Das letzte Kapitel der Druckerei Raisch: Ein Abschied von Tradition und Wandel
Die Druckerei Raisch GmbH & Co. KG in Reutlingen-Betzingen steht vor einem entscheidenden Ende. Zum Jahresende 2026 wird der Betrieb, der seit 1977 unter der Leitung von Wolfgang Raisch existiert, seine Pforten schließen. Eine traurige Nachricht, die nicht nur die Familie Raisch, sondern auch die 20 verbleibenden Mitarbeiter betrifft, die nun ihre Arbeitsplätze verlieren werden. Die Gründe für diese Entscheidung sind vielschichtig und spiegeln die Herausforderungen wider, mit denen viele Druckereien heutzutage konfrontiert sind.
Wirtschaftliche Faktoren spielen dabei eine zentrale Rolle. Die fehlende dritte Familiengeneration als Nachfolger hat die Zukunft der Druckerei in Frage gestellt. Zudem wäre es notwendig, mehrere Millionen Euro in neue Maschinen zu investieren – eine Summe, die in der aktuellen Marktlage nur schwer zu stemmen ist. Das rückläufige Druckvolumen und der Verlust von Kunden durch die fortschreitende Digitalisierung machen die Situation nicht einfacher. Hier zeigt sich, wie sehr die Branche unter dem Druck des digitalen Wandels leidet.
Eine lange Tradition geht zu Ende
Die Druckerei Raisch wurde 1977 von Wolfgang Raisch in Pfullingen gegründet und hat sich über die Jahre hinweg einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Positive Bewertungen für die Qualität ihrer Arbeit haben sie stets begleitet. Doch wie so viele andere Druckereien in Deutschland musste auch Raisch den Rückgang der Nachfrage hinnehmen. In den letzten zehn Jahren hat sich die Mitarbeiterzahl von 35 auf 20 reduziert – ein deutliches Zeichen für die schwierigen Zeiten, die die Branche durchlebt.
Die Schließung von Raisch ist nicht die erste ihrer Art in der Region. Auch die Großdruckerei Wennberg hat ihre Tore geschlossen, was die Unsicherheit in der Branche weiter verstärkt. Diese Entwicklungen sind alarmierend und zeigen, dass es nicht nur um eine einzelne Druckerei geht, sondern dass hier ein ganzes Berufsfeld in der Krise steckt.
Der digitale Wandel und seine Herausforderungen
Ein Blick auf die aktuellen Trends in der Druckindustrie lässt erahnen, in welche Richtung sich die Branche entwickeln muss. Der Print Horizons Report, veröffentlicht im März 2024, liefert wertvolle Einblicke. Die Digitalisierung wird als zentrales Thema identifiziert, dem sich Druckdienstleister und Zulieferer stellen müssen. Sechs Schlüsselthemen, darunter Workflow-Automation und digitale Verpackungsdruck, sind für die Zukunft entscheidend. Automatisierung von Arbeitsabläufen wird immer häufiger, wobei vollautomatisierte Workflows noch die Ausnahme sind.
Ebenfalls wichtig ist die Nachhaltigkeit, die für Druckdienstleister zunehmend an Bedeutung gewinnt. Maßnahmen zur Steigerung der Nachhaltigkeit können nicht nur positive Auswirkungen auf die Umwelt haben, sondern auch die Geschäftsergebnisse verbessern. Das Thema ESG (Environmental, Social, Governance) spielt dabei eine zentrale Rolle, auch wenn klare Definitionen oft fehlen. Die nächste drupa, die vom 28. Mai bis 7. Juni 2024 stattfinden wird, wird sich intensiv mit diesen Herausforderungen auseinandersetzen, und es bleibt zu hoffen, dass auch Druckereien wie Raisch von diesen Entwicklungen profitieren könnten.
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