieben, an diese Verbrechen zu erinnern und das Bewusstsein für diese furchtbaren Ereignisse zu schärfen – ein wichtiger Schritt in der Aufarbeitung der Geschichte.
Ein Ort der Erinnerung
Die Gedenkstätte ist nicht erst seit gestern ein Ort der Erinnerung. Bereits in den 1950er und 1960er Jahren wurde hier an die Morde während des Nationalsozialismus erinnert. Über die Jahre wurden zahlreiche Gedenkmaßnahmen initiierte, darunter zwei Urnengräber und ein Gedenkort mit einer offenen Kapelle auf dem Friedhof. Die künstlerische Gestaltung der Gedenkstätte stammt von dem Bildhauer Rudolf Kurz aus Stimpfach, der mit seinem Werk den Schmerz über die unmenschlichen Vorgänge eindrucksvoll symbolisiert.
Ein besonders berührendes Element der Gedenkstätte ist der Riss in der Rückwand, der für viele Besucher eine bewegende Metapher für das Unrecht darstellt, das hier geschehen ist. Der Zugang zur Gedenkstätte führt über eine steinerne Schwelle, die die Namen von über 40 baden-württembergischen und bayerischen Einrichtungen auflistet, aus denen Menschen zur Tötung nach Grafeneck gebracht wurden. Ein eindringlicher Hinweis darauf, wie weit die Verstrickungen reichten.
Eine lebendige Geschichte
Seit 2005 ist Grafeneck zudem Heimat eines Dokumentationszentrums, das eine Dauerausstellung mit dem Titel „Grafeneck 1940 – Krankenmord im Nationalsozialismus. Geschichte und Erinnerung“ bietet. Jährlich strömen zwischen 15.000 und 20.000 Menschen hierher, um sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und die Ausstellung zu besuchen. Auch das „Gedenk- und Namensbuch“, das seit 1995 existiert und mittlerweile über 8.000 Namen der Opfer umfasst, ist ein wichtiger Bestandteil der Gedenkstätte. Ein Alphabet-Garten, der 1998 angelegt wurde, erinnert an die namentlich unbekannten Opfer und ist von der englischen Schriftstellerin Diane Samuels inspiriert.
Nach der Führung stehen die Jugendlichen und Verantwortlichen der Gedenkstätte für Fragen zur Verfügung – eine gute Gelegenheit, um mehr über die Qualifizierung und die Führungen zu erfahren. Wer Interesse hat, kann sich jederzeit unter jugendguides@kreis-reutlingen.de informieren.
Außerdem findet vor dem Verwaltungsgebäude des Samariterstifts Grafeneck ein Dorffest statt, das um 10:00 Uhr beginnt. So wird der Tag nicht nur zu einem Moment des Gedenkens, sondern lässt auch Raum für Begegnung und gemeinschaftliches Miteinander. Ein gelungener Mix aus Ernsthaftigkeit und Lebensfreude – das ist es, was diese Veranstaltung ausmacht.
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