Heute ist der 30.04.2026 und in der baden-württembergischen Stadt Bretten brodelt es hinter den Kulissen des traditionsreichen Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH)-Werks. Der Betriebsrat hat ein Rettungskonzept vorgelegt, das die Zukunft der Produktion sichern soll. Diese Initiative stellt eine Antwort auf die Ankündigung von BSH dar, die Produktion von Herden und Dunstabzugshauben in Bretten bis März 2028 einzustellen. Betroffen sind über 980 Mitarbeiter in Bretten und weitere 440 in Nauen, wo die Waschmaschinenproduktion bis Mitte 2027 eingestellt werden soll.

In Verhandlungen mit Finanzchef Thorsten Lücke und Produktionschef Lars Schubert, vertreten durch Betriebsratschef Kristian Kipcic-Suta, wurde ein Konzept erarbeitet, das den Ausbau und die Automatisierung der Dunstabzugshauben-Produktion vorsieht. Das Besondere an Bretten ist, dass es das einzige Werk in Europa ist, das klassische Dunstabzugshauben herstellt. Mit dem vorgelegten Plan möchte der Betriebsrat betonen, dass eine wirtschaftliche Fortführung der Produktion ohne betriebsbedingte Kündigungen möglich sei. Dies könnte eine entscheidende Wende für die Belegschaft bedeuten, die aufgrund der angekündigten Schließungen große Sorgen um ihre Zukunft hat.

Langsame Übergänge und geschützte Arbeitsplätze

Das Konzept sieht vor, dass die Herdproduktion langsamer ausläuft, um natürliche Fluktuation zu nutzen und so mögliche Kündigungen zu vermeiden. Zudem wird angestrebt, dass Aufträge, die bisher an externe Unternehmen vergeben wurden, wieder innerhalb von BSH gefertigt werden. Dies könnte nicht nur Arbeitsplätze sichern, sondern auch die Wertschöpfung im Werk Bretten steigern. Ab 2030 soll das Herdwerk als Absicherungswerk zur Verfügung stehen, was ebenfalls eine positive Nachricht für die Mitarbeiter darstellt.

Die historische Bedeutung des Standorts Bretten, wo die Herdproduktion bereits seit 1877 eine Tradition hat, wird dabei nicht außer Acht gelassen. Unterstützt wird der Betriebsrat in seinen Vorschlägen auch von Oberbürgermeister Nico Morast, der eine ergebnisoffene Prüfung des Konzepts durch die Geschäftsführung fordert. Die BSH hat sich bisher nicht zu den neuen Vorschlägen geäußert, möchte das Konzept jedoch prüfen. Bis zum 12. Mai erwartet der Betriebsrat eine Antwort, während die Belegschaft am 13. Mai informiert werden soll.

Ein Sozialplan für Nauen

Parallel dazu wurde für die Waschmaschinenfabrik in Nauen ein Sozialplan zur Schließung bis Ende Juni 2027 vereinbart. Dieser umfasst die Gründung einer Transfergesellschaft, Abfindungszahlungen, Weiterbildungsangebote und Vorruhestandsregelungen. Nauen wird künftig nur noch als Logistik-Standort im BSH-Netzwerk erhalten bleiben, was die Herausforderungen für die dortige Belegschaft weiter verstärken dürfte.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Rolle der Betriebsräte in Zeiten des Wandels

In diesem Kontext wird die Rolle der Betriebsräte besonders deutlich. Sie sind entscheidend, um die negativen Folgen der Automatisierung abzumildern und die Weiterbeschäftigungschancen der Belegschaft zu verbessern. Vor allem ältere Beschäftigte, die nach einer Kündigung oft Schwierigkeiten haben, einen neuen Job zu finden, profitieren von der Unterstützung durch Betriebsräte. Angesichts der Automatisierung, die in vielen Branchen zu niedrigeren Löhnen führen kann, übernehmen Betriebsräte eine wichtige Funktion, um den Rückgang der Löhne in leicht automatisierbaren Berufen zu verhindern.

Die aktuellen Entwicklungen im BSH-Werk in Bretten zeigen, wie wichtig es ist, dass die Interessen der Beschäftigten auch in Zeiten des Wandels gewahrt bleiben. Das vorgelegte Rettungskonzept könnte nicht nur die Zukunft des Unternehmens sichern, sondern auch die Arbeitsplätze von über 1400 Menschen in der Region schützen.